Vor 30 Jahren: Atomkrieg abgewendet

Dieser Mann rettete unser Leben

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Oberst Stanislaw Petrow verhinderte am 26. September 1983 den Dritten Weltkrieg.

München - Die Courage von Stanislaw Petrow verhinderte vor 30 Jahren einen Atomkrieg. Nach einem Fehlalarm der Warnsysteme musste der Oberst über einen sowjetischen Gegenschlag entscheiden - und rettete die Menschheit.

Im Herbst 1983 stand die Welt so nahe am Abgrund wie nie zuvor in der Geschichte unserer Zivilisation: Die Spannungen im Kalten Krieg zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion steuerten auf einen Höhepunkt zu. Auf die Stationierung moderner SS-20-Atomraketen in Osteuropa durch Moskau (Ziele waren unter anderem London, Paris und Bonn) reagierte Washington mit massiver Aufrüstung und dem Aufstellen von Pershing-II-Raketen in Westeuropa.

US-Präsident Ronald Reagan hatte sein Amt mit dem festen Willen angetreten, das "Reich des Bösen", wie er die Sowjetunion nannte, in die Knie zu zwingen. In Moskau wiederum rechneten die Kreml-Führer jederzeit mit einem Überraschungsangriff der Amerikaner. Sowjetführer Juri Andropow war felsenfest überzeugt, dass Washington den atomaren Erstschlag plane.

Die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion bedurften im Prinzip nur eines einzigen Zwischenfalls, um einen Atomkrieg auszulösen.

Acht Fakten rund um den Nobelpreis

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Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. © dpa
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Als “Wiedergutmachung“ vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die “im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet. © dpa
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Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150 800 auf heute 10 Millionen Schwedische Kronen (1,1 Million Euro). Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. © dpa
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Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Nobel. © dpa
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Die Preisträger für Physik und Chemie werden von der Königlich- Schwedischen Akademie der Wissenschaften ausgewählt. © dpa
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Der Nobelpreis für Medizin wird vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste auserwählt. Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo © dpa
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Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet © dpa
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Seit 1980 vergibt die schwedische “Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung“ (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden. © dpa

Wie schnell aus einem Fehlalarm Ernst werden konnte, zeigte sich am 1. September 1983, als die sowjetische Luftwaffe einen Jumbo-Jet der südkoreanischen Fluggeselschaft Korean Airlines abschoss. 269 Passagiere starben einen grausamen Tod, weil das Flugzeug versehentlich den Luftraum der kommunistischen Supermacht verletzt hatte. Ein „barbarisches Massaker“ nennt der damalige US-Präsident Ronald Reagan die Attacke. Doch der Kreml weist die Schuld von sich: Der Jet sei unbefugt in den sowjetischen Luftraum eingedrungen und habe Funkrufe ignoriert. Die USA hätten mit dem koreanischen Jumbo-Jet den Grenzschutz auf Sachalin prüfen wollen, schimpfte der Kreml und drohte mit einem Boykott der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles.

In dieser „Phase totaler Feindschaft“, wie es der Politologe Georgi Arbatow nennt, schiebt Oberstleutnant Stanislaw Petrow an einem Sonntagabend Dienst in einem Bunker südlich von Moskau. Es ist kurz nach Mitternacht am 26. September 1983, als eine Sirene losheult und auf dem Bildschirm groß das Wort „Raketenstart“ aufleuchtet.

„Der Computer zeigte Atomraketen an, die angeblich gerade von einem US-Stützpunkt gestartet waren“, erzählt der heute 73-Jährige. Im Ernstfall würde jetzt nur rund eine halbe Stunde bleiben bis zu ihrem verheerenden Einschlag irgendwo in der UdSSR. Petrow weiß von der politisch aufgeheizten Stimmung zwischen den beiden Weltmächten.

Doch anders als der Jagpilot, der auf Befehl seiner Vorgesetzten drei Wochen zuvor das südkoreanische Flugzeug abschoss,  verlässt sich der studierte Mathematiker Petrow nicht auf Befehle - sondern auf seinen Verstand. Allerdings sei das Bauchgefühl nur eine Sache. „Bauchgefühl ohne Wissen bringt nichts“, erzählt er Jahre später der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Friedensnobelpreisträger seit 1999

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Der finnische Ex-Präsident Martti Ahtisaari ist 2008 für seinen jahrzehntelangen Einsatz als Vermittler bei der Lösung von Konflikten ausgezeichnet worden. © dpa
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Ex-US-Vizepräsident Al Gore und der UN-Klimarat erhielten 2007 den Preis für ihren Einsatz zur weltweiten Mobilisierung gegen eine drohende Klimakatastrophe. © dpa
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Wirtschaftsfachmann Muhammad Yunus aus Bangladesch und die von ihm gegründete Grameen Bank erhielten 2006 den Friedensnobelpreis für die Idee, Kleinstkredite an Arme zu vergeben. © dpa
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Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihr Direktor Mohammed el Baradei erhielten den Preis 2005 für ihren Kampf gegen die Verbreitung von Atomwaffen. © dpa
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2004 erhielt die Umweltaktivistin Wangari Maathai (Kenia) den Friedensnobelpreis für ihr Engagement für eine nachhaltige Umweltentwicklung sowie Demokratie und Frieden. © dpa
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Die Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi aus dem Iran erhielt 2003 den Preis wegen ihres Einsatzes für Kinder- und Frauenrechte. © dpa
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2002 erhielt Ex-US-Präsident Jimmy Carter den Friedensnobelpreis für seinen jahrzehntelangen Beitrag zu friedlichen Konfliktlösungen, Demokratie und Menschenrechten. © dpa
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2001 erhielten die Vereinte Nationen (UN) und ihr Generalsekretär Kofi Annan (Ghana) den preis für ihren Beitrag zu einer friedlicheren und besser organisierten Welt. © dpa
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2000 erhielt Politiker Kim Dae Jung (Südkorea) für sein Engagement als Menschenrechtler und als Staatsmann für ein friedliches Verhältnis zu Nordkorea den Friedensnobelpreis. © dpa
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1999 erhielt die Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières) für humanitäre Pionierarbeit den Friedensnobelpreis. © dpa

„Mein Rechner zeigte fünf US-Raketen an, aber ein solch "kleiner" Angriff hätte strategisch keinen Sinn gemacht“, schildert der Ingenieur. Statt das Oberkommando aus dem Schlaf zu reißen, um einen Vergeltungsschlag mit Interkontinentalraketen gegen den Erzfeind USA und damit einen Atomkrieg einzuleiten, tut Petrow - nichts.

Eine gefühlte Ewigkeit später bestätigen die Systeme seine Einschätzung: Fehlalarm. Spionagesatelliten werteten wohl eine Sonnenreflektion als Raketenstart. Für sein Verhalten wird Petrow weder belohnt noch bestraft - die Armee macht einfach weiter wie bisher. Erst 1998 erfährt die Welt vom „Mann, der die Welt rettete“.

Die Sowjetunion boykottiert zwar tatsächlich die Olympischen Spiele in den USA, doch schon ab 1985 ändert sich mit der Amtszeit von Michail Gorbatschow im Kreml das Klima zwischen den Großmächten. Zwei Jahre später dringt der Deutsche Mathias Rust mit einem Flugzeug unbefugt in den russischen Luftraum ein, doch diesmal bleiben die Abfangjäger am Boden. Unbeschadet landet Rust im Herzen von Moskau.

Und Oberst Petrow: Der lebt heute als Rentner in Frjasino, in der Nähe von Moskau. Erst über 20 Jahre nach den dramatischen Ereignissen vom 26. September 1983 wurde ihm der verdiente Dank zuteil. Die Association of World Citizens zeichnete ihn 2006 im UN-Hauptquartier in New York mit dem World Citizen Award aus. Im Februar 2012 erhielt Petrow den Deutschen Medienpreis. Ein Jahr später folgte der Dresden-Friedenspreis. Der Friedensnobelpreis steht für den Retter der Menschheit allerdings noch aus.

fro/dpa

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