Verwaltungsrat:

"Tebartz-van Elst verschwieg Kosten-Explosion"

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Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Frankfurt - Jochen Riebel, eines von drei Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats im Bistum Limburg, kritisiert erneut Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Dieser habe die wahren Baukosten von mindestens 31 Millionen Euro für seinen Bischofssitz und das neue Diözesanzentrum lange gekannt, aber dem Vermögensverwaltungsrat verschwiegen, sagte Riebel der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Über fast zwei Jahre hat man uns im Dunkeln gelassen, regelwidrig Aufträge vergeben und Kredite aufgenommen. Obwohl bereits 2011 eine präzise Kostenschätzung in den Händen des Bischofs gewesen ist - wie wir aus den Akten wissen.“ Dies sei ein „ungeheuerlicher Vorgang“, den es in der katholischen Kirche so noch nicht gegeben habe.

Riebel verteidigte zugleich die Entscheidung des Vermögensverwaltungsrates, trotzdem im August 2013 die viel höhere Kreditaufnahme zu genehmigen. „Dazu gab es keine Alternative“, sagte Riebel, „weil wir die Zahlungsfähigkeit des Bischöflichen Stuhls nicht riskieren wollten“. Denn zwischenzeitlich habe die kreditgewährende Bank den entsprechenden Nachweis gefordert. Riebel sagte der Zeitung weiter, der Architekt des Neubaus und leitende Mitarbeiter des Bistums hätten eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Das halte er für „sehr problematisch“, weil die Mitarbeiter kraft Ihres Dienstverhältnisses ohnehin besonderen Verpflichtungen unterlägen. „Durch das Verlangen einer zusätzlichen Unterschrift werden überflüssiger Druck und Angst erzeugt“, so Riebel. Weder er noch die beiden anderen Vermögensverwaltungsräte, Michael Lucas und Carl-Friedrich Leuschner, hätten eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben.

Tebartz-van-Elst: Chronik des Skandals

Tebartz-van Elst
19. August 2012: Tebartz-van Elst sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin „Der Spiegel“. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. © dpa
Tebartz-van Elst
29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bischof wegen möglicher Falschaussage über seinen Flug nach Indien. © dpa
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28. Juni: Die umstrittene neue Bischofsresidenz hat nach Angaben des Limburger Bistums knapp 10 Millionen Euro gekostet - rund viermal so viel wie ursprünglich geplant. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen worden sei. © dpa
Tebartz-van Elst
9. Juli: Das Bistum korrigiert die Gesamtkosten für die neue Residenz nach oben. Sie lägen deutlich über 10 Millionen Euro. © dpa
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25. August: Im Bistum beginnt mit einem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung gegen die Amtsführung des Bischofs. Gefordert wird eine umfassende Aufklärung über die Kosten der Residenz. © dpa
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29. August: Das streng konservative „Forum Deutscher Katholiken“ ruft zur Solidarität mit dem Oberhirten auf. © dpa
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1. September: Tebartz-van Elst bittet alle Gläubigen seines Bistums in einem Brief um Vertrauen und räumt Fehler ein. © dpa
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9. September: Der päpstliche Gesandte Giovanni Kardinal Lajolo besucht Limburg. Der Bischof sichert wenige Tage später zu, alle Kosten für die Baumaßnahmen Prüfern zugänglich zu machen. © dpa
Tebartz-van Elst
23. September: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisiert Tebartz-van Elst wegen der Finanzaffäre. Eine Kommission werde untersuchen, warum die Kosten für das neue Domizil explodierten. © dpa
Tebartz-van Elst
25. September: In Zusammenhang mit dem Flug nach Indien beantragt die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. © dpa
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7./8. Oktober: Das Bistum beziffert die Kosten für den neuen Bischofssitz jetzt auf 31 Millionen Euro. Kritiker werfen dem Bischof Täuschung vor und fordern seinen Rücktritt. © dpa
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10. Oktober: Tebartz-van Elst verteidigt die Kostenexplosion. „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“, sagt er der „Bild“-Zeitung. © dpa
Tebartz-van Elst
13. Oktober: Zeitungen berichten über bis zu 40 Millionen Euro Gesamt-Finanzbedarf für die Limburger Residenz und Versuche, die Kostenexplosion zu verschleiern. Tebartz-van Elst reist nach Rom, um mit Papst Franziskus zu sprechen. © dpa
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17. Oktober: Der Papst empfängt Erzbischof Zollitsch. In dem Gespräch geht es auch um den Skandal in Limburg. Details werden nicht bekannt. © dpa
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18. Oktober: Die Kirchenkommission beginnt damit, die Vorgänge um den Bau des Bischofssitzes zu prüfen. © dpa
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21. Oktober: Papst Franziskus empfängt den Limburger Bischof. © dpa
Tebartz-van Elst
23. Oktober: Papst Franziskus setzt den bereits designierten Generalvikar Wolfgang Rösch (54) mit sofortiger Wirkung ins Amt ein. Bischof Tebartz-van Elst erhält „eine Zeit außerhalb der Diözese“, weil er „seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben“ könne. © picture alliance / dpa
Tebartz-van Elst
18. November: Das Hamburger Amtsgericht stellt mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Tebartz-van Elst wegen falscher eidesstattlicher Äußerungen im Zusammenhang mit dessen Erste-Klasse-Flug nach Indien vorläufig ein. Die Einstellung wird rechtskräftig, sobald der Bischof 20.000 Euro zahlt. © picture alliance / dpa

CDU-Politiker Riebel, der zeitweilig Chef der hessischen Staatskanzlei war, hatte den Bischof bereits mehrfach scharf kritisiert. Zugleich wird ihm und den beiden anderen Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats aber auch immer wieder vorgeworfen, sie hätten früher von den hohen Baukosten wissen und auf die Kostenbremse treten müssen.

Der unter anderem wegen seiner Amtsführung und wegen der Kosten für das Bauprojekt auf dem Limburger Domberg in der Kritik stehende Bischof Tebartz-van Elst hält sich aufgrund einer Entscheidung des Papstes seit Ende Oktober für unbestimmte Zeit außerhalb seines Bistums auf. Die Verwaltung des Bistums während der Abwesenheit des Bischofs hat im Auftrag des Heiligen Stuhls Generalvikar Rösch übernommen.

Eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Prüfkommission will ihren Bericht über die Vorwürfe zum Bauprojekt auf dem Limburger Domberg im Laufe des Monats Februar abschließen. Das aus fünf Mitgliedern bestehende Gremium arbeitet unter Vorsitz des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe.

kna

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