Osterbräuche in Europa

Von Pennys und fliegenden Glocken: Kuriose Osterbräuche in Europa

Frankfurt. Europa feiert Ostern. Doch überall wird ein bisschen anders gefeiert. Für die einen gibt es Schokohäschen und Ostereiern in allen Farben und Größen, für die anderen Wassergüsse oder Almosen.

Das Frühlingsfest, an dem die Christen die Auferstehung des Heilands nach der Kreuzigung Jesu am Karfreitag  feiern, ist in den deutschsprachigen Ländern vom Hasen und den Eiern als Fruchbarkeitssymbolen geprägt. In anderen Nationen Europas wird der Akzent durchaus etwas anders gesetzt.

 Glocken fliegen nach Rom

FRANKREICHnimmt Bezug darauf, dass an den Trauertagen von Gründonnerstag bis  Karsamstag kein Geläut zu hören ist. Die Kirchenglocken sind nach Rom „geflogen“, um dort den Tod Jesu zu betrauern – das hat der Volksglaube daraus gemacht.

Am Ostersonntag kann wieder geläutet werden, um so die Freude über die Auferstehung Christi zu verkünden. Die französischen Kinder glauben, die Glocken seien mit Flügeln ausgestattet und brächten aus Rom die bunten „oeufs de Pâques“ - Ostereier - mit. Die französischen Pâtissiers fertigen dementsprechend jede Menge geflügelte Schokoglocken und Schokoeier.

„Urbi et Orbi“ erstmals von Franziskus

Der Karfreitag ist in ITALIEN zwar kein Feiertag, dennoch gibt es in vielen Orten Prozessionen, bei denen zur Erinnerung an den Leidensweg Christi das Kirchenkreuz langsam von schwarz gekleideten Männern durch die Straßen getragen wird.

Am Ostersonntag wird Rom dann zum Zentrum der Aufmerksamkeit aller Katholiken. Auf dem Petersplatz empfangen Pilger aus der ganzen Welt den päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ - in diesem Jahr erstmals von Papst Franziskus.

Für die Italiener selbst ist Ostern ein fröhliches Frühlingsfest. Die Bambini freuen sich über riesig große Überraschungsschokoeier. Den süßen Abschluss eines stundenlangen Essens mit Freunden und Familie am Ostersonntag bildet die „Colomba“, ein Gebäck in Form einer Taube, die mit Mandeln und Rosinen dekoriert wird.

Geselchtes wird gesegnet

Genussvoll geht es auch in ÖSTERREICH zu. In der Kirche werden bei der Ostermesse neben den obligaten Ostereiern auch Brot, Schinken, Speck und Selchfleisch geweiht. Traditionsgemäß muss die Wohnung zum Osterfest nicht nur geputzt, sondern auch österlich geschmückt werden.

Frische Blumen und Zweige sind dabei ein Muss. So strahlen neben sonnengelben Forsythien die Osterglocken und bunte Tulpen um die Wette - alles als Zeichen des Neubeginns und des Wiedererwachens der Natur. Allerlei bemalte Dekorationen gehören zum Osterfest wie der Becher zum Ei oder der Löffel zum Hasen.

Mädchen flüchten vor Wassergüssen

Der Osterhase spielt in POLEN keine Rolle. In dem katholisch geprägten Land ist Ostern der höchste Feiertag im Jahr. Nach der langen Fastenzeit gibt es am Ostersonntag gemeinsames Essen mit Familie und Verwandtschaft, wobei zumindest ein Teil der Speisen vorher in der Kirche gesegnet wird. Ein absolutes Muss ist dabei die Sauermehlsuppe Zurek Wielkanocny und natürlich die speziellen Kuchensorten Babka, Sernik, Makowiec, Mazurka und Paska.

Am Ostermontag besprengt man sich gegenseitig mit Wasser und nennt es Śmigus-dyngus. Beim Osterspaziergang begießen die polnischen Jungs die Mädchen mit Wasser, oft auch kübelweise. Der Brauch soll an die Taufe des Herrschers Mieczko I. erinnern, der sich 966 taufen ließ und Polen das Christentum brachte.

Osterreiter trotzten Atheismus

Die Osterbräuche der Sorben zwischen Bautzen und Kamenz, ganz im OSTEN DER BUNDESREPUBLIK, reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück. Damals sollten Feldumritte die junge Saat vor Schaden bewahren und eine gute Ernte bringen. Schon im Jahr 1541 wird der Brauch des Osterreitens erstmals erwähnt, der daraus entstand.

In Frack und Zylinder gekleidete Männer reiten am Ostersonntag auf bunt geschmückten Pferden singend und betend durch die Region und tragen die frohe Botschaft über Christi Auferstehung in die verschiedenen sorbischen Gemeinden. Die  Osterreiter konnten selbst 40 Jahre sozialistischen DDR-Atheismus nicht stoppen.

Pennys zum Gründonnerstag

Das Osterfest wird auch im mehrheitlich anglikanischen GROSSBRITANNIEN mit all seinen Traditionen wie Ostereiersuche oder Osterhase gefeiert. Es gibt aber auch noch Bräuche, die es nur im Vereinigten Königreich geben kann, denn dazu bedarf es einer Monarchie.

Very British geht es also am Gründonnerstag zu, dem „maundy thursday“. Da verteilt die Queen herself speziell geprägte Silbermünzen an arme Mitbürger - „maundy money“. Der Pence-Betrag der Münzen richtet sich nach dem jeweiligen Alter der Monarchin. So schenkt dieses Jahr die 86-Jährige 86 Pence an 86 Frauen und 86 Männer. (ce)

Rubriklistenbild: © dpa

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