Prozessbeginn

Bluttat in Kandel: Mias (†15) mutmaßlicher Mörder im Knast verprügelt 

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Blumen und Kerzen sind vor dem Drogeriemarkt in Kandel niedergelegt, in dem Mia erstochen wurde. Foto: Uli Deck

Der Tod der 15-jährigen Mia in Kandel hat Ende 2017 ganz Deutschland schockiert. Nun beginnt der Mordprozess gegen ihren Ex-Freund, der von Mithäftlingen im Knast verprügelt worden sein soll.

Landau - Schon kurz nach dem verspäteten Beginn ist der Prozess um den tödlichen Messerangriff auf die 15 Jahre alte Mia aus dem pfälzischen Kandel wieder unterbrochen worden. Der Verteidiger des angeklagten Abdul D., Maximilian Endler, verlangte den Austausch des Dolmetschers. Dieser habe unzureichend übersetzt, sagte Endler am Montag vor dem Landgericht Landau. Seinem Antrag sei stattgegeben worden. Der Prozessbeginn hatte sich wegen des verspäteten Dolmetschers verzögert. Endler sagte, es solle in absehbarer Zeit ein neuer Dolmetscher kommen. Sein Mandant wolle sich zur Person und zur Sache äußern. Er bereue die Tat sehr. 

Im Gerichtssaal sitzen zum Auftakt auch Mias Eltern, sie treten als Nebenkläger auf. Der Verteidiger des Angeklagten, Maximilian Endler, erzählt, sein Mandant habe den Eltern nicht in die Augen geschaut. Der Anwalt hält das Altersbestimmungsgutachten für „höchst angreifbar“ und kündigt eine Aussage Abdul D.s zur Sache und zur Person an. Sein Mandant sei in schlechter Verfassung, habe Morddrohungen bekommen, sei im Gefängnis von Mithäftlingen angegangen und daraufhin isoliert worden und wisse um die drohenden Höchststrafen. Das sind zehn Jahre Haft nach Jugendstrafrecht oder lebenslänglich, sollte er doch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden.

Von mehreren Mithäftlingen verprügelt 

Wie die "Bild" berichtet, soll Mias mutmaßlicher Mörder zuvor im Knast von Mithäftlingen verprügelt worden sein, Abdul D. habe  Prellungen an Körper und im Gesicht erlitten. „Bald wussten viele über den Mord an Mia Bescheid. Ein Mädchen-Killer steht im Knast ganz unten in der Hierarchie“, wurde ein Ermittler aus Justizkreisen zitiert. Nach dem Vorfall sei der Angeklagte wieder in eine acht Quadratmeter große Einzelzelle verlegt worden.

Darum geht es 

Vor knapp einem halben Jahr hatte die Tat mitten in einem Drogeriemarkt bundesweites Entsetzen ausgelöst. Nun sitzt der vermutlich aus Afghanistan stammende Ex-Freund des Opfers auf der Anklagebank.

Ihm wird vorgeworfen, Mia am 27. Dezember vergangenen Jahres erstochen zu haben. Die Ermittler glauben, dass er sie bestrafen wollte, weil sie sich von ihm getrennt hatte. Wenige Tage vor der Tat, am 15. Dezember, hatte Mia Anzeige gegen den Ex-Freund erstattet wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige des Vaters.

Ein Sprecher der Verbandsgemeindeverwaltung gibt einem Bericht von ludwigshafen24.de* die Emotionen der Bewohner wieder. Der Fall erinnert an den der getöteten Susanna, der „gewisse Parallelen“ zu Mia aufweist.

Die Richter in Landau verhandeln unter Ausschluss der Öffentlichkeit nach Jugendstrafrecht, weil sich das genaue Alter des Beschuldigten nicht feststellen ließ. Er selbst hatte es mit 15 angegeben, daher war er auch als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling betreut worden. Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft geht von einem Mindestalter von 17,5 Jahren und einem wahrscheinlichen Alter von etwa 20 Jahren aus. Im Strafrecht werden 18- bis 21-Jährige als Heranwachsende geführt.

Die Tat hatte auch die Debatte über die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu angefacht. In dem pfälzischen Ort mit rund 9000 Einwohnern gab es zahlreiche fremdenfeindliche Demonstrationen und Gegenkundgebungen zu dem Fall.

Für den Prozess hat die 2. Strafkammer des Landgerichts Landau nach dem Auftakt am Montag zwölf weitere Verhandlungstermine bis Ende August angesetzt.

*ludwigshafen24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

dpa

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