Viren im Anhang

Porno-Abmahnungen wegen Redtube: Menschen in der Region betroffen

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Bekam Emails von Betrügern: Michael Einig soll am 25. Dezember 2013 Internet-Pornos geschaut haben – also in zwei Wochen.

Kassel. Nachdem deutschlandweit 10.000 Menschen von einer Anwaltskanzlei Abmahnungen erhalten hatten, weil sie Pornos auf der Streamingplattform Redtube geschaut haben sollen, sind auch Menschen in der Region betroffen. So auch Michael Einig aus Schauenburg. Er bekam Post von Betrügern.

Zehntausende Internetnutzer bekamen in den vergangenen Tagen per Post Abmahnungen von einer Regensburger Anwaltskanzlei. Gefordert wird Geld, weil die Leute angeblich urheberrechtlich geschützte Pornos auf der Internetplattform Redtube angeschaut haben sollen. Inzwischen haben Trittbrettfahrer die Abmahnungswelle für sich entdeckt. Sie verschicken Emails, in denen sie nicht nur um die 3000 Euro Schadensersatz fordern, sondern an die sie auch Computerviren hängen.

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Noch am Frühstückstisch hatte Michael Einig am Dienstag über die Abmahnwelle gelesen, die derzeit über Deutschland rollt. „Ich weiß natürlich, dass es solche Porno-Seiten gibt“, sagt der 72-Jährige. „Aber besucht hab ich sowas noch nie.“ Sein erster Gang habe dann vom Frühstücks- zum Schreibtisch geführt. „Ich schaue morgens immer nach meinen Mails.“ Was er da in seinem Postfach fand, brachte ihn erst ins Staunen und dann zum Lachen. „Zwei Emails, angeblich von einer Rechtsanwaltskanzlei. Aber was da drin stand, das stimmte vorne und hinten nicht.“

Gestolpert sei er beim Lesen zunächst über den Vorwurf, der ihm gemacht wurde: Er habe sich Filme auf der Porno-Seite Redtube angeschaut. Am zehnten Dezember, kurz vor 21 Uhr, und am 25. Dezember, kurz nach Mitternacht. „Aber im Jahr 2013“, erklärt er. „Da hätte ich ja die Abmahnung bekommen, bevor ich überhaupt irgendetwas gemacht habe. Davon mal abgesehen würde ich nie auf so eine Seite gehen.“

Einig suchte im Netz die Emailadresse der Regensburger Kanzlei heraus: Es war eine vollkommen andere als die, von der er die Abmahnung bekommen hatte. „Spätestens da war mir klar: Das sind Betrüger.“ Einig wandte sich an die Zeitung. „Man muss die Menschen doch warnen“, sagt er.

Die Nachricht hat Michael Einig inzwischen gelöscht. Zum Glück, denn im Anhang befand sich noch eine Datei, die seinem Computer hätte schaden können. Neben der Zahlungsaufforderung schickten die Betrüger auch einen Computervirus. „Aber ich klicke nie auf Sachen, die ich nicht kenne“, sagt Einig.

Von Moritz Schäfer

Interview: Der Kasseler Rechtsanwalt Christian Mische zum Thema Streaming im Internet

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