„Positive Mode“: Spanische Designerin vereint Ethik und Trend

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Schöne Mode sollte nicht nur gut aussehen, sondern auch fair produziert sein, findet die spanische Designerin Ananda Pascual. Ihr Label bildet ein Gegenbeispiel zu den Mode-Riesen des Landes.

Zara, Mango, Desigual - Spanien ist mit seinen global erfolgreichen Labeln ein Mode-Land. Doch auch iberische Mode entsteht in den billigen Produktionsstätten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Oft arbeiten die Näherinnen dort zu Niedriglöhnen unter widrigen, manchmal lebensgefährlichen Bedingungen. Die spanische Modeschöpferin Ananda Pascual bietet einen Gegenentwurf zu diesem Geschäftsmodell und macht Mode, die „positiv und ethisch“ ist, wie sie erzählt.

„Die großen Modefirmen, einschließlich der spanischen, haben eine Maschinerie geschaffen, die mehr und mehr Produktion braucht, um nicht zu sterben“, sagt die 33-Jährige. Gemeint ist die globale Textilwirtschaft, die bei den Produktionsbedingungen nicht so genau hinschaut und in der das Leben eines Menschen oft wenig zu zählen scheint. Das zeigte der Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch mit mehr als 1100 Toten im April. Zwischen den Trümmern lagen T-Shirts und Kleider, produziert für Modeketten wie Mango, das irische Textilunternehmen Primark oder den deutschen Discounter Kik.

„Man kann nichts Ästhetisches auf Kosten von Menschenleben schaffen“, sagt Ananda Pascual. Sie arbeitete zweieinhalb Jahre unter anderem für den Modekonzern Inditex, der unter anderem die Marke Zara führt. „Ich stellte fest, dass ich nicht Teil dieses unmenschlichen Systems sein wollte“, sagt sie. Mit ihrem Label, das ihren Namen trägt, will Pascual „Ethik mit attraktiven Produkten“ vereinen. Farbenfroh, urban und ausgefallen ist ihre Kollektion, die ebenfalls in Asien und Lateinamerika gefertigt wird. Aber die Arbeiter erhalten nach ihren Angaben einen anständigen Lohn, sind medizinisch abgesichert, werden über Nichtregierungsorganisationen (NGO) angestellt: In Kambodscha bauen sich Opfer sexueller Ausbeutung über „Fair Fashion“ eine Existenz als Näherinnen auf. Bei „Creative Handicrafts“ in Indien arbeiten Frauen aus den armen Vororten Mumbais. Ihr Lohn liege über dem jeweiligen Landes-Mindestlohn. In Peru verdienen sich Frauen des Aymara-Volkes mit der Fertigung von Textilien ein Zubrot zur Landwirtschaft.

Die Idee, mit NGOs zusammenzuarbeiten, kam Pascual 2003 während des Modedesign-Studiums in Madrid. Damals reiste sie nach Indien, um bei „Creative Handicrafts“ als Designberaterin zu helfen. Später arbeitete sie für die NGO Diseño para el Desarollo (Design für Entwicklung) und erhielt bei Inditex Einblick in die globale Mode-Industrie.

Die fertigen Textilien werden in ein Depot nach Madrid geschickt. Von dort gehen sie an Kunden in Spanien und andere Länder. Der Verkauf läuft vor allem über das Internet, Pascuals Website dient als Schaufenster. Eineinhalb Jahre nach der Firmengründung hat Ananda Pascual noch nicht die Investitionskosten wieder reingeholt, wie sie erklärt. „Unabdingbar“ fürs Geschäft ist für sie aber, dass die Produzentinnen ihrer Kleidung fair bezahlt werden und abgesichert sind. „Bei einem gerechten Handel verteilen sich die Gewinne gleichmäßiger in der Produktionskette“, sagt sie. Nach dem Unglück in Bangladesch, das die Augen der Öffentlichkeit auf das gefährliche Dasein der Niedriglöhner lenkte, haben auch die spanischen Mode-Riesen Inditex, Mango und die Kaufhauskette El Corte Inglés zugesagt, sich stärker um die Sicherheit und den Brandschutz der Arbeiterinnen zu bemühen - ein Anfang. „Die Krise des Systems hat einige Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung angetrieben“, sagt Pascual. Sie selbst ist schon einen Schritt weiter. (dpa)

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