Mit Friedrich Küppersbusch

Onkel Fred ist zurück: "Tagesschaum" mit Friedrich Küppersbusch im WDR

Nennt sich selbst einen „Sozialkundelehrer ohne Haare“: Friedrich Küppersbusch 1996 als Moderator der ARD-Sendung „Privatfernsehen“, das davor „Zak“ hieß (links), und heute in dem neuen Format „Tagesschaum“. Fotos: dpa/wdr

Kein anderer Interviewer hat solch riskante Einstiegsfragen im deutschen Fernsehen gestellt wie Friedrich Küppersbusch. Als Moderator der ARD-Sendung „Privatfernsehen“ fragte er Mitte der 90er etwa den CDU-Politiker Rudolf Seiters: „Sie heißen Rudolf, Ihr Bruder heißt Adolf, und wie waren Ihre Eltern sonst so drauf?“

15 Jahre hat man solche Provokationen vermisst, so lang war Küppersbusch weg vom Bildschirm. Stattdessen produzierte er mit seiner Firma Probono mehr oder weniger erfolgreiche Formate wie Sandra Maischbergers Talk bei n-tv und die interaktive Politsendung „log in“ bei ZDFinfo. Aber seit dieser Woche ist der 52-Jährige endlich wieder da.

Das einzig Schlechte, das man über „Tagesschaum“ sagen kann, ist, dass Küppersbusch nicht mehr solche Fragen stellt wie die an Seiters - weil er nämlich keine Interviews mehr führt. Bis zur Bundestagswahl kommentiert er dreimal die Woche spätabends im WDR aus einem provisorischen Hinterzimmer mit Glühbirne das Politgeschehen. Küppersbusch beschreibt das Konzept der 13-minütigen Sendung so: „Onkel Fred erklärt die Welt.“

Schon die ersten beiden Folgen waren erfrischender als alles andere, was sonst so humoristisch in Sachen Politik im deutschen Fernsehen passiert. Seine Sachkenntnis paart Küppersbusch noch immer mit brillanter Ironie. Zu seinem Team gehört der Blogger und ehemalige „Spiegel“-Redakteur Stefan Niggemeier sowie andere renommierte Journalisten wie die Theodor-Wolff-Preisträgerin Carolin Emcke.

Bei Küppersbusch bekommen es alle ab: Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist für ihn die „Nebelgranate des Herzens“, und das Kompetenzteam von Peer Steinbrück, das der SPD-Kandidat nur tröpfchenweise vorstellte, nennt er „Inkontinenzteam“. Schön ist auch die Rubrik „Irgendwas mit Hitler“.

Am Dienstag machten sich Küppersbusch und Niggemeier über die neue Paywall der „Bild“ lustig. Jene Zeitung, die einst skandierte, „die Mauer muss weg“, baut jetzt eine, um Geld zu verdienen. Für die „Tagesschaum“-Macher ist das nur konsequent: „Wer Bild liest, muss Strafe zahlen.“ Wer „Tagesschaum“ verpasst, bestraft sich selbst.

"Tagesschaum" läuft immer montags, dienstags und donnerstags auf Einsfestival (22.45 Uhr) und im WDR (23.15 Uhr), außerdem auf Youtube.

Von Matthias Lohr

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