Komplizen, Motiv, Herkunft des Videos

Attentate in Paris: So ist der Stand der Ermittlungen

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Polizisten bewachen den Eingang zum Satiremagazin "Charlie Hebdo".

Paris - Vier Wochen nach der islamistischen Anschlagsserie von Paris laufen die Untersuchungen immer noch auf Hochtouren. Der aktuelle Stand der Ermittlungen:

Die drei Attentäter wurden bei Polizeieinsätzen erschossen, viele Fragen zu den Anschlägen sind noch offen. Hatten die Islamisten einen oder mehrere Komplizen? Wurden sie beauftragt oder verübten sie ihre blutigen Angriffe auf eigene Faust?

Ein Überblick über den Stand der Ermittlungen in Frankreich:

Seit der Anschlagsserie mit 17 Todesopfern zwischen dem 7. und 9. Januar sind etwa 30 Menschen im Polizeigewahrsam verhört worden. Lediglich in vier Fällen führte dies zu einem formellen Ermittlungsverfahren, allerdings nicht wegen "Komplizenschaft". Vielmehr handelt es sich um vier Bekannte des Islamisten Amédy Coulibaly, der eine Polizistin sowie vier Geiseln in einem jüdischen Supermarkt erschossen hatte. Den vier Verdächtigen wird vor allem logistische Unterstützung insbesondere bei der Beschaffung von Waffen vorgeworfen. Sie haben aber alle keine Vorstrafen im Zusammenhang mit Terrorismus.

Gab es einen "vierten Mann"

Unklar ist noch, ob es bei den Anschlägen einen "vierten Mann" gab. Denn mit einer Waffe von Coulibaly war am 7. Januar am Abend ein Jogger in der Nähe von Paris niedergeschossen und schwer verletzt worden. Die Beschreibung des Täters durch das Opfer passte nicht auf Coulibaly, aber die Ermittler glauben, dass doch der Islamist der Täter gewesen sein könnte: Es war dunkel, das Opfer war im vollen Lauf, es wurde von drei Kugeln getroffen und seine Aussagen änderten sich.

Das Motiv für diesen Angriff ist jedoch unklar. Es gibt die Hypothese, dass es sich um einen "Trainingsschuss" gehandelt haben könnte, um die Waffe zu testen.

Wer hat Coulibalys Video ins Internet gestellt?

Unklar ist auch noch, wer das Video von Coulibaly nach dessen Tod ins Internet gestellt hat, in dem er sich zur Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) bekennt. Die Montage und Verbreitung könnten vom Ausland aus erfolgt sein, nachdem Coulibaly dorthin Bilder geschickt hatte.

Die Ermittler glauben, dass das Video am 8. Januar gedreht wurde, also einen Tag nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" durch die beiden islamistischen Brüder Said und Chérif Kouachi sowie nach Coulibalys Schüssen auf die Polizistin, aber noch vor der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt.

Coulibaly nahm während der Geiselnahme in dem Supermarkt noch ein weiteres, sieben Minuten langes Video auf. Offenbar versuchte er, es von dort aus von einem Laptop aus zu versenden. Unklar ist, ob er es geschafft hat. Dazu laufen derzeit Untersuchungen.

Einige Bekannte der Attentäter verschwunden

Unmittelbar vor den Anschlägen war eine Reihe von Vertrauten und Bekannten der Attentäter aus Frankreich verschwunden, darunter Coulibalys Lebensgefährtin Hayat Boumeddiene, die in Syrien vermutet wird. Drei Bekannte der Kouachi-Brüder konnten indes festgenommen werden, bevor sie Syrien erreichten.

Noch nicht erwiesen ist, ob die drei Attentäter vom Ausland aus gesteuert wurden. Chérif Kouachi hatte gesagt, er handle im Namen von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap). Der im Jemen ansässige Ableger des Terrornetzwerks erklärte zudem eine Woche nach dem Anschlag der Kouachi-Brüder auf "Charlie Hebdo" in einem Video, den Angriff in Auftrag gegeben und finanziert zu haben. Mindestens einer der Kouachi-Brüder war 2011 zeitweise im Jemen.

Coulibaly wiederum hatte sich auf die für ihre Gräueltaten bekannte Miliz IS bezogen. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass einer der Attentäter in Syrien war.

Verbindungen bestehen auch zwischen den Attentätern und dem Islamistenführer Djamel Beghal, der im nordfranzösischen Rennes im Gefängnis sitzt. Chérif Kouachi und Coulibaly hatten ihn 2010 besucht, als Beghal noch unter Hausarrest im zentralfranzösischen Département Cantal stand. Beghal bestreitet jede Verwicklung in die Attentate.

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AFP

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