Ein Mausklick lähmt alles

Warum Hackerangriffe auf Krankenhäuser so gefährlich sind

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Datenklau: Ins Visier von Kriminellen geraten jetzt auch zunehmend wieder Krankenhäuser. 

Kliniken geraten immer stärker ins Visier von Hackern. Sie sind besonders verletzlich, weil in der modernen Medizin fast alle Abläufe digitalisiert und vernetzt sind – und weil es immer auch um die Sicherheit von Patienten geht.

Offenbach/Hanau – Die Gefahren wurden gerade erst wieder in Rheinland-Pfalz und im Saarland spürbar. Das komplette Netzwerk ihres Krankenhausverbundes sei von einer Schadsoftware befallen gewesen, teilte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gestern mit. Die Verfügbarkeit von Daten sei eingeschränkt, die Versorgung der Patienten aber gewährleistet.

Ein einziger Mausklick lähmte alles: Binnen Stunden fielen gleich mehrere Kliniken um Jahrzehnte zurück – ins Zeitalter von Papier und Bleistift. Das komplette Netzwerk des DRK-Klinikverbundes ist nach Medienangaben von einer Schadsoftware befallen gewesen, die Server und Datenbanken kryptisch verschlüsselt. Diese Verschlüsselung wurde laut DRK am Sonntagnachmittag gestoppt. 

Hessen hat Notfall-Team eingerichtet

Unter dem DRK-Dach sind elf Krankenhäuser und vier Altenpflegeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz und im Saarland organisiert. Die Server seien aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen worden und würden auf einen Befall überprüft. Die Aufnahme der Patienten und Befunde von Laboruntersuchungen würden nun mit Bleistift, Kugelschreiber und Papier vorgenommen.

Auch hessische Krankenhäuser sind regelmäßig Hackerangriffen ausgesetzt. Dabei ist es bereits zu vorübergehenden Beeinträchtigungen des Krankenhausbetriebes gekommen. Zum Teil wurden Server der Kliniken beschädigt. Inzwischen gibt es ein beim Sozial- und Innenministerium angesiedeltes Notfall-Team, das die Kliniken bei ihren Abwehrmaßnahmen unterstützt. 

Hanau sieht sich gut aufgestellt

Am Klinikum Hanau sehen sich die Verantwortlichen „gut aufgestellt“. Eine Sprecherin: „Wir haben unsere Firewall um die ,Sandboxing’-Funktion erweitert. Sie bietet zusätzlichen Schutz gegen Bedrohungen wie Ransomware und Zero-Day-Malware, die sich in Dateien, PDFs und MS-Office-Dokumenten verbirgt.“ Je nach Bedrohungslage werden E-Mail-Anhänge auch komplett gesperrt, bei akuter Bedrohung werden Anwender auch per Mail sensibilisiert.

Groß geschrieben wird IT-Sicherheit auch am Sana Klinikum in Offenbach. „Im Konzernverbund der Sana AG gibt es seit Jahren mehrstufige technische IT-Sicherheitskomponenten von Firewalls, Mailfiltern und Anti-Virussysteme“, so eine Sprecherin. Das Krankenhaus plant jährlich mit einem eigenen Budget für IT-Sicherheit und investiert in die Anschaffung moderner Plattformen zur Überwachung der eigenen Computernetze.

Zusätzlich zum Datenschutzbeauftragen wacht auch ein Informationssicherheitsbeauftragter darüber, dass Hacker-Angriffe möglichst frühzeitig abgewehrt werden.

Peter Schulte-Holtey

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