Kolumne

News vom Miami Harald: Immer Ärger mit der Zapfsäule

+

Tanken in den USA ist schon eine Herausforderung. Letzte Woche stand ich mit meinem durstigen Dodge Challenger an einer Tankstelle in Miami. Zwei Tage, nachdem meinen Leihwagen abgeholt hatte, zwang mich die Reserveanzeige etwas Sprit nachzufüllen.

Ich nahm die Zapfpistole, drückte den Normalbenzin-Knopf und wollte loslegen. Nichts tat sich.

Lesen Sie auch:

- News vom Miami Harald: Das "Ich liebe deine Schuhe"-Phänomen

News vom Miami Harald: Von Sitzpinklern und Klogesprächen

Okay, dachte ich. Vielleicht muss ich erst die Kreditkarte durch das Gerät ziehen. Wie eigentlich überall in den USA. „Geben Sie die Postleitzahl ein“, stand schließlich auf dem Display. Meine Kasseler Postleitzahl funktionierte natürlich nicht. Auch nicht die aus Witzenhausen, Gießen, Leipzig oder wo ich sonst schonmal gemeldet war. Verdammt, ich wohne ja nicht mal hier, wieso soll ich die Postleitzahl wissen?

Schließlich hielt eine Frau mit einem ebenfalls durstigen Spritschlucker an der Zapfsäule nebenan. Ich bat sie um Hilfe. „Wie funktioniert das mit dem Tanken hier? In Deutschland kann ich einfach drauf los tanken.“ Die Frau schaute mich mitleidig an: „Naja, in Amerika zahlen wir erst und tanken dann.“

Max Holscher, 29, ist seit September 2011 HNA-Volontär und arbeitet derzeit als „Arthur F. Burns“-Stipendiat zwei Monate lang für den Miami Herald. Der gebürtige Witzenhäuser berichtet von dort auch für die HNA - zum Beispiel in seiner „Miami Harald“-Kolumne.

Aha – aber woher soll ich jetzt wissen, wie viel Liter in den Tank meines geliehenen Muscle-Cars passen und was das kosten könnte. Um einem weiteren dieser mitleidigen Blicke zu umgehen, ging ich einfach in das Tankstellenhäuschen. „Einmal Benzin für 40 Dollar für die Säule acht“, sagte ich am Tresen. Beinahe hätte ich noch fünf Schnäpse für die Nachbarsäule geordert.

Max Holscher

Die Amis haben schon ein interessantes System, wenn es ums Bezahlen geht. Beispiel Restaurant: In den USA bekommt man nach dem Essen im Restaurant die Rechnung in einem Umschlag. Als Gast legst du das Geld hinein (manchmal stehen dort sogar Vorschläge, wie viel Trinkgeld man geben soll) und verlässt das Restaurant. Und zwar ohne, dass der Kellner kontrolliert hat, ob der Betrag überhaupt stimmt. Man könnte ja vieles reinlegen und damit die Kellner: Ein altes Kaugummi ganz unten aus dem Rucksack, ein Duplo-Aufklebebild von Guido Buchwald bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien oder einfach eine Tankrechnung. Kein Vertrauen an der Zapfsäule, dafür aber im Restaurant – komisch. Warum nicht überall derselbe Vertrauensvorschuss?

In Deutschland ist das ganze umgekehrt, obwohl bei uns das Benzin wesentlich teurer ist.

Wie dem auch sei, ich habe meine Lektion gelernt und versuche demnächst nicht mehr meine Kasseler Postleitzahl in ein amerikanisches Lesegerät zu prügeln.

Have a good one,

Euer Miami Harald

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.