Olympia-Teinehmer adoptieren Streuner

US-Sportler retten Streuner aus Sotschi

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Silbermedaillengewinner Gus Kenworthy

Sotschi. Olympia-Teilnehmer Gus Kenworthy hat in Sotschi eine Silbermedaille gewonnen – und sein Herz verloren. Sie ist Russin, heißt Rosa und hat bis vor Kurzem noch mit ihren drei Geschwistern und ihrer Mutter auf den Straßen von Sotschi gelebt.

Der 22-jährige Freestyle-Skifahrer will der gesamten Hundefamilie in den USA jetzt ein neues Zuhause geben.

Kenworthy lief den Streunern zufällig über den Weg, sagte er in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS. Er habe schon immer viel mit Tieren zu tun gehabt und es sei sehr hart für ihn gewesen, die vielen Streuner in Sotschi zu sehen. Die Tiere, die zu tausenden in Sotschi und Umgebung auf der Straße leben, hatten bereits im Vorfeld der Spiele traurige Schlagzeilen gemacht. Die Behörden hatten eine groß angelegte Tötungsaktion geplant (siehe Hintergrund).

Nachdem er die Tiere entdeckt hatte, veröffentlichte Kenworthy Fotos von sich und den Welpen in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter mit der Nachricht: „Habe den ganzen Nachmittag damit verbracht, mit einer Gang streunender Welpen hier in Sotschi zu spielen. Versuche einen Weg zu finden, sie mit nach Hause zu nehmen.“ Er wolle sie aber nicht von der Mutter trennen, schrieb er weiter. Sie kümmere sich so liebevoll um die Kleinen. Der Entschluss stand fest: alle oder keinen.

Snowboarderin Lindey Jacobellis (28)

Seine Fans im Netz fanden Kenworthys Engagement toll: 10.000 Gefällt-mir-Angaben gab es allein auf Facebook. Und Kenworthy zeigte ihnen, dass er es ernst meint, hielt die Öffentlichkeit auf dem Laufenden. Bereits einen Tag später las man im Netz: „Ich habe Transportboxen besorgt und Termine für die Impfungen gemacht. Ich versuche alles, um sie mitzunehmen.“

Inzwischen ist Kenworthy zurück in den USA. Mit im Gepäck hatte er die kleine Rosa. Der Rest der Hundefamilie soll nachkommen, wenn alle Impfungen gemacht und die erforderlichen Papiere zusammen sind. Nicht alle werden bei Kenworthy bleiben. Schon jetzt hätten sich viele Familienmitglieder bei ihm gemeldet, die gerne einen Welpen aufnehmen wollen, sagt er.

Auch US-Snowboarderin Lindsey Jacobellishat sich entschlossen, einen Sotschi-Streuner mit in die USA zu nehmen. Eine Teamkollegin veröffentlichte ein Bild von ihr und dem Hund mit dem Kommentar: „Er hat ein One-Way-Ticket in die USA ergattert.“

Von Moritz Schäfer

Hintergrund:

Behörden wollten Tiere töten lassen

Vor den Olympischen Spielen in Sotschi wollten die Behörden mehr als 2000 herrenlose Hunde und Katzen töten. Die Tiere waren vermutlich währen der Vorbereitungen von Arbeitern angelockt und gefüttert worden und hatten sich unkontrolliert vermehrt.

Das Problem sei offensichtlich, sagte damals der regionale Parlamentsabgeordnete Sergej Kriwonossow, die Tötung der schnellste Weg zur Lösung. Tierschützer protestierten und forderten stattdessen, Hunde und Katzen zu sterilisieren.

Der Protest zeigte bereits kurz darauf Wirkung: Die Behörden verwarfen ihre Pläne und kündigten an, eine großangelegte Sterilisierung zu starten. Tierschützer zweifeln jedoch daran, dass das jemals passieren wird. (dpa/mhs)

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