Schon knapp vier Millionen Klicks

Protest gegen Mobbing: Solidaritätswelle nach Video von 19-Jährigem

Weener. Benjamins Botschaft ist eine ganz einfache. Niemand sei weniger wert, nur weil er eine Behinderung, eine andere Hautfarbe oder nicht die beste Figur habe.

„Viele Menschen sehen das nicht als selbstverständlich an“, sagt der 19-Jährige aus der niedersächsischen Klein-stadt Weener. Deshalb hat Benjamin Fokken ein Video gemacht. Um gegen Mobbing zu kämpfen.

Seine Botschaften hat er auf weiße Zettel geschrieben und in seine Handykamera gehalten. Den Film stellte er vor ein paar Tagen auf seine Facebookseite, er wurde inzwischen knapp vier Millionen Mal angeklickt.

„Mobbing-Opfer fühlen sich oft einsam und alleingelassen“, steht da zum Beispiel. Sein Protest ist kein wütender, er sagt in dem Video kein Wort. Stattdessen blickt er ernst in die Kamera. Durch die Verbreitung des Films in den sozialen Netzwerken wurden mehrere Sender auf die Aktion aufmerksam und interviewten Fokken.

Jeder siebte Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren ist laut einer Erhebung des IT-Branchenverbandes Bitkom schon Opfer von Mobbing im Internet geworden. Vor wenigen Tagen forderte die EU-Initiative Klicksafe, Betroffene nach solchen Angriffen nicht alleinzulassen. „Wir erleben, dass ihnen kaum Hilfestellung gegeben wird“, sagte Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin bei Klicksafe. Die Folge sei großes Misstrauen bei den Opfern. In der Regel gingen die Schikanen nicht von Fremden aus, sondern von Mitschülern.

Benjamin Fokken bekam das selbst zu spüren. Er sei wegen seines Äußeren fertiggemacht worden, sagt er. „Das fing an, als ich auf die Hauptschule kam.“ Nach der fiesesten Schikane gefragt, muss der Teenager nicht lange überlegen. „Mein Bruder ist vor 17 Jahren bei einem Hausbrand ums Leben gekommen. Da war ich selbst erst zwei, er eins“, erzählt er. Andere Jugendliche hätten davon gewusst und ihn ausgerechnet damit verhöhnt. „Die haben gesagt, dass ich auf sein Grab urinieren soll. Das war für mich das Schlimmste“, sagt er.

Die einfache Botschaft kommt an. Das Video verbreitete sich in Windeseile im Internet. Vereinzelte hässliche Kommentare stehen sehr vielen positiven Reaktionen gegenüber. Auch so mancher, der ihn früher fertiggemacht ung gemobbt habe, habe sich gemeldet, sagt Benjamin Fokken. „Es gab einige, die mir Respekt entgegengebracht haben.“ (dpa)

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