Fahrlässige Tötung

Teich-Tragödie von Neukirchen: Bürgermeister weist Schuld am Tod der ertrunkenen Kinder von sich 

Teichprozess beginnt in Schwalmstadt: Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich.
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Teichprozess beginnt in Schwalmstadt: Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich.

In Neukirchen ertrinken drei Kinder in einem Teich. Bürgermeister Klemens Olbrich steht seit Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

  • Drei Kinder sind 2016 in einem Feuerlöschteich im nordhessischen Neukirchen  ertrunken.
  • Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich steht vor Gericht.
  • Der Verteidiger fordert Freispruch.

Update, 09.01.2020, 14.15 Uhr: Es ist noch nahezu dunkel, als Klemens Olbrich das Amtsgericht am Donnerstagfrüh betritt. Dreieinhalb Jahre nach der Tragödie in Seigertshausen ist er als Bürgermeister der Stadt Neukirchen der fahrlässigen Tötung der drei Kinder angeklagt. 

Bis sich die Türen zum Großen Verhandlungssaal für die Film- und Fotoreporter eine Stunde später gegen 9.10 Uhr schließen und wenig später der erste Verhandlungstag beginnt, muss der 62-Jährige einen Interview-Marathon bewältigen. Mit seinem prominenten Verteidiger Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, an der Seite, anwortet er auf die immer gleichen Fragen. 

Anspannung ist groß bei Bürgermeister Olbrich - Schuldvorwurf kann er nicht nachvollziehen

Ja, die Anspannung ist groß, ja, das alles belaste ihn, nie könne er den tragischen Tod der Kinder aus der Erinnerung löschen. Nein, den Schuldvorwurf könne er nicht nachvollziehen, niemals habe er sich vorstellen können, sich solch einer Anklage gegenüber zu sehen. Während die Kameras klicken und surren, nehmen Zuschauer ihre Plätze ein. Olbrichs Ehefrau ist da, auch einige Wegbegleiter aus Neukirchen und eine Reihe von Bürgermeisterkollegen

Prozess gegen Bürgermeister Olbrich könnte bundesweite Signalwirkung haben

Klar ist allen das Eine: Vom Verlauf des Prozesses geht eine bundesweite Signalwirkung aus – tragen Verwaltungschefs für solch tragische Ereignisse persönlich Verantwortung? Bei aller Gelassenheit, die Olbrich und Schelzke zur Schau tragen, ist die enorme Anspannung doch spürbar. 

Schelzke unterstreicht, dass man eine Einstellung des Verfahrens nicht akzeptieren werde – schon vorab hatte er klar Freispruch gefordert. Während sich draußen drei Ordnungspolizisten darum kümmern, dass die zahlreichen Journalisten und Reporterteams ihre Fahrzeuge nicht im Halteverbot abstellen, trifft Polizei ein. 

Medieninteresse ist riesig, dass der Öffentlichkeit überschaubar

Ein Kripobeamter ist als Prozessbeobachter vor Ort. Das Interesse der Öffentlichkeit bleibt überschaubar, etwa ein Dutzend Zuhörer ohne Amtsfunktion ist schließlich in dem relativ kleinen Verhandlungsraum, als der auf fünf Tage anberaumte Prozess pünktlich um 9.15 Uhr beginnt.

Bürgermeister Olbrich nimmt ausführlich Stellung: "Werde das Geschehen nie vergessen" 

Die Anklage wird von Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier geführt. Wie angekündigt nimmt Bürgermeister Olbrich ausführlich Stellung, gibt seiner Trauer und Betroffenheit Ausdruck und bekennt, wie sehr ihn diese Tragödie belaste, „ich werde das Geschehen niemals vergessen“. Dann schildert er den Ablauf des Unglückstages aus seiner Perspektive, bis er an jenem Samstag gegen 22 Uhr informiert und zur Unglücksstelle gerufen wird. 

Olbrich schildert den Unglückstag aus seiner Perspektive

Dann berichtet er, was er dort mitansehen muss, die Bergung der Kinderleichen. Wer alles vor Ort ist, etwa auch der Landrat. Dann seinen eigenen Werdegang, seine Amtszeiten als Verwaltungschef seit 1990. Und dass es den Seigertshäuser Teich seit wohl 200 Jahren gibt. Niemals habe ihn jemand auf nötige Sicherungsmaßnahmen hingewiesen, setzt ihn in Gegensatz zu klassischen Feuerlöschteichen wie in den Stadtteilen Hauptschwenda, Asterode oder Wincherode. 

Das Gewässer in Seigertshausen aber sei ein Freizeitteich, an dem seit Jahrzehnten gesellige Spiele und Veranstaltungen ablaufen. Nichtsdestotrotz empfinde er selbstverständlich als dreifacher Vater für die Eltern der zu Tode gekommenen Kinder tiefes Mitgefühl.

Update, 09.01.2020, 12.30 Uhr: Vor dem Treysaer Amtsgericht hat am Donnerstagvormittag der Prozess gegen den Bürgermeister von Neukirchen (Schwalm-Eder-Kreis), Klemens Olbrich, begonnen.

Staatsanwaltschaft wirft Bürgermeister Olbrich fahrlässige Tötung vor

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor, nachdem am 18. Juni 2016 im Dorfteich des Stadtteils Seigertshausen drei Kinder ertrunken waren, Geschwister im Alter von fünf, acht und neun Jahren. Oberstaatsanwältin Kerstin Brinkmeier wirft dem 62-Jährigen, der seit fast 30 Jahren Bürgermeister der Stadt Neukirchen ist, vor, seine Verkehrssicherheitspflicht missachtet zu haben. 

Staatsanwaltschaft: Feuerlöschteich hätte als Gefahrenquelle mit Zaun gesichert werden müssen

Teich in Seigertshausen: Unser Bild entstand am Tag nach der Tragödie.

Der Feuerlöschteich in dem Dorf hätte als erkennbare Gefahrenquelle mit einem 1,25 Meter hohen Zaun umgeben seien müssen. Olbrich habe um die Gefahr, die von dem Teich ausgeht gewusst, sie sei vorhersehbar gewesen, sagte Brinkmeier in ihrer Anklage. Olbrich und sein Verteidiger, Karl-Christian Schelzke, bestritten, dass es sich bei dem Gewässer um einen Feuerlöschteich handele. 

Verteidiger: Teich dient als Freizeitanlage

Der über 200 Jahre alte Teich diene heute in erster Linie als Freizeitanlage und Erholungsstätte und nur im Brandfall als Löschwasserreservoir. Für derartige Teiche aber, von denen es allein im Schwalm-Eder-Kreis zahlreiche andere gebe, sei eine Umzäunung nicht vorgeschrieben. 

Tragödie von Seigertshausen: Bürgermeister ist tief betroffen

Eine Forderung, diesen Teich entsprechend zu schützen, sei noch nie geäußert worden, weder von den städtischen Gremien, noch aus der Bevölkerung. Gleichwohl zeigte sich der Bürgermeister in einer sehr persönlichen Einlassung betroffen und traurig über den Tod der Kinder. „Ich werde diesen Tag nie vergessen“, sagte er auf Befragen von Richterin Pöllmann. 

Drei Geschwister ertrunken: Teichprozess beginnt in Schwalmstadt

Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Anne Quehl
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Th omas Stier
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Thomas Stier
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
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Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Thomas Stier
Drei Kinder ertranken - Teichprozess beginnt in Schwalmstadt - Großes Medieninteresse am Verfahren gegen Neukirchens Bürgermeister Olbrich
 © Thomas Stier

Verfahren könnte grundsätzlich klären: Wie weit geht die Verantwortung von Bürgermeistern? 

Olbrich kannte die Familie persönlich, hatte der Mutter selbst zur Geburt eines ihrer insgesamt sechs Kinder gratuliert und die Familie in Neukirchen willkommen geheißen. Das Verfahren wird von drei anderen Bürgermeistern aus dem Landkreis verfolgt, denn es könnte von grundsätzlicher Bedeutung dafür sein, wie weit die persönliche Verantwortung eines Verwaltungschefs für die Sicherheit in seiner Kommune geht. 

Verteidigung fordert einen Freispruch für Bürgermeister Olbrich

Verteidiger Karl-Christian Schelzke, ehemaliger Oberstaatsanwalt und heute geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, strebt daher auch einen klaren Freispruch für seinen Mandanten an. Im Verlauf des Vormittags haben die Eltern der Kinder als Zeugen ausgesagt, was für emotionale Momente in der Verhandlung sorgte. Mit der Anhörung weiterer Zeugen wird das Verfahren gegen 12 Uhr fortgesetzt.

Erstmeldung, 08.01.2020, 17.21 Uhr: Unter großem Medieninteresse beginnt am Donnerstag der Prozess gegen Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich. Neukirchen liegt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kries. Für das Verfahren vor dem Treysaer Amtsgericht sind fünf Verhandlungstage angesetzt, es wird sich somit bis zum 5. März hinziehen.

Neukirchen: Geschwister ertrinken im Teich

Es geht um das Unglück im Juni 2016, alsdrei Geschwister im Teich in Seigertshausen ertranken wie die HNA* berichtet. Rathauschef Olbrich (62) ist der fahrlässigen Tötung angeklagt. Der Vorwurf lautet, dass er nicht für eine Einzäunung des Gewässers als mögliche Gefahrenquelle gesorgt habe.

Klemens Olbrich, Bürgermeister von Neukirchen.

Neukirchen: Bürgermeister Olbrich verfolgen die Bilder bis heute

Die Deutsche Presseagentur zitiert Olbrich so: „Das belastet mich. Die Bilder werden mir Zeit meines Lebens nicht mehr aus dem Kopf gehen.“ Er sei am Abend sofort zum Unglücksort geeilt und sah die Folgen: drei in einer Garage aufgebahrte Kinderleichen. Einsatzkräfte hatten die leblosen Körper erst mal dorthin gebracht. Bei den Opfern handelte es sich um die fünf, acht und neun Jahre alten Kinder einer in der Nähe wohnenden Familie. 

Der elf Jahre alte Bruder hatte seine spielenden Geschwister am Abend gesucht und nach Hause holen wollen. Als er das Unglück sah, alarmierte er Nachbarn und diese dann die Rettungskräfte. Laut den Ermittlern konnten der fünfjährige Junge und seine achtjährige Schwester nicht schwimmen. 

Der Neunjährige konnte schwimmen, er kam in dem trüben, 40 Meter breiten und ein bis zwei Meter tiefen Teich dennoch ums Leben. Die Familie verlor drei ihrer seinerzeit sechs Kinder.

Video: Tragödie in Neukirchen - Drei Geschwister in Teich ertrunken

Neukirchen und das Teichunglück – Zuständigkeit der Schuldfrage wird nun aufgearbeitet

Am Tag danach traten die Eltern am Unglücksort öffentlich nicht in Erscheinung. Auch später hielten sie sich in den Medien zurück. Olbrich äußerte sich, nachdem er länger nichts sagen wollte, bereitwillig zum Fall und seine Sicht der Dinge. Für den ersten Prozesstag hat sein Anwalt eine umfangreiche Einlassung seines Mandanten in Aussicht gestellt.

Nach langem juristischen Hick-Hack um die Zuständigkeit wird die Schuldfrage nun am Amtsgericht in Treysa aufgearbeitet, Verteidiger Karl-Christian Schelzke beschreibt seine Erwartung mit einem Wort: „Freispruch.“* Kein Mensch habe zuvor in dem Teich eine potenzielle Gefahrenquelle gesehen. 

Teichunglück – Gibt es einen Schuldigen?

„Es gibt Schicksale, für die es keinen Schuldigen gibt. In unserer Vollkasko-Mentalität nehmen wir Deutschen an, man könne immer einen Schuldigen finden“ – das sagt Verteidiger Karl-Christian Schelzke über die Tragödie. Wichtig für den Prozess ist, um was für eine Art von Teich es sich handelt. Klemens Olbrich, selbst Jurist und dienstältester Bürgermeister im Kreis, spricht von einem „Fischteich“ oder „Freizeitteich“, der keines Zaunes bedürfe. 

Tragödie in Neukirchen: Badeteich oder Löschwasserrückhalteteich?

Schelzke nennt das Gewässer einen Badeteich, während er für die Staatsanwaltschaft einen „Löschwasserrückhalteteich“ darstellt*, für den Sicherungspflichten bestanden hätten. Für solche Wasserreservoirs für die Feuerwehr gibt es Vorschriften. Sie enthalten die Bestimmung, dass sie von einem 1,25 Meter hohen Zaun umgeben sein müssen.

Da so ein Unglück an vielen Orten hätte passieren können, sieht Rechtsanwalt Schelzke eine bundesweite Bedeutung des Falls. „Viele Bürgermeister schauen gespannt auf das Verfahren und fragen sich, ob sie womöglich besser etwas einzäunen oder sichern sollten.“

Neukirchen: Stellte der Teich eine Gefahr da?

Laut Strafgesetzbuch liegt der Strafrahmen für fahrlässige Tötung* bei einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe. Schelzke, früher Oberstaatsanwalt in Frankfurt, ehemals Bürgermeister in Mühlheim am Main und aktuell Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, gibt zudem zu bedenken: Der Bürgermeister hätte die Entscheidung zur Einzäunung des Teiches gar nicht allein fällen können. 

„Dafür wäre ein Beschluss des Magistrats erforderlich gewesen. Weil der Teich seit Ewigkeiten aber so liegt, ist es unwahrscheinlich, dass der Magistrat zugestimmt hätte.“ Zumal es nie Anhaltspunkte gegeben habe, dass der Teich eine Gefahr darstelle. „Nie hat irgendjemand darauf hingewiesen“, so Schelzke.

Video: Drama um drei ertrunkene Kinder in einem Teich im Schwalm-Eder-Kreis

Prozessauftakt am Donnerstag: Zahlreiche Journalisten reisen an

Beobachter gehen davon aus, dass zahlreiche Journalisten den Prozess ab Donnerstag verfolgen werden. Informationen sind an alle großen Fernsehsender und Agenturen hinausgegangen. 

Start ist diesen Donnerstag um 9.15 Uhr, weiter geht es alle 14 Tage donnerstags bis zum 5. März – fünf Prozesstage lang. Ob Platz für nicht eigens zugelassene Zuschauer sein wird, wurde uns gestern trotz schriftlicher Anfrage nicht mitgeteilt.

Von Anne Quehl


Der Prozess gegen Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich ist nicht der einzige, der die Gemüter erhitzt. In Göttingen hat ein Polizeibeamter eine 76-jährige Frau auf die Zahlung eines Schmerzensgeldes von 1500 Euro verklagt*.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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