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Pro und Kontra: Sollen Kampfhunde wie Chico getötet werden?

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Von: Matthias Lohr, Andreas Berger

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Der als gefährlicher Kampfhund eingestufte American Staffordshire Terrier, aufgenommen mit Maulkorb am 4.7.2000 in einer Hundeschule im nordrhein-westfälischen Rhaden. | Verwendung weltweit
Gilt als gefährlich: American Staffordshire Terrier. Solch ein Hund biss in Hannover zwei Menschen tot. © Bernd Thissen/picture-alliance/dpa

Tierschützer fordern für den Kampfhund Chico, der in Hannover zwei Menschen tötete, Gnade. Andere wollen ihn einschläfern lassen. Unsere Autoren sind sich uneinig.

Pro: Menschenwohl ist wichtiger

Matthias Lohr, HNA, fotokochFoto:Koch
Matthias Lohr

Chico ist ein armer Hund. Der Staffordshire-Mischling leidet womöglich an einem Tumor an seinem Kiefer. Es dauert sicher nicht mehr lang, bis Tierschützer zu Spenden für eine Therapie aufrufen. Zur Erinnerung: Chico hat gerade zwei Menschen tot gebissen. Der Hund, daran besteht kaum ein Zweifel, ist eine Gefahr für die Allgemeinheit. Trotzdem haben bereits mehr als 270.000 Menschen die Online-Petition "Lasst Chico leben!" unterschrieben. Sie wollen dem Hund eine "Chance auf Resozialisierung" ermöglichen. Was diese Tierfreunde wohl sagen, wenn Chico auf seinem Weg zurück in die Gesellschaft wieder tötet.

Wahrscheinlich ist es richtig, dass kein Hund von Natur aus böse ist. Er wird durch den Menschen dazu gemacht. Im Fall von Chico haben seine Besitzer ganz offensichtlich versagt. Trotzdem haben Rassen unterschiedliche genetische Voraussetzungen. Fachleute sagen, dass Staffordshire schneller aggressiv werden und nicht loslassen, wenn sie einmal zugebissen haben. Auch darum ist das Menschenwohl wichtiger als das Wohl des Tieres - nicht nur im Fall von Hannover.

Es klingt schizophren: Kaum jemand regt sich auf, dass männliche Küken millionenfach vergast und Tiere industriell zu Fleisch und Wurst verarbeitet werden. Aber wenn ein Kampfhund, der gerade getötet hat, eingeschläfert werden soll, gibt es einen Proteststurm.

Wäre es artgerechter, Chico für den Rest seines Lebens wegzusperren? Sicher nicht. So hart es klingt: Chico muss sterben. Es ist besser für alle.

Kontra: Tiere verdienen zweite Chance

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Andreas Berger

In den meisten Fällen, in denen Hunde Menschen verletzen oder töten, sind nicht die Tiere schuld, sondern die Halter. Und deshalb dürfen solche Hunde – wie jüngst im Falle Chico - nicht eingeschläfert werden.

Aggressivität von Hunden hat meist verschiedene Gründe. Ein ganz simpler: Den Tieren fehlt Auslauf, Zuneigung, Pflege. Ein weiterer: Fehlende Erziehung. Ein dritter: Das Tier wurde bewusst so lange seelisch und körperlich gequält und scharf gemacht, bis es nicht mehr sozialfähig ist und zu einem Kampfhund wird.

Hundeführerscheine für alle Rassen - mit harten Prüfungen und strengen Nachkontrollen, die von den Haltern bezahlt werden müssen - könnten eine Möglichkeit sein, die Zahl solcher Fälle zu senken. Und für Tiere, die in oben beschriebenen Verhältnissen aufgewachsen sind, ist es auch noch nicht zu spät. Erfahrene Menschen können ihnen mit bisher vermisster Zuneigung und konsequenter Erziehung zu einem schönen Leben ohne Aggressivität verhelfen. Harte Arbeit, die sich lohnt.

Den Kampf um geschundene Tierseelen wie Chico als Vermenschlichung abzutun, wie es jetzt einige Wissenschaftler machen, ist Blödsinn und Verachtung von Leben. Tiere, die bisher ohne Liebe und Erziehung aufgewachsen sind, verdienen eine zweite Chance.

Dieses Video ist ein Inhalt des Videomarktplatzes Glomex und wurde nicht von der HNA produziert.

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