Prozessmarathon gegen Giftgas-Sekte endet

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Der halb-blinde Sektengründer Shoko Asahara wurde bereits 2006 zum Tode verurteilt.

Tokio - 1995 schockiert ein Giftgas-Anschlag einer Endzeit-Sekte auf die Tokioter U-Bahn die Welt. 13 Menschen starben. Jetzt gehen die Gerichtsprozesse zu Ende. Für die Opfer ist die Tat damit noch nicht aufgearbeitet.

Mehr als 16 Jahre nach dem Giftgas-Anschlag auf die U-Bahn in Tokio hat Japans Oberster Gerichtshof die Todesstrafe gegen ein führendes Mitglied der Endzeit-Sekte Aum Shinrikyo bestätigt. Damit geht ein in der japanischen Rechtsgeschichte beispielloser Prozessmarathon zu Ende.

Der Oberste Gerichtshof wies am Montag den Einspruch der Verteidiger von Seiichi Endo zurück und erklärte die zuvor verhängte Todesstrafe gegen den 51-Jährigen für rechtskräftig. Der gelernte Veterinär und Virologe ist für schuldig befunden worden, unter anderem eine zentrale Rolle bei dem Sarin-Anschlag auf die U-Bahn gespielt zu haben.

Die Verteidigung von Endo will laut japanischen Medien noch eine Korrektur des Schuldspruches beantragen, was mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Es wird jedoch erwartet, dass dieses Prozedere nichts an der Entscheidung des Gerichtshofs ändert. Endo wäre damit das 13. Mitglied der Endzeitsekte, das wegen der Verbrechen mit dem Leben büßen muss. Keines der Todesurteile wurde bisher vollstreckt.

Opfer reagieren frustriert

Bei dem Anschlag kamen am 20. März 1995 insgesamt 13 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Erst im Jahr 2009 war der Fall eines Mannes, der einen Tag nach dem Attentat gestorben war, von den Behörden als Opferfall anerkannt worden. Bis dahin war von zwölf Toten die Rede. Der Drahtzieher dieser und anderer Morde sowie Mordversuche mit insgesamt 27 Toten, der halb-blinde Sektengründer Shoko Asahara, ist im Jahr 2006 rechtskräftig zum Tode verurteilt worden.

Opfer der Verbrechen, von denen noch heute viele unter den psychischen, physischen und finanziellen Folgen des Anschlags leiden, reagierten frustriert auf das Ende des Prozessmarathons. Für sie sind die Verbrechen der Sekte längst nicht hinreichend aufgearbeitet.

Kritiker fordern, dass weiter untersucht werden müsse, was zu den Verbrechen geführt habe und in welchem sozialen Kontext dies passierte. Asahara, mit bürgerlichem Namen Chizuo Matsumoto, wurde im Mai 1995 verhaftet und schwieg während des ganzen Prozesses entweder oder murmelte Unverständliches vor sich hin.

Tödliches Nervengas in der U-Bahn

Asahara hatte das spirituelle Vakuum genutzt, das nach den wirtschaftlichen Boom-Jahren in Japan entstanden war und die junge Generation des fernöstlichen Landes zu neuen Religionen wie Aum Shinrikyo trieb. Doch statt die Hintergründe der gesellschaftlichen Katastrophe tiefgehend zu analysieren, wurde Asahara laut Kritikern nur zu einem unmenschlichen Monster gestempelt. Unschuldige Mitläufer wurden zu Staatsfeinden erklärt.

Mitglieder der Endzeitsekte hatten am Morgen des 20. März 1995 unter dem Regierungsviertel Kasumigaseki in mehreren Zügen Plastiktüten mit Sarin aufgestochen und das tödliche Nervengas freigesetzt. Mit der Tat wollte die Sekte eine geplante Polizeirazzia gegen ihr Hauptquartier am Fuß des heiligen Berges Fuji verhindern. Auch Jahre nach dem Anschlag werfen Betroffene der Verbrechen der Regierung vor, die Opfer praktisch im Stich gelassen zu haben.

Auch wenn sich die inzwischen in Aleph umbenannte Sekte von Gewalt losgesagt hat, stehen ihre Anhänger weiter unter staatlicher Überwachung. Laut japanischen Medienberichten rekrutiert sie in jüngster Zeit wieder neue Anhänger, vor allem unter jungen Menschen.

dpa

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