Benedikt will sich unterordnen

Papst: Bewegender Abschied von Kardinälen

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Von seinen Kardinälen verabschiedete sich Papst Benedikt und versprach seinem Nachfolger, sich unterzuordnen.

Rom - Papst Benedikt XVI. tritt als erster Pontifex der Neuzeit zurück. Am Vormittag des historischen Tages verabschiedet er sich von den Kardinälen - und verspricht seinem Nachfolger "Gehorsam".

Historische Stunden im Vatikan: Papst Benedikt XVI. hat sich an seinem letzten Arbeitstag von allen in Rom anwesenden Kardinälen verabschiedet und seinem Nachfolger „Gehorsam“ versprochen. „Unter Euch ist auch der kommende Papst, dem ich meine bedingungslose Hochachtung und meinen Gehorsam verspreche“, sagte das scheidende Kirchenoberhaupt am Donnerstag bei dem Abschiedstreffen mit den Purpurträgern. Diese sind bereits zahlreich in die Ewige Stadt gekommen, um im März seinen Nachfolger zu wählen.

Der 85-jährige Benedikt ist der erste Papst der Neuzeit, der von seinem Amt zurücktritt. Sein Pontifikat geht am Abend um 20.00 Uhr nach knapp acht Jahren zu Ende - ein spektakulärer Moment, der in die Kirchengeschichte eingehen wird. Dann beginnt die Zeit der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“), bis ein neuer Papst gewählt wird. Einen Termin für das Konklave gibt es noch nicht.

Kardinäle spenden Applaus

Die Kardinäle spendeten Benedikt in der Sala Clementina des Vatikans längeren Applaus. Der deutsche Papst verabschiedete sich von jedem Kardinal mit einem Handschlag und einigen persönlichen Worten. „Eure Nähe und Eurer Rat waren in meiner Amtszeit eine große Hilfe“, sagte er.

Der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, bedankte sich in einer kurzen Ansprache bei dem scheidenden Papst. „Geliebter und ehrwürdiger Nachfolger von Petrus, wir müssen Ihnen danken für das Beispiel, das Sie uns in diesen acht Jahren waren“, sagte Sodano. „Heute wollen wir Ihnen noch einmal unsere ganze Dankbarkeit ausdrücken. Alle zusammen geben wir Ihnen einen Ausdruck aus Ihrem Heimatland mit auf den Weg: "Vergelt's Gott", dass Gott Sie belohnt.“

Der 85-Jährige, der seinen Rücktritt am 11. Februar angekündigt und mit schwindenden Kräften begründet hatte, betrachtete den Donnerstag als normalen Arbeitstag. Am Nachmittag wollten Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Sodano dem scheidenden Pontifex noch im Vatikan Lebewohl sagen.

Gegen 17.00 Uhr wollte Benedikt mit dem Hubschrauber zur päpstlichen Residenz Castel Gandolfo fliegen, wo er in den nächsten beiden Monaten als emeritierter Papst wohnen wird. Danach zieht er in ein ehemaliges Kloster in den Vatikanischen Gärten, das für ihn hergerichtet wird. Benedikt will als „emeritierter Papst“ zurückgezogen leben und sich dem Gebet widmen. Ein Ex- und ein neuer Papst gemeinsam im Vatikan - wie das in der Praxis genau funktioniert, muss sich zeigen.

Um 20 Uhr endet das Pontifikat

In Castel Gandolfo ist am frühen Abend Benedikts letzter öffentlicher Akt ein Gruß an die Gläubigen von der Loggia des Palastes aus. Um 20.00 Uhr wird als symbolisches Zeichen für das Ende des Pontifikats das Portal der Residenz geschlossen. Die Schweizer Garde stellt ihren Dienst ein, für die Sicherheit des ehemaligen Kirchenoberhauptes ist dann die Gendarmerie des Vatikans zuständig.

In Deutschland werden abends in vielen katholischen Kirchen die Glocken läuten. Außerdem gibt es Dankgottesdienste, darunter einen zentralen in der Kathedrale St. Hedwig in Berlin, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird.

Bei seinem bewegenden letzten öffentlichen Auftritt in Rom hatte sich Benedikt am Mittwoch von etwa 150 000 Gläubigen und Touristen verabschiedet. Er dankte in der Generalaudienz allen und sprach von schwierigen Augenblicken in seinem von Krisen geprägten Pontifikat. Am Abend kamen viele Gläubige auf den Petersplatz, um mit Kerzen und Gebeten Abschied von Benedikt zu nehmen.

Papst Benedikt: Die schönsten Fotos von der Abschiedsaudienz

Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Tausende Gläubige haben sich auf dem Petersplatz versammelt, darunter viele Pilger aus Deutschland. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Viele Pilger aus Deutschland haben sich auf dem Petersplatz in Rom versammelt. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
"Danke" sagt ein Spruchbanner: Viele Pilger aus Deutschland haben sich auf dem Petersplatz in Rom versammelt. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Weiß-blaue Fahnen aus Bayern, der Heimat des Papstes, sind besonders oft zu sehen. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Die Blaskapelle Traunstein spielte zu Ehren des Papstes die Bayern-Hymne. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Auch die Katholische Universität Eichstätt bedankt sich beim bayerischen Papst. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Im "Papamobil" fährt Benedikt XVI. auf dem Petersplatz ein. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Im "Papamobil" fährt Benedikt XVI. auf dem Petersplatz ein. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Papst Benedikt XVI. grüßt die Gläubigen bei seiner letzten Generalaudienz. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Sein Privatsekretär Georg Gänswein (links) stützt Papst Benedikt XVI. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Papst Benedikt XVI. grüßt die Gläubigen bei seiner letzten Generalaudienz. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Papst Benedikt XVI. grüßt die Gläubigen bei seiner letzten Generalaudienz. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Benedikt XVI. spricht Grußworte aus und spendet den Gläubigen seinen Segen. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Gegen 12.00 Uhr ist seine letzte Audienz beendet. Papst Benedikt XVI. geht von der Bühne. © dpa Bildfunk
Benedikt XVI.: Papst-Audienz in Rom
Papst Benedikt XVI. fährt vom Petersplatz ab. Ein Hubschrauber wird ihn später in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo bringen. © dpa Bildfunk

Am Freitag sollen die Kardinäle aufgefordert werden, sich in Rom zu versammeln. Der Vatikan geht davon aus, dass sich das Kollegium dann Anfang nächster Woche trifft, um die Wahl eines neuen Papstes vorzubereiten. Wann das Konklave beginnt, ist noch offen.

Diese Männer könnten Papst werden

Mögliche Papst-Nachfolger
Wer wird der nächste Papst? Längst gibt es Spekulationen über mögliche Nachfolger von Benedikt XVI. © dpa
Marc Ouellet
Marc Ouellet (68): Der Kanadier und päpstliche Delegat gilt als Favorit bei den Buchmachern. Seine Chancen stehen laut Vatikan-Insidern nicht schlecht, denn er hat sich in Rom profiliert. Sein Problem ist allerdings die geringe Lobby der Katholiken in Nordamerika. © dpa
Tarcisio Bertone
Tarcisio Bertone (78): Der Kardinalstaatssekretär ist Italiener und kennt den Vatikan gut. Bertone war eine Art Regierungschef unter Benedikt, er gilt aber als umstritten und kann keine Fremdsprache. Gegen ihn spricht auch eine ­vatikanischen Redewendung, nach der kein Kandidat zu sehr im Vordergrund stehen sollte. Denn: Wer als Papst in die Wahl gehe, der komme als Kardinal wieder heraus. © dpa
Angelo Scola
Angelo Scola (71): Auch der Mailänder Erzbischof gehört zu den italienischen Kandidaten. Er wurde auch schon als Nachfolger von Johannes Paul II. gehandelt. © dpa
Peter Turkson
Peter Turkson (65): Er könne sich gut vorstellen, dass erstmals ein Afrikaner Papst werde, sagte Benedikt einmal. Glaubt man den Wettanbietern, ist diese Lösung wahrscheinlich: Afrikanische Kardinäle liegen bei den Buchmachern hoch im Kurs. Ganz vorne unter den Kandidaten: der ghanaische Kardinal Peter Turkson. Er ist Präsident des Päpstlichen Rates für Frieden und Gerechtigkeit. © dpa
Francis Arinze
Francis Arinze (81): Auch der erfahrene Kurienkardinal Francis Arinze aus Nigeria wird bei Wettanbietern hoch gehandelt. © dpa
Joao Braz de Aviz
Joao Braz de Aviz (65): 2011 ernannte ihn Benedikt zum Präfekt der Ordenskongragation. Der Brasilianer ist Kurienkardinal. © AP
Odilo Pedro Scherer
Odilo Pedro Scherer (64): Der Kardinal von Sao Paulo mit deutschen Vorfahren zählt auch zum Favoritenkreis. Er vertritt die lateinamerikanische Kirche – häufig war zu hören, aus ihren Kreisen solle der neue Pontifex stammen. © dpa
Luis Antonio Tagle
Luis Antonio Tagle (55): Der Philippine ist Erzbischof von Manila und wurde erst im November 2012 zum Kardinal ernannt – trotzdem hat er keine schlechten Chancen. In der Philippinischen Bischofskonferenz ist er Mitglied der Kommission für die Glaubenslehre. © dpa
Jorge Mario Bergoglio
Jorge Mario Bergoglio (76): Geheimen Aufzeichnungen zufolge stimmten bereits in der Konklave 2005 etwa 40 Kardinäle für den Brasilianer. © dpa
Leonardo Sandri
Leonardo Sandri (69): Auch der argentinische Kurienkardinal gilt als recht aussichtsreicher Kandidat. © dpa

dpa

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