Prozess unterbrochen

Polizistenmord: Angeklagte verweigern Aussage

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Die Angeklagten: Raimund M. (links) und sein Bruder Rudolf R.

Augsburg - Statt zu den Mordvorwürfen an einem Polizisten auszusagen, hatten die Angeklagten vor Gericht Beschwerden anzumelden - und kündigten an zu schweigen.

Weil die Polizeibeamten sie als extrem gefährlich einstufen, müssen die 57 und 59 Jahre alten angeklagten Männer Fußfesseln tragen. Auch für den ganzen Gerichtssaal gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen: Alle Zuhörer werden vor dem Betreten des Verhandlungsraums durchsucht. Zusätzlich bewachen sieben Polizisten die Anklagebank.

Gegen die beiden Brüder werden schwere Vorwürfe erhoben: Sie sind angeklagt wegen Mordes, versuchten Mordes, mehrerer Raubüberfälle seit 1999 sowie wegen des Besitzes von Kriegswaffen.

Dem Brüderpaar wird vorgeworfen, im Oktober 2011 den 41 Jahre alten Polizisten Mathias Vieth bei einer Kontrolle erschossen und dessen Kollegin durch einen Streifschuss verletzt zu haben.

Polizistenmord-Prozess: die ersten Bilder

Polizistenmord-Prozess Augsburg
Die beiden Angeklagten, die Brüder Rudolf R. (vorn im Bild) und Raimund M. umarmen sich. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Der Prozesssaal ist vollbesetzt mit Medienvertretern. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Der Angeklagte Rudolf R. trägt einen Bauchgurt mit Handschellen um den Körper. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Auch Raimund M. wird mit Handschellen und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Die beiden Täter nehmen auf der Anklagebank Platz. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Raimund M. schaut im Gerichtssaal zu seinem Mitangeklagten und Bruder Rudolf R. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Die ehemalige Kollegin des Erschossenen putzt sich die Nase. Sie hatte damals einen Streifschuss erlitten. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Auch der Angeklagte Rudolf R. schnieft. © dpa Bildfunk
Polizistenmord-Prozess Augsburg
Der Vorsitzende Richter Christoph Wiesner verliest die Anklage. © dpa Bildfunk

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft planten die Brüder Ende Oktober 2011 einen Raubüberfall mit zwei Maschinengewehren und halbautomatischen Pistolen. Bei der Vorbereitung des Überfalls soll die Polizeistreife die Männer auf einem Parkplatz überrascht haben. Die Brüder flüchteten laut Anklage auf einem gestohlenen Motorrad in ein Waldgebiet und stürzten mit der Maschine. Als der 41 Jahre alte Polizist sie mit gezogener Dienstwaffe aufgefordert habe, sich hinzulegen, seien die tödlichen Schüsse gefallen. Der Beamte wurde mehrfach getroffen.

Täter zur Anklageschrift: "Grimms Märchen"

Die beiden Angeklagten äußerten sich jedoch bislang nicht, sondern hatten selbst Klagen anzumelden: Der 57-Jährige wies die Vorwürfe zurück, beschwerte sich bei den Richtern über die Behandlung auch in der Untersuchungshaft und kündigte an, dass er keinerlei Fragen beantworten werde. Er gab noch nicht einmal seine Personalien zu Protokoll. Die Anklageschrift bezeichnete er als „Grimms Märchen“.

Auch der Verteidiger seines älteren Bruders erklärte, dass sich auch der 59-Jährige vorläufig weder zu dem Polizistenmord noch zu seinen persönlichen Verhältnissen äußern werde.

Der Prozess wurde deshalb bereits nach der Verlesung der Anklage bis zum kommenden Dienstag unterbrochen. In den nächsten Monaten muss das Schwurgericht auch über zahlreiche weitere Schwerverbrechen verhandeln.

Für den Prozess um die zwei mutmaßlichen Polizistenmörder hat die Strafkammer des Augsburger Landgerichts 49 Verhandlungstage angesetzt, da es sich mangels Aussage der Angeklagten um einen reinen Indizienprozess handelt. Gehört werden sollen mehr als 200 Zeugen und mehrere Sachverständige.

dpa

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