Wegen Fernsehserien

Öffentliche Massenhinrichtung in Nordkorea

Pjöngjang - In Nordkorea sind einem Bericht zufolge etwa 80 Häftlinge öffentlich hingerichtet worden. Die meisten von ihnen hätten wegen des Besitzes verbotener TV-Sendungen aus Südkorea die Todesstrafe erhalten.

Wie die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo" am Montag unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle berichtete, wurden rund 80 Häftlinge öffentlich hingerichtet. Die meisten Häftlinge waren demnach wegen des Besitzes verbotener TV-Sendungen aus Südkorea zum Tode verurteilt worden. Eine von nordkoreanischen Flüchtlingen betriebene Website stufte die Angaben als glaubwürdig ein.

Dem Informanten zufolge, der sich nach eigenen Angaben kürzlich in dem kommunistischem Land aufhielt, wurden die Hinrichtungen am 3. November in sieben Städten vorgenommen. Zumeist sei den Häftlingen vorgeworfen worden, südkoreanische Fernsehsendungen angeschaut zu haben. Aber auch wegen Prostitution sei die Todesstrafe vollstreckt worden. In der östlichen Hafenstadt Wosnan versammelten die Behörden den Angaben zufolge 10.000 Zuschauer in einem Stadion, in dem dann acht Menschen erschossen wurden.

Das ist Nordkorea

Nordkorea
Abgeschottet und arm, aber atomgerüstet: Die Demokratische Volksrepublik Korea ist ein kommunistischer Staat, in dem das Militär eine dominierende Rolle spielt. © dpa
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Starker Mann ist seit 1994 Kim Jong Il (67, 2. von links), der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates und Oberkommandierende der Volksarmee. © dpa
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Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung (rechts, 1912-1994)  war die “Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Auch nach seinem Tod bleibt er Nordkoreas “ewiger Präsident“. © dpa
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Kim Jong Il wurde offiziell als „Geliebter Führer“ bezeichnet. Mittlerweile trägt er, wie sein Vater, den Titel „Großer Führer“. Die Regierung gilt als das letzte stalinistische Regime der Welt. © dpa
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Staatspartei ist die 1945 gegründete Partei der Arbeit Koreas, die mit zwei Blockparteien eine „Einheitsfront“ bildet. © dpa
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Mit 122 000 Quadratkilometern ist Nordkorea etwa so groß wie die frühere DDR . © dpa
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Rund zwei Millionen Menschen leben in der Hauptstadt Pjöngjang. © dpa
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Im Süden bildet die demilitarisierte Zone die Grenze zu Südkorea (Republik Korea), das zusammen mit dem Norden bis zur Eroberung Koreas durch Japan 1910 einen gemeinsamen Staat bildete. Seit 1948 gibt es zwei koreanische Staaten. © dpa
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Das abgeschottete Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt. © dpa
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Während sich der einst arme Süden der koreanischen Halbinsel zu einer wohlhabenden Demokratie entwickelte, ruinierte die Misswirtschaft den an Bodenschätzen reichen Norden. Die industrielle Produktion ist seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. © dpa
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Die meisten der mehr als 23 Millionen Einwohner sind bitterarm. © dpa
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Stromabschaltungen gehören zum Alltag, selbst in der bevorzugten Hauptstadt Pjöngjang hat die Bevölkerung seit Jahren kein heißes Wasser und selten Heizung. © dpa
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1997 führte eine durch Zwangswirtschaft, Unwetter und Missernten ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. © dpa
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Weite Teile der Bevölkerung sind weiterhin von internationaler Hilfe abhängig. © dpa
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Trotzdem haben die Ausgaben für das Militär Vorrang. © dpa
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Ein halbes Jahrhundert nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) gibt es noch immer keinen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Das Bild zeigt einen US-Soldaten, der auf Seiten des angegriffenen Südkorea kämpft. © AP
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Mit schätzungsweise 1,19 Millionen Soldaten hat Nordkorea die fünftstärksten Streitkräfte der Welt; es besitzt ein großes Arsenal chemischer und biologischer Waffen. © dpa
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Die Land- und die Luftstreitkräfte sind jeweils die zweitstärksten in Asien nach denen der Volksrepublik China. © dpa
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Neben den Hauptgegnern Südkorea und dessen Verbündeten USA gehört auch Japan wegen seiner Besatzungspolitik in Korea bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu den Feindbildern der koreanischen Volksarmee. © dpa
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Das Land verkündete 2004, Atomwaffen zu besitzen. Ihre Zahl sei ein Staatsgeheimnis. Den ersten Atombombentest führte Nordkorea am 9. Oktober 2006 durch. © dpa
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Im Rahmen eines im Februar 2007 mit Südkorea, den USA , China, Russland und Japan geschlossenen Abkommens machte Nordkorea Teile seiner Atomanlagen unbrauchbar. Im Gegenzug erhielt es Wirtschafts- und Energiehilfen. © dpa
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Doch am 5. April 2009 startete Nordkorea eine Trägerrakete mit einem Kommunikationssatelliten. Es folgten internationale Proteste. © dpa
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Der UN-Sicherheitsrat hat den Raketenstart am 13. April 2009 verurteilt. Aus Protest erklärte die Regierung einen Tag später das  Ende der Atom-Gespräche und die Forstetzung seines Atomwaffenprogramms. © dpa
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Am 25. Mai 2009 führte Nordkorea einen weiteren Atomtest durch. Nach russischen Angaben besaß der Sprengsatz eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen. Außerdem wurden mehrere Kurzstreckenraketen abgefeuert. © dpa
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Der Atomtest führte zu Protesten auf der ganzen Welt Das Bild zeigt eine Demonstration in Südkorea .Der UN-Sicherheitsrat hat eine neue Resolution gegen Nordkorea angekündigt. © dpa
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Wie südkoreanische Medien berichten könnte auch die Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstäbe in Yongbyon wieder eingeschaltet worden sein. Dort kann waffenfähiges Plutonium hergestellt werden. © dpa

Aus Kreisen nordkoreanischer Überläufer verlautete, der Bericht decke sich mit entsprechenden Gerüchten. Bereits vor ein paar Monaten hätten ihre Quellen von Plänen für öffentliche Massenhinrichtungen berichtet, teilte die Website North Korea Intellectual Solidarity mit, die von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird. Die Regierung in Pjöngjang habe offenbar Angst vor einem gesellschaftlichen Wandel und wolle die Bevölkerung einschüchtern, sagte ein Mitarbeiter der Website.

Das Onlineportal "Daily-NK", das ebenfalls von nordkoreanischen Flüchtlingen betrieben wird und über ein weit verzweigtes Informantennetz in dem abgeschottenen Land verfügt, teilte mit, ihm lägen keine entsprechenden Informationen vor.

Das Anschauen ausländischer Serien oder Filme ist in Nordkorea strengstens verboten. Dank digitaler Speichermedien floriert jedoch der Handel mit illegalen Videos. Auch US-Serien wie "Desperate Housewives" sollen eine kleine, aber begeisterte Fangemeinde haben.

Das Verhältnis von Nordkorea und Südkorea ist von Spannungen geprägt. Vergangene Woche gab Pjöngjang die Festnahme eines mutmaßlichen südkoreanischen Spions bekannt. Der südkoreanische Geheimdienst wies die Vorwürfe zurück und das Wiedervereinigungsministerium forderte den Norden am Montag auf, die Identität des Beschuldigten bekannt zu geben.

Die Seouler Zeitung "Chosun Ilbo" schrieb unter Berufung auf südkoreanische Aktivisten, der Mann sei ein Missionar, der womöglich mit einem gefälschten Pass nach Nordkorea eingereist sei. Nordkorea hatte vorige Woche südkoreanische Spione und Aktivisten beschuldigt, nordkoreanische Bürger zu "entführen", und dafür "gnadenlose" Strafen angedroht.

AFP

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