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Zugunglück von Bad Aibling: Angeklagter muss in Haft

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Der Fahrdienstleiter (M.) ist am Montag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Traunstein - Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling hat das Landgericht Traunstein am Montag nach sechs Verhandlungstagen das Urteil verkündet.

+++ Eine Bewährungsstrafe kam für das Landgericht Traunstein nicht infrage. Zu viele Fehler hatte der Fahrdienstleiter von Bad Aibling gemacht. Im Urteil heißt es, der 40-Jährige sei zwar kein schlechter Mensch - aber dennoch für den Tod von zwölf Menschen verantwortlich.

+++ Der Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling ist zu Ende.

+++ Richter Fuchs: „Die Strafe mag hoch erscheinen. Aber er kann in absehbarer Zeit zu seiner Familie zurückkehren.“ Die Opfer des Zugunglücks könnten das nicht.

+++ Zusammenfassend sei zu erkennen, dass der Angeklagte fahrlässig gehandelt hatte. Es handle sich über ein pflichtwidriges Verhalten über einen längeren Zeitraum. Strafmaß-lindernd habe sich das Geständnis ausgewirkt.

+++ Er habe gewusst, dass das Spielen verboten war. Seine Verantwortung für die Menschen in den Zügen habe er nicht wahrgenommen.

+++ Der Angeklagte habe vor und während seines Dienstes auf seinem Smartphone gespielt. Auch nachdem er die beiden Züge aus den angrenzenden Gebieten übergeben bekommen hatte, spielte er weiter. „Jeder, der gedanklich in zwei Bereichen unterwegs ist, weiß, dass das die Leistungsfähigkeit in mindestens einem Bereich beeinträchtigt“, so Richter Fuchs. „Er war gedanklich im Spiel, deshalb ist es auch zu diesem Vorfall gekommen.“

+++ Das Gericht sprach von einem der erschreckendsten Zugunglücke in den letzten Jahren.

+++ Der Richter verliest die Namen und Geburtsdaten der Menschen, die bei dem Zugunglück am 9. Februar ums Leben gekommen waren. Fast 90 Menschen waren außerdem teils lebensgefährlich verletzt worden. "Man kann von Glück sprechen, dass sich das Unglück an einem Faschingsdienstag ereignet hat. Sonst wären womöglich noch viel mehr Menschen zu Schaden gekommen", sagte Richter Erich Fuchs.

+++ Die Mimik des Fahrdienstleiters wirkte bei der Urteilsverkündung wie versteinert.

+++ Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert, die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe oder maximal zweieinhalb Jahre Gefängnis plädiert. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

+++ Der Fahrdienstleiter ist zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Traunstein sah es am Montag als erwiesen an, dass der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung schuldig ist.

+++ Der Zuschauer- und Medienandrang ist enorm. Alle warten gespannt auf die Verkündung des Urteils.

+++ Um ca. 10.30 Uhr startet der siebte Verhandlungstag.

Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten wird am Montag mit Spannung das Urteil erwartet. Am Vormittag verkündet der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Traunstein den Schuldspruch. An einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung besteht kein Zweifel.

Selbst die Verteidiger des angeklagten Fahrdienstleiters hatten dies in ihren Plädoyer am Freitag eingeräumt. Allerdings halten sie eine Bewährungsstrafe für ausreichend. Allenfalls komme eine Haftstrafe von maximal zweieinhalb Jahren infrage. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen vier Jahre Gefängnis beantragt. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

Zu Prozessbeginn hatte der Bahnmitarbeiter gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar in dem oberbayerischen Kurort das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter5“ auf seinem Handy gespielt zu haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Die Vorschriften der Deutschen Bahn (DB) verbieten jedoch die private Nutzung von Smartphones im Dienst.

Womöglich vom Spielen auf dem Smartphone abgelenkt stellte der Fahrdienstleiter im Stellwerk mehrere Signale falsch, wie die fünftägige Beweisaufnahme im Prozess ergab. Beim Absetzen eines Notrufes drückte er eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Dadurch kam es zum Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke. Bei dem Unglück starben 12 Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Bekannt wurde in dem Verfahren auch, dass die Bahn auf der Unglücksstrecke seit mehr als 30 Jahren veraltete Signaltechnik einsetzt. Eine Vorschrift von 1984, zusätzliche Anzeigen zu installieren, war nicht umgesetzt worden, wie ein Unfallexperte des staatlichen Eisenbahn-Bundesamtes aussagte. Die Bahn muss dies nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun.

Unser Partnerportal rosenheim24.de berichtet live vom Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling.

dpa/AFP

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