Deutsches Herzzentrum Berlin

Organspende-Skandal: Verdachtsfälle bestätigt

Berlin - Bei der Überprüfung von Transplantationszentren haben sich Verdachtsfälle von Manipulationen am Deutschen Herzzentrum in Berlin bestätigt.

Von 82 geprüften Fällen wiesen 14 Auffälligkeiten auf, sagte Anne-Gret Rinder, Vorsitzende der Prüfungskommission am Dienstag in Berlin. Die Experten entdeckten am Herzzentrum demnach Hinweise auf falsche Angaben bei der Verabreichung von Herz- und Kreislauf-Medikamenten. Die Einnahme dieser Medikamente durch den Patienten stellt eine Voraussetzung für eine Herztransplantation dar.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte bereits vor einigen Wochen Ermittlungen gegen eine Ärztin des Herzzentrums wegen versuchten Totschlags eingeleitet. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Dienstag, die Ermittlungen dauerten an.

Die Experten der Prüfungs- und Überwachungskommission von Bundesärztekammer (BÄK), Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) und Kassen-Verband stellten mehr als zwei Jahre nach Aufdeckung des Organspendeskandals neue Ergebnisse zu Transplantationsprogrammen an deutschen Kliniken in den Jahren 2010 bis einschließlich 2012 vor.

Nach den bekannt gewordenen Manipulationen bei Lebertransplantationen wurde auch der Umgang mit anderen Spenderorganen wie Herz, Nieren und Bauchspeicheldrüse verschärft kontrolliert. Zwischen September 2013 und August 2014 prüften die Experten weitere 37 Transplantationsprogramme und sahen rund 1100 Krankenakten ein.

Diese Promis sind Organspender

SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier
Einer der bekanntesten Organspender ist SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Der Politiker spendete im August 2010 seiner Frau eine Niere. © dpa
Auch der österreichische Ex-Kanzler Franz Vranitzky gab seiner Frau eine seiner Nieren.
Auch der österreichische Ex-Kanzler Franz Vranitzky gab seiner Frau eine seiner Nieren. © dpa
12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan - die meisten von ihnen vergebens.
12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan - die meisten von ihnen vergebens. © dpa
Herbert Grönemeyer
Herbert Grönemeyer spendete seinem krebskranken Bruder Wilhelm 1998 Knochenmark. Die Therapie schlug zunächst an, dennoch verstarb Wilhelm kurz darauf. © dpa
Ein weiterer Knochenmark-Spender ist Jürgen Vogel. Der Schauspieler spendete seiner an Leukämie erkrankten Schwester in den 1990ern das wichtige Blutbildende Organ.
Ein weiterer Knochenmark-Spender ist Jürgen Vogel. Der Schauspieler spendete seiner an Leukämie erkrankten Schwester in den 1990ern das wichtige Blutbildende Organ. © dpa
Beim ehemaligen Stürmer des SVWerder BremenIvan Klasnic werden bei einer Blinddarmoperation 2003 schlechte Nierenwerte festgestellt. Es stellt sich heraus, dass der Kroate an Niereninsuffizienz leidet und eine Spenderniere benötigt.
Beim ehemaligen Stürmer des SV Werder Bremen Ivan Klasnic werden bei einer Blinddarmoperation 2003 schlechte Nierenwerte festgestellt. Es stellt sich heraus, dass der Kroate an Niereninsuffizienz leidet und eine Spenderniere benötigt. © dpa
Organtransplantation
Die Niere seiner Mutter wird von Klasnics Körper abgestoßen. Die seines Vaters wird 2007 erfolgreich transplantiert. Heute ist Klasnic einer der wenigen Profisportler, der trotz Spenderniere noch aktiv ist. © dpa
US-Schauspielerin Sarah Hyland
US-Schauspielerin Sarah Hyland hat seit 2011 eine neue Niere von ihrem Vater. Hyland litt ihr Leben lang an einer Nierenfehlbildung. © dpa
Die britische SchauspielerinNatasha Richardson erlag 2009 den Verletzungen eines Skiunfalls. Ihre Familie entschied sich, die Organe der Verstorbenen zu spenden.
Die britische Schauspielerin Natasha Richardson erlag 2009 den Verletzungen eines Skiunfalls. Ihre Familie entschied sich, die Organe der Verstorbenen zu spenden. © dpa
Bereits zwei neue Nieren erhielt Niki Lauda. Der ehemalige Formel 1-Pilot erhielt das Organ 1997 von seinem Bruder. Da dieses an Leistungsfähigkeit verlor, wurde es 2005 durch eine Niere seiner Frau ausgetauscht.
Bereits zwei neue Nieren erhielt Niki Lauda. Der ehemalige Formel 1-Pilot erhielt das Organ 1997 von seinem Bruder. Da dieses an Leistungsfähigkeit verlor, wurde es 2005 durch eine Niere seiner Frau ausgetauscht. © dpa
Prinz Daniel von Schweden
Prinz Daniel von Schweden bekam 2009 - noch bevor er ein Prinz wurde - eine Niere seines Vaters gespendet. © dpa
Ralf Möller
Ralf Möller hat zwar noch kein Organ gespendet, ist aber sehr engagiert beim Thema Organspende. © dpa
Organspendeausweis
Der Schauspieler wirbt für den Organspendeausweis. © dpa
Maria Höfl-Riesch
Maria Höfl-Riesch macht sich ebenfalls für die Organspende stark. © dpa
Schauspieler Jürgen Vogel
Auch Schauspieler Jürgen Vogel ist ein prominenter Unterstützer vom Verein Junge Helden e. V. Auf Partys werben Promis dafür, dass Organspende eine Entscheidung sein soll, die aus dem Leben heraus getroffen werden sollte. © dpa
Wolfgang Niersbach
Ebenfalls im Kampf für die Organspende aktiv: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. © picture alliance / dpa
Popstar Justin Bieber hat seine Anhänger auf Twitter zur Organspenderegistrierung aufgerufen und damit in Kanada für einen Anmeldeschub gesorgt.
Popstar Justin Bieber hat seine Anhänger auf Twitter zur Organspenderegistrierung aufgerufen und damit in Kanada für einen Anmeldeschub gesorgt. © dpa
Minh-Khai Phan-Thi und Jochen Schropp präsentieren ihren Organspenderausweis.
Die Moderatoren Minh-Khai Phan-Thi (l) und Jochen Schropp präsentieren ihren Organspenderausweis. © dpa
Schauspielerin Jennifer Ulrich
Schauspielerin Jennifer Ulrich © dpa
Schauspieler Roman Knizka
Schauspieler Roman Knizka auf der Party. © dpa

In ihrer Gesamtbewertung kam Rinder zu einem positiven Urteil. Bei Transplantationen der Nieren, der Bauchspeicheldrüse und bei kombinierten Transplantationen beider Organe gebe es "keine Anhaltspunkte für systematische Verstöße und Manipulationen" in den geprüften Zentren.

Auch bei Lebertransplantationen sei nicht von einem systematischen Vorgehen auszugehen. Hier fanden sich in den beiden kontrollierten Kliniken in Regensburg und Berlin (Charité) acht Fälle von Unregelmäßigkeiten in 117 geprüften Akten.

afp

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