Kriminelle Gruppe aufgeflogen

Russischer Polizist verkaufte Führerscheine - Kündigung

Moskau. In Moskau ist eine kriminelle Gruppe aufgeflogen, der Polizeibeamte und Leiter von Fahrschulen angehörten. Sie hatten jahrelang Fahrerlaubnisse an zahlungskräftige Interessenten verkauft, die oft nicht fahren konnten. „Sie werden es schon auf der Straße lernen“, hieß es.

Der russische Innenminister hat den für Fahrprüfungen zuständigen Vizechef der Moskauer Verkehrspolizei Michail Martjuschew fristlos entlassen. Der Polizeichef der russischen Hauptstadt, General Alexander Iljin, wurde verwarnt. Bei einem neuen Skandal werde auch er gefeuert.

Knausern lohnt nicht

Die Führerscheine, welche sie erhielten, waren echt. Wer umgerechnet 1000 Dollar (760 Euro) bezahlte, brachte ein Zeugnis von der Fahrschule, die er nie besucht hatte, zur Fahrprüfung mit. Dafür bekam er eine rote Klammer an seine Akte angeheftet. Der zuständige Prüfer wusste dann, dass der Prüfling bezahlt hatte und seinen Führerschein erhalten soll. Zwei rote Klammern bedeuteten, dass der Betreffende Beziehungen zur Polizeizentrale hatte und den Führerschein kostenlos bekommen soll. Eine farblose Metallklammer besagte, dass der zu Prüfende nicht zahlen wollte und durch die Prüfung fallen muss. So einer hatte frühestens im dritten Anlauf eine Chance, die Prüfung zu bestehen. Da jeder neue Versuch amtlich einzeln bezahlt werden muss und der Preis mit jedem weiteren Anlauf steigt, musste der Anwärter am Ende begreifen, dass sich das Knausern nicht auszahlte.

Betrügern droht Lagerhaft

Angaben zufolge gehörten 20 Personen der kriminellen Gruppe an. Weniger wichtigere Mitglieder verdienten nebenbei im Schnitt 40.000 Rubel (1000 Euro/1215 Franken) pro Zweitagesschicht. Ihre Chefs kamen auf 70.000 Rubel. Im Monat griffen rund 100 Personen zu ihren Diensten. Jetzt blühen den Polizisten je vier Jahre Lagerhaft wegen Amtsmissbrauch. Dieses System des Führerscheinhandels war eigentlich ein offenes Geheimnis, weil die Organisation „Hilfe bei der Fahrprüfung“ offen im Internet anbot. Ende vergangener Woche rückte eine Brigade der Zentralen Ermittlungsbehörde und der Staatsanwaltschaft plötzlich bei der Moskauer Polizei an. Akten und Computer wurden beschlagnahmt. Als Folge müssen Hunderte von Kraftfahrern um ihre Fahrerlaubnisse zittern. Es wurde bereits angekündigt, dass jetzt nach illegalen Führerscheinen gesucht wird.

Polizisten waren zu gierig

Nach Angaben der Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ hatten die Ermittler den Führerscheinhandel bereits vor einem Jahr aufgedeckt, aber auf Weisung von oben erst einmal auf Eis gelegt. In diesem Jahr sollen geheimnisvolle „einflussreiche Personen“ Interesse an dem Grundstück, auf dem die Fahrschule stand, gezeigt haben. Diese sollte abgerissen werden und einem Bürogebäude weichen. Die diebischen Polizisten wähnten sich aber unantastbar und stellten sich stur. Sie wollten ihr „Huhn, das goldene Eier legte“, nicht mit eigenen Händen schlachten. Deshalb seien sie ans Messer geliefert worden, heißt es.

Die Polizeichefs haben Razzien, interne Kontrollen im eigenen Amt und „personelle Konsequenzen“ angekündigt. Man kann sicher sein, dass sie nichts bringen werden. Die „staatliche Inspektion für Verkehrssicherheit“ ist ein Relikt der Sowjetzeit. Sie verwaltet alles, was mit dem Auto irgendwie zu tun hat: Autoan- und -abmeldung, Straßenbau und Fahrprüfung. Die technische Prüfung von Fahrzeugen wurde zwar formal an Service-Werkstätten übergeben, diese müssen sich aber bei der Polizei akkreditieren lassen. Eine dem Technischen Überwachungsverein (TÜV) entsprechende Einrichtung existiert in Russland nicht. (ce)

Rubriklistenbild: © dpa

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