Ungewöhnliches Wetterphänomen

Spektakuläres Naturschauspiel: Polarlichter sind in Deutschland zu sehen

Ein Polarlicht und der Sternenhimmel leuchten hinter dem Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe in Hessen. (Archiv, 2015)
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Polarlichter sind bei besonders starken Sonneneruptionen auch in Hessen zu sehen. (Archiv, 2015)

In Deutschland sind am Wochenende tatsächlich Polarlichter zu sehen. Der Auslöser dafür könnte aber auch auf Navigationssysteme ungewünschten Einfluss nehmen.

Washington - Die Wahrscheinlichkeit, auch in Deutschland Polarlichter zu sehen, ist an diesem Wochenende (29. bis 31.10.2021) ausnahmsweise erhöht: Eine starke Sonneneruption vom Donnerstag (28.10.2021) ist laut Wetterexperten der Grund dafür.

Sonneneruptionen sind plötzliche Strahlungsausbrüche auf der Sonne, dem zentralen Stern unseres Planetensystems, bei denen häufig große Mengen hochenergetischer Teilchen ins Weltall geschleudert werden. Diese Teilchen – meist Elektronen – treffen auf Sauerstoffatome, bringen diese auf ein höheres Energieniveau und damit zum Leuchten. Diese Reaktion passiert in etwa 100 Kilometern Höhe.

Das Leuchten ist dann vor allem als Bewegung von weißen oder grünlichen Schleiern zu sehen. Die Elektronen können sich nur entlang der Magnetfeldlinien der Erde bewegen. Da diese Feldlinien am Nord- und Südpol der Erde gebündelt und senkrecht zur Erdoberfläche verlaufen, kann man Polarlichter vor allem in einer ringförmigen Zone um die Pole der Erde beobachten.

Polarlichter in Deutschland: GPS-Störungen sind möglich

In den mittleren Breiten ist das Naturschauspiel nur dann zu sehen, wenn sich auf der Sonne – so wie jetzt der Fall – außerordentlich starke und zahlreiche Eruptionen ereignen. Denn dann dringen so viele Teilchen in die Atmosphäre ein, dass sie auch auf tiefer liegende Magnetlinien stoßen.

Die US-Weltraumbehörde Nasa* und die Weltraum-Wetterbehörde der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) teilten mit, dass die durch die Eruption ausgesandte Energie auch negative Folgen haben könnte. Die Strahlung sei für Menschen zwar unbedenklich, doch „wenn sie intensiv genug ist, kann sie die Atmosphäre in der Schicht stören, in der GPS- und Kommunikationssignale übertragen werden“, erklärte die Nasa. Der Start des deutschen Esa-Astronauten Matthias Maurer zur Raumstation ISS, der für Sonntag geplant ist, sei jedoch nicht in Gefahr.

Laut NOAA handelt es sich bei dem Ereignis vom Donnerstag um eine Sonneneruption der höchsten Kategorie X. Innerhalb dieser stärksten Klasse X wurde sie allerdings nur mit der geringsten Stufe 1 versehen. Nach Erklärung der Nasa ist eine Eruption mit der Stärke X2 doppelt so stark wie die nun Aufgetretene. Aber erst ab X10, also der zehnfachen Stärke, spreche die Weltraumbehörde von einer „ungewöhnlich intensiven“ Eruption.

Polarlicht in Deutschland beobachten: Wo es am besten geht

Der Arbeitskreis Meteore e.V. empfiehlt zur Beobachtung der Polarlichter bei uns: Der gewählte Standort sollte möglichst wenig Licht aufweisen. Am besten eignen sich Gebiete nördlich von Großstädten oder ländliche Gebiete weit ab vom Licht. Wer die Möglichkeit hat, sollte an die Nord- oder Ostsee fahren, da hier eine Lichtverschmutzung nach Norden fast nicht gegeben ist. 

Außerdem sei die Luft über dem Meer meistens klarer und die Wahrscheinlichkeit auf Nebel somit gering. Für alle anderen sei es sinnvoll, sich einen erhöhten Standort zu suchen. Auf Feldern hingegen trete häufig Bodennebel auf. Ein erhöhter Standort ermögliche zudem eine freiere Sicht auf den Horizont.

Da in Deutschland nur Polarlichter aus der Nord-Polarregion beobachtbar sind, muss der Blick nach Norden gewandt sein. Bei sehr starken Polarlicht-Events kann es vorkommen, dass das Polarlicht über uns oder manchmal sogar bis nach Süden wandert. Die meisten Polarlichter zeigen sich jedoch in Horizontnähe in nördlicher Richtung.

Polarlicht in Deutschland fotografieren

Wie der Arbeitskreis Meteore empfiehlt, ist zum Fotografieren von Polarlichtern eine Kamera notwendig, die lange Belichtungszeiten zulässt. Auch der ISO-Wert sollte manuell einstellbar sein. Es ist außerdem hilfreich, einen Fernauslöser zu benutzen um Verwackelungen zu vermeiden. 

Die Kamera sollte auf ein Stativ gestellt und nach Norden ausgerichtet werden. Zum Fokussieren in der Dunkelheit eignet sich der Mond, helle Planeten oder Straßenlichter. Wenn der Fokus einmal eingestellt wurde, sollte er anschließend nicht mehr verändert werden. Der Autofokus sollte daher ausgeschaltet sein. Ist alles vorbereitet, ist es ratsam, den Auslöser durchzudrücken und die Kamera bis zum Ende der Belichtungszeit laufen zu lassen. (dpa/na) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Polarlichter treten nicht nur auf der Erde auf: Stellare Polarlichter könnten Weltraumforschern bei der Suche nach Exoplaneten helfen*.

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