Präventionsprojekt „Kein Täter werden“

Hilfsangebote für pädophile Männer verlängert

München - Bayern verlängert das erfolgreiche Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ für pädophile Männer bis 2016. Potenzielle Täter kommen aus ganz Deutschland in die Regensburger Klinik.

Das Hilfsangebot der Sexualwissenschaftlichen Ambulanz an der Universität Regensburg richtet sich an Männer, die Kinderpornografie nutzen oder sich gefährdet sehen, Kinder zu missbrauchen. „Sie alle können sich in Regensburg freiwillig, kostenlos und anonym beraten und therapieren lassen“, sagte Justizministerin Beate Merk (CSU) am Donnerstag in München.

„Der beste Schutz für unsere Kinder besteht darin, einen potenziellen Täter dazu zu bringen, seine Phantasien erst gar nicht umzusetzen“, sagte Merk. Seit dem Start des Projekt 2010 hätten sich 218 betroffene Männer in Regensburg gemeldet, erklärte der Leiter, Professor Michael Osterheider. Betroffene nähmen auch lange Anfahrten in Kauf, suchten oft auch Entfernung zu ihrem sozialen Umfeld. Viele hätten eine anonyme Beratung erhalten, 48 eine Therapie aufgenommen. Aber nicht jeder sei für eine Therapie geeignet. Eine weitere Hürde sei der Mangel an Sexualmedizinern und -therapeuten.

Die Hilfesuchenden kämen aus allen sozialen Schichten, vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Firmenchef, erklärte Osterheider. Das Angebot richte sich an Männer, die noch nicht strafrechtlich belangt worden seien, sich aber gefährdet fühlten. Niemand sei schuld an seiner sexuellen Neigung, aber jeder sei verantwortlich für sein Handeln. Pädophile Neigung werde in der Pubertät geprägt, erklärte der Professor. Die Therapie könne das nicht ändern, aber die Männer könnten lernen, das in Einzel-, Paar- oder Gruppentherapie in den Griff zu bekommen, Familie und Arbeit nicht mehr zu vernachlässigen und ihren Leidensdruck abzubauen. Auch Medikamente könnten helfen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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