Schadensforderungen von über 1000 Euro

Kostenlose Filme im Netz: Abmahnungen treffen ahnungslose Nutzer

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Das Logo von Popcorn Time

Berlin. Nutzer der Film-App Popcorn Time sind ins Visier von Abmahnkanzleien geraten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Seit Anfang des Jahres erhalten zahlreiche Nutzer des kostenloses Videoportals Post. Darin werden oft über 1000 Euro Gebühren und eine Unterlassungserklärung verlangt.

Was genau ist Popcorn Time? Mit Hilfe der Software lassen sich Kinofilme und Serien kostenlos auf Computern, Smartphones oder Tablet-PCs anschauen.

Warum macht man sich damit strafbar? 

Video-Streams werden in Deutschland zwar nicht mehr geandet, doch wer Popcorn Time nutzt, macht sich eines anderen Vergehens schuldig. Wer sich einen Film oder eine Serie anschaut, der stellt die Daten gleichzeitig ins Netz und sie somit anderen Nutzern zur Verfügung (siehe Hintergrund).

Wie genau funktioniert das? 

Die Software basiert auf einem sogenannten Torrent-Netzwerk. Bei dieser Technik werden nicht nur Daten heruntergeladen, sondern zeitgleich auch wieder ins Internet gestellt. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um die unerlaubte Vervielfältigung von urheberrechtlich geschütztem Material.

Wie viele Fälle von Abmahnungen gibt es bislang und was genau droht den Nutzern? 

In der Kanzlei des Kölner Urheberrechts-Anwalts Christian Solmecke haben sich bereits zahlreiche Betroffene gemeldet. Gefordert werde Schadensersatz zwischen 800 und 1100 Euro. „Insgesamt dürfte die Zahle der Abgemahnten in die Tausende gehen“, sagt er. Auch andere Kanzleien berichten von Klienten, die Abmahnungen erhalten haben.

Wer schreibt die Abmahnungen und warum? 

Die Abmahnungen kommen meist von der Münchener Anwaltskanzlei Waldorf Frommer. Zu deren Mandanten gehören große Produktionsfirmen aus Hollywood wie etwa Twentieth Century Fox, aber auch deutsche Rechteinhaber wie Universum Film. Diese Firmen wollen verhindern, das die von ihnen produzierten Filme und Serien nicht kostenlos im Netz zu sehen sind. Wer das trotzdem tut, kann eine Abmahnung bekommen.

Muss ich zahlen, auch wenn ich nicht wusste, dass ich etwas illegales tue? 

Betroffene haben wenig Chancen, ungeschoren davon zu kommen, sagt Anwalt Solmecke: „Nutzer können sich nicht mit dem Argument wehren, sie hätten von dem Down- und Upload nichts gewusst.“ Das deutsche Urheberrechtsgesetz sehe eine verschuldensunabhängige Haftung für Urheberrechtsverletzungen vor. Unwissenheit schützt also nicht vor Strafe.

Wie erkenne ich als Nutzer, dass ich mich auf einer illegalen Seite befinde? 

Anwalt Solmecke rät Nutzern, von kostenlosen Angeboten Abstand zu halten. Werden Filme und Serien gezeigt, die noch nicht im Kino bzw. im Fernsehen laufen rät er: Finger weg!

Von Moritz Schäfer (mit dpa)

Tipps: So vermeiden Eltern die Tauschfallenbörse

Eltern können sich leicht vor Abmahnungen wegen illegaler Downloads schützen. Oft hilft es schon, einen Internetvertrag mit den Kindern abzuschließen und sie auf legale Alternativen aufmerksam zu machen.

• Internetvertrag: Nach einem aktuellen Urteil des BGH haften sie nicht für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Kinder etwa in Tauschbörsen, wenn die Kinder zuvor belehrt wurden. Mit einem Internetvertrag können Eltern protokollieren, dass sie die Kinder beispielsweise belehrt haben, keine Filesharing-Programme zu nutzen.

• Softwareinstallation einschränken: Jüngeren Kindern sollten Eltern keine Administrationsrechte am Computer einräumen. So können sie die Installation von Tauschbörsen-Software verhindern.

• WLAN-Router sichern: Um den Internetanschluss vor unberechtigtem Zugriff zu sichern, sollten Eltern den WLAN-Router verschlüsseln und nur für angemeldete Geräte freigeben.

• Keine Streaming-Software herunterladen: Generell sollten sich Jugendliche und Eltern vor dem Herunterladen einer Software mit deren Hintergrund beschäftigen.

• Legale Alternativen nutzen: Über zahlreiche Anbieter können inzwischen Filme und Serien legal über das Internet geschaut werden. (dpa)

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