Kolumne

News vom Miami Harald: Das "Ich liebe deine Schuhe"-Phänomen

Wenn ich Amerikaner treffe, kommt es häufig vor, dass mir mein Gesprächspartner irgendwann von seinen deutschen Wurzeln erzählt. Es stimmt, wir haben viele Gemeinsamkeiten. Trotzdem sind wir in vielen Dingen total verschieden. Ein Beispiel? Ich habe es das "Ich liebe deine Schuhe"-Phänomen genannt.

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Eigentlich bin ich schon ganz gut amerikanisiert: Ich habe einige Zeit in den USA studiert, trinke Budweiser und zahle die ganze Zeit mit Kreditkarte. Und trotzdem überraschen mich die Amis immer wieder und machen mich manchmal sprachlos. Insbesondere dann, wenn eigentlich fremde Menschen anfangen, einem unerwartet Komplimente zu machen. So wie für meine Schuhe.

Max Holscher, 29, ist seit September 2011 HNA-Volontär und arbeitet derzeit als „Arthur F. Burns“-Stipendiat zwei Monate lang für den Miami Herald. Der gebürtige Witzenhäuser berichtet von dort auch für die HNA - zum Beispiel in seiner „Miami Harald“-Kolumne.

Die Situation war alltäglich: Ich stehe in einem Starbucks-Laden in Miami und bestelle einen großen Kaffee. Eine durchaus attraktive Frau betritt den Laden. Sie schaut auf mich. Dann auf meine Schuhe: "I love your shoes", sagte sie. Ich liebe deine Schuhe. Lob für nicht mehr brandneue Turnschuhe in Deutschland? Fehlanzeige.

In meinem Kopf fing es an zu rattern. Erster Gedanke: Will sie meine Schuhe haben? Ich sah die zierliche Frau schon mit meinen Turnschuhen in Größe 45 aus dem Laden schlurfen. Oder sie ist einfach nur höflich?

Zweiter Gedanke: Macht sie sich etwa lustig, dass der Tourist bei brütender Hitze mit Sportschuhen durch Miami latscht? Vielleicht ist sie aber wirklich nur höflich.

Max Holscher

Dritter Gedanke: Sie ist höflich, mag mich und die Schuhe sind nur der Aufhänger. Sie mag also mich. Sag einfach ganz trocken: „Ich weiß. Ich find dich auch ganz nett.“

Stattdessen murmelte ich etwas wie "Ja ich auch, danke."

Später, im Büro, sprach ich mit meinen Kollegen über die Situation. Was war das? Höflichkeit? Unangenehme Situationen der peinlichen Stille auflockern? Billige Anmache? Antwort einer Kollegin: "Nein, ich mache das auch ständig. Das ist einfach ein Kompliment."

Eine Woche später im Aufzug: "Ich mag dein Hemd." Ich schaute auf, bedankte mich artig für das Kompliment. In meinem Stock verließ ich den Aufzug und die nett winkende, ältere Frau.

Have a good one,

Euer Miami Harald

Die Kolumne ist auch in englischer Sprache im Miami Herald erschienen.

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