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Jobcenter weigert sich, Stellenanzeige für Bordell auszuschreiben – mit teils überraschender Begründung

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Von: Teresa Toth

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Mit der Stellenausschreibung verstößt der Bordellbetreiber gleich gegen mehrere Regeln der Agentur für Arbeit.
Mit der Stellenausschreibung verstößt der Bordellbetreiber gleich gegen mehrere Regeln der Agentur für Arbeit. © Robert Kalb/imago

Höchstens 55 Jahre, weiblich und sozial soll die neue Angestellte eines Bordells in Halle sein. Das steht in einer Annonce, die die Agentur für Arbeit verweigerte.

Halle – In Halle sucht ein Rotlicht-Betreiber nach einer neuen „Bordellmutter“. Dazu schickte er eine entsprechende Annonce an die Agentur für Arbeit. Diese wollte dem Bordellbetreiber bei der Suche nach einer stellvertretenden Geschäftsführerin jedoch nicht helfen und lehnte es ab, die Stellenanzeige zu veröffentlichen – aus mehreren Gründen.

Stellenanzeige für Job im Bordell: Agentur für Arbeit kritisiert Suche nach einer Frau

Wie die Bild am Montag (8. Mai) berichtete, schrieb der Betreiber des Bordells, dass er nach einer weiblichen Person im Alter zwischen 35 und 55 Jahre suche. Kaufmännische, steuerrechtliche und juristische Grundkenntnisse sowie eine ausgeprägte soziale Kompetenz seien erwünscht. „Erfahrungen im Milieu“ seien sicher „hilfreich, aber nicht erforderlich“, so der gerissene Bordellbetreiber weiter. Selbst fasst er zusammen, er suche nach einer „Puffmutter im besten Sinne des Wortes eben.“

Die Agentur für Arbeit in Halle äußerte Kritik gegenüber der ungewöhnlichen Anzeige. Denn die Stellenausschreibung verstößt gegen das Gleichstellungsgesetz, das eine unterschiedliche Behandlung auf dem Arbeitsmarkt aufgrund von Geschlecht verbietet. Indem der Bordellbetreiber ausschließlich nach einer „Puffmutter“ sucht, hält er sich nicht an die vorgeschriebene Regel. Mit dieser Begründung hätten auf den ersten Blick wohl die Wenigsten gerechnet.

Arbeitsagentur kritisiert Stellenanzeige: Jobs im Bordell dürfen nicht ausgeschrieben werden

Doch auch darüber hinaus darf die Agentur für Arbeit keine Stellenausschreibungen veröffentlichen, in denen nach Mitarbeitenden für das Prostitutionsgewerbe gesucht wird. „Ich habe Ihre Stellenausschreibung gesehen und muss Ihnen leider mitteilen, dass diese nicht durch die Agentur für Arbeit übernommen wird“, zitiert Bild eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit.

Die Stabsstelle Sachsen-Anhalt Süd verteidigte die Entscheidung. Die Arbeitsagentur dürfe ausschließlich Stellenangebote ohne „offensichtlichen Bezug zur Prostitution können entgegengenommen werden“, so eine Sprecherin gegenüber Bild. In der Vergangenheit gab es bereits richterliche Beschlüsse zu dieser Regelung. Wie der Spiegel berichtete, entschied das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz 2019 nach einer Klage eines Bordellbetreibers aus Speyer, dass Stellenausschreibungen im Erotikgewerbe zum Schutz der Jugend und anderer Benutzer des Portals untersagt seien.

Prostituierte werden oft Opfer von sexueller Gewalt. In Hessen soll Betroffenen mit einem speziellen Programm gegen Prostitution geholfen werden. Andere Tätigkeiten abseits der Prostitution versucht die Jobbörse umso mehr zu fördern. In Göttingen rief die Agentur für Arbeit eine Aktion ins Leben, um Busfahrer auszubilden. (tt)

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