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Polizei hält 24hamburg-Reporter bei Aktion von Klimaaktivisten fest

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Von: Klaus-Maria Mehr, Elias Bartl

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Diverse Klimaaktivisten wurden von der Polizei festgenommen.
Diverse Klimaaktivisten wurden von der Polizei am Veddeler Damm festgenommen. © Sebastian Peters

Bei einer Klebeaktion der Letzten Generation hielten vermummte Polizisten einen 24hamburg-Reporter knapp 30 Minuten fest. Die Aussagen der Beamten vor Ort und der Hamburger Polizei-Pressestelle widersprechen sich.

Hamburg – Mit mehreren Aktionen, unter anderem vor dem Hamburger Elbtunnel und an den Elbbrücken, sorgte die Letzte Generation für lange Staus im Osterreiseverkehr am Donnerstagmorgen in Hamburg. Auch am Veddeler Damm gab es eine Aktion der Klimaaktivisten.

Auf dem Weg in die Redaktion stieß 24hamburg*-Reporter Sebastian Peters auf die Aktion. Er fotografierte mehrere Aktivisten, die von der Polizei gefesselt an einem Zaun standen. Daraufhin wurde Peters von einem Beamten nach seinem Presseausweis gefragt.

Reporter von Polizei festgesetzt: „Beschuldigter in diesem Verfahren“

Auch die Taschen der Aktivisten wurden durchsucht.
Auch die Taschen der Aktivisten wurden durchsucht, nachdem die Polizei die Aktion verhindern konnte. © Sebastian Peters

Peters übergab seinen Presseausweis und erklärte, dass er für IPPEN.MEDIA* arbeite, das eines der größten Redaktionsnetzwerke Deutschland sei. Der Presseausweis wurde von einem vermummten Polizisten abfotografiert. Die Begründung des Polizisten: „Wir wollen wissen, welche Journalisten mit der Letzten Generation in Verbindung stehen.“

Rund 10 Minuten später kehrte der Polizist mit zwei weiteren vermummten Beamten zurück und sagte: „Sie werden auf Anweisung der Kriminalpolizei als Beschuldigter in diesem Verfahren geführt. Dementsprechend brauche ich jetzt Ihren Personalausweis.“ In Begleitung der drei Polizisten musste Peters anschließend seinen Personalausweis aus dem Auto holen.

„Was wir dürfen und was nicht, entscheidet das LKA“

Immer wieder versuchten Polizisten den Reporter an seiner Arbeit zu hindern.
Immer wieder versuchten Polizisten den Reporter an seiner Arbeit zu hindern. © Sebastian Peters

Peters kam der Aufforderung nach, ließ sich von den vermummten Polizisten zu seinem Auto begleiten und suchte nach seinem Personalausweis. Dabei legte er seine Kameras, mit denen er zuvor die Aktivisten fotografiert hatte, ab. Das passte dem Beamten offenbar nicht. Er forderte Peters auf, sich seine Kameras wieder umzuhängen. Warum? Damit der Beamte ein Foto von Peters machen könne, auf dem der Reporter mit Kameras zu sehen sei. So die Begründung.

Der Aufforderung kam unser Reporter nicht nach, aus Angst, die Kameras könnten beschlagnahmt werden. Die Angst teilte er mit dem Beamten. Dessen Antwort: „Was wir dürfen und was nicht, entscheidet das LKA.“

Sebastian Peters wurde rund eine halbe Stunde von den Polizisten vor Ort festgehalten und daran gehindert, seine Arbeit fortzusetzen. Als die Polizisten ihn dann wieder laufen ließen, kam es von Polizisten der Wasserschutzpolizei zu weiteren Schikanen. Immer wieder stellte sich ein Polizist vor die Kamera und hielt mit der Hand die Linse zu.

Peters zog ab und informierte die Redaktion. Wir konfrontierten umgehend die Pressestelle der Polizei Hamburg mit dem Vorfall. Diese dementierte auf Anfrage, dass unser Reporter Beschuldigter in einem Strafverfahren sei. Es seien lediglich seine Personalien überprüft worden.

Polizei Hamburg weiß auf Anfrage nichts von einem Ermittlungsverfahren gegen unseren Reporter

Auf Anfrage, dementiert ein Sprecher der Hamburger Polizei, dass der Reporter Beschuldigter in einem Strafverfahren sei, es seien lediglich seine Personalien überprüft worden. Polizeisprecher Sören Zimbal schreibt wörtlich:

„Im Rahmen des Einsatzes am Veddeler Damm am Donnerstagmorgen wurde u. a. bei dem den Einsatzkräften nicht bekannten Journalisten Peters eine Identitätsfeststellung durchgeführt. Diese sollte Klarheit darüber bringen, ob Herr Peters tatsächlich ein Journalist ist, welches im weiteren Verlauf glaubhaft durch das Vorzeigen seines Presseausweises geschah. Darüber hinaus musste geklärt werden, ob Herr Peters „lediglich“ über die Aktion journalistisch berichtet oder Teil der Gruppierung ist. Nachdem Zweiteres ausgeschlossen werden konnte, wurde Herr Peters aus der Maßnahme entlassen. Gegen Herrn Peters wurde kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.“

Die prompte Antwort der Polizei erklärt nicht, warum Sebastian Peters als langjähriger Polizeireporter über 30 Minuten von vermummten Beamten festgehalten wurde, obwohl diese bereits zuvor seinen Presseausweis gesichtet hatten und Peters deutlich seinen Arbeitgeber nannte. Warum war Peters – zumindest laut dem Beamten vor Ort – plötzlich Beschuldigter? Warum war eine Identitätsfeststellung nach Vorzeigen des Presseausweises überhaupt nötig? Die Antworten auf diese Fragen bleibt die Polizei vorerst schuldig. Man wolle sich in der kommenden Woche dazu äußern.

Reporter begleitete im März Klimaaktivisten

Schon im März begleitete der Reporter Aktivisten von Extiction Rebellion bei einer Aktion auf der A24. Dort montierten Klimaaktivisten Straßenschilder ab, um ein Tempolimit auf Autobahnen durchzusetzen. Ob die Maßnahmen der Hamburger Polizei im Zusammenhang mit der Reportage stehen, ist unklar. Klar ist: Ein Reporter wurde von der Polizei festgehalten und an seiner Arbeit gehindert. Die Erklärung des Beamten vor Ort, er sei „Beschuldigter“ und die Erklärung der Pressestelle widersprechen sich. Viele Fragen bleiben offen – und ein mulmiges Gefühl bei unserem Reporter.

*24hamburg.de ist Teil von IPPEN.MEDIA, eines der größten Redaktionsnetzwerke Deutschlands, zu dem auch Marken, wie Merkur.de, tz.de und fr.de gehören.

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