Lachend vor Mahnmalen fotografiert

Makabre Selbstporträts im Netz

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Vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin: Dieser Jugendliche stellte sein Bild mit Daumen-hoch-Pose ins Netz. Inzwischen hat er sich öffentlich entschuldigt.

Ein breites Lachen ziert das Foto. Freudig präsentiert der Teenager die Daumen-hoch-Geste. Im Hintergrund: Das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Inzwischen häufen sich solche Bilder auf Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram.

Grund genug für Unbekannte, einen Blog ins Leben zu rufen, in dem die skurrilen Motive jetzt gesammelt werden. "Selfies at Serious Places"(deutsch: Selbstporträts an ernsten Orten) nennt sich der Tumblr-Blog. Zu sehen gibt es junge Leute vor makaberen Hintergründen.

Ein Junge posiert beispielsweise vor seiner zur Trauerfeier aufgebahrten Großmutter mit verschmitztem Grinsen. Ein anderer präsentiert sich – scheinbar passend zum Thema – strahlend vor dem Tschernobyl-Reaktor. Mit Kopfhörern und weit aufgerissenen Augen lichtet sich ein anderer Junge in einer Gaskammer in Auschwitz ab.

Inzwischen hat sich der Junge, der sich in Berlin geknipst hat, im Blog zu Wort gemeldet. Er habe unzählige Anfeindungen und negative Kommentare im Netz geerntet. „Ich merke erst jetzt, was für einen Idioten ich aus mir gemacht habe“, schreibt er und bittet darum, ihn auf dem Bild unkenntlich zu machen. Außerdem bittet er die Öffentlichkeit im Netz um Entschuldigung.

Auch der junge Tschernobyl-Besucher gibt im Blog mit eine Erklärung ab: „Man besucht Tschernobyl nicht zum Spaß. Es geht darum, die Auswirkung der Katastrophe zu begreifen.“ Da er erst 20 Jahre alt sei und das Unglück nicht miterlebt habe, reiste er in die Ukraine, um mehr darüber zu erfahren. Er sei aber immer noch stolz auf das Bild, da es nicht respektlos gemeint war.

Selbstporträts im Netz (auch Selfies genannt) haben einen hohen Stellenwert. Es gibt wohl kaum noch ein Netzwerk, in dem es nicht vor narzisstischen Schnappschüssen wimmelt. In erster Linie dienen sie der Selbstinszenierung. Wer ein schönes Selbstbildnis veröffentlicht, bekommt in der Regel positive Kommentare und Komplimente für sein Aussehen. Die eigene Eitelkeit wird somit von den Nutzern honoriert.

Von Dorothea Backovic

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