Daumen hoch!

Raupen-Alarm: "Vapiano" wehrt Shitstorm ab 

München - Kleine Raupe, große Wirkung: Der Versuch eines Gastes der "Vapiano"-Kette, einen Shitstorm gegen das Restaurant heraufzubeschwören, ist nach hinten losgegangen.  

Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann einen Sturm in Texas auslösen, heißt es. Nicht mit einem Schmetterling, sondern mit dessen Vorstadium wollte ein Gast der Restaurantkette Vapiano offensichtlich einen Shitstorm heraufbeschwören.

Dazu postete er ein Video auf die Facebook-Seite des Unternehmens, auf dem eine kleine grüne Raupe  munter ihre Kraulübungen im Dressing eines Salates macht. Den will der Unbekannte in einer Filiale der Kette serviert bekommen haben - als "Beweis" steckt eine Servicekarte mit dem Logo des Unternehmens in dem Grünzeug mit der unerwünschten Fleischeinlage. “Bei Vapiano war’s eigentlich immer recht nett….bis gestern….leider fehlt mir für Salat bei euch in nächster Zeit erstmal die Motivation!!!", lautete dazu der Kommentar des Gastes, dem der Appetit vergangen war.

Video wurde über 14.000 Mal geteilt

In nur 24 Stunden reckten sich mehr als 40.000 Daumen in die Höhe, über 14.000 Mal wurde die abgefilmte Beschwerde des Users in dem größten sozialen Netzwerk weiterverbreitet und leidenschaftlich kommentiert. Doch das Unternehmen, vertreten durch die Hamburger PR-Agentur Achtung!, reagierte vorbildlich auf die versuchte Rufschädigung. Es antwortete ebenfalls auf Facebook: "Man könnte dies als Beleg für die Frische unserer Salate sehen. Wir nehmen dies aber im Gegenteil sehr, sehr ernst. So etwas darf bei uns nicht passieren!” Man habe versucht, “mit dem Gast in Kontakt zu kommen, um zu hören, wo genau und zu welcher Zeit das Video aufgenommen wurde."

"Du hättest das Tier lieber retten sollen"

Der erhoffte Shitstorm blieb aus, die User schlugen sich nun endgültig auf die Seite des Unternehmes und argumentierten gegen den Beschwerdeführer: "Es ist doch nur eine Raupe", schrieb etwa eine Facebookerin. "Ich finde ein Haar viel, viel schlimmer", pflichtete ihr jemand anders bei. "Du hättest das Tier lieber retten sollen anstatt sie im Essigbad liegen zu lassen!”, tadelte ein dritter User. Ein weiterer witzelte: "Davon stirbt keiner. Im Dschungelcamp hat das jeder überlebt.” Auch der Kalauer "Bei Vapiano bekommt man halt noch Schmetterlinge im Bauch" fand viel Zuspruch. Nicht zuletzt kam die berechtigte Frage auf, warum der Unbekannte das Restaurant lieber auf diese Weise zu denunzieren versucht, anstatt an Ort und Stelle das Gespräch mit dem Geschäftsführer zu suchen: "Für direkte Konfrontation zu feige aber im Internet ne große Klappe!", fasste das ein Nutzer zusammen.

Die größten Shitstorms

Nestlé: Für großes Aufsehen sorgte ein Shitstorm im Jahr 2010, dessen Triebfeder die Umweltschutz-Organisation Greenpeace war. Greenpeace kritisierte die Verwendung großer Mengen von Palmöl bei der Produktion von Nestlés KitKat. Die Lebensräume von Orang-Utans würden dadurch zerstört. Angestossen wurde das Ganze mittels einer Social-Media-Kampagne mit schockierenden YouTube-Videos. Diese verbreiteten sich rasend schnell. Nestlé wollte daraufhin das Video verbieten, indem gewisse Fanseiten abgeschaltet wurden. So wollte man der Diskussion entkommen. Das genaue Gegenteil passierte. Die Aufmerksamkeit nahm sogar noch zu und das Video verbreitete sich noch schneller im Netz. © dpa
O2: 2011 beschwerte sich ein Blogger wegen Netzproblemen bei dem Mobilfunkanbieter. Als Antwort bekam er, dass es sich dabei lediglich um einen Einzelfall handele. Im Anschluss startete der Shitstorm in Form der Aktion: „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gab zu, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handele und versprach, sein Netz auszubauen. © dpa
Schlecker: Auch die insolvente Drogeriemarktkette wurde bereits mit einem Shitstorm konfrontiert, nachdem sie 2011 einen neuen Werbeslogan etablieren wollte. For You. Vor Ort – hieß der Slogan, der eine besondere Nähe zum Kunden herausstellen sollte. Der Shitstorm brach los, als ein Unternehmenssprecher ungeschickt auf Kritik reagierte. Er sagte, dass das Motto den durchschnittlichen Schlecker-Kunden anspreche. Und zwar Menschen mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau. Empörte Reaktionen waren die Folge. © dpa
ING-DiBa: Auslöser war ein weithin bekannter Werbespot mit Basketball-Star Dirk Nowitzky. In einem seiner Reklamefilmen verputzte der Würzburger in einer Metzgerei eine Scheibe Wurst: Ein absoluter Skandal für viele Vegetarier und Veganer. Also lösten sie 2011 einen Shitstorm aus, indem Sie die Facebook-Seite der Bank mit zahllosen kritischen Posts zum Fleischkonsum überfluteten. Besonders interessant an diesem Shitstorm: Viele Kunden solidarisierten sich mit der ING-DiBa und kritisierten den aggressiven Ton und anmaßende Kommentare der Provokateure. In der Folge drehte der Shitstorm und entlud sich auf dem Erzeuger. © dpa
Deutsche Bahn: Das Unternehmen erlebte ebenfalls die Macht der Internet Community, als sie im Herbst 2010 ein Chef-Ticket für 25 Euro anbot, mit dem man durch ganz Europa reisen konnte. Verkauft wurden die Fahrkarten über eine Facebook-Seite. Was die Bahn nicht bedacht hatte: Die Besucher des Profils nutzten die Plattform nicht nur zum Kauf des Tickets, sondern auch, um ihren Ärger über verspätete Züge, defekte Technik oder Stuttgart 21 Luft kundzutun. Der Fehler der Bahn im Umgang mit der Entrüstung: Während des Shitstorms fehlte es an jeglicher professionellen Moderation und Mediation. Für die Deutsche Bahn war die Geschichte ein riesiges PR-Debakel. © dpa
Instagram: Neue Nutzungsbestimmungen, mit denen die Kunden des Online-Fotodienstes Instagram nicht einverstanden waren, brachten dem Unternehmen im Dezember 2012 einen Image-Schaden und einen Shitstorm ein, der sich gewaschen hatte. Instagram wollte ungefragt Bilder von Nutzern ohne Honorar verkaufen. Die Konsequenz: Ein Sturm der Entrüstung. Am Ende lenkte Instagram ein. © dpa
Vodafone: Macht hat im Internet auch der Einzelne. Eine Kundin löste im vergangenen August einen Shitstorm aus und trieb so einem Weltkonzern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Frau war vom Vodafone-Kundenservice enttäuscht und tat dies auf der Facebook-Seite des Unternehmens kund. Innerhalb kürzester Zeit klickten über 100.000 Nutzer „gefällt mir“ und berichteten ihrerseits von Problemen mit dem Mobilfunkanbieter. © dpa
Tagesschau: Zu den Protesten gegen die Sparpolitik in Spanien im September 2012 berichtete die Tagesschau kein Wort. Darüber beschwerten sich schließlich Leser bei der Redaktion. Diese verhielt sich jedoch reichlich ungeschickt. Man sei unabhängig, auch von Shitstorm-Aktivisten. Mit dem Hinweis: “Liebe Fans der Facebook-Seite der Tagesschau, in Madrid finden zur Zeit Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung statt. Ein ARD-Team ist vor Ort, auch Tagesschau.de wir darüber in Kürze berichten. Wer bereits zuvor schon seine Meinung dazu los werden möchte, kann dies hier tun, wir bitten darum, den Shitstorm unter den anderen Threads zu beenden, vielen Dank!” sollte dem Shitstorm ein schnelles Ende bereitet werden. Doch weit gefehlt. Eine Falschmeldung über die Anzahl der Protestler erzeugte eine erneute Welle der Empörung, die erst langsam wieder abflaute. © dpa
Samsung: Als besonders witziges Beispiel wird wohl der Shitstorm den Samsung 2012 heraufbeschworen hat, in die Geschichte eingehen. Der Technologiekonzern fragte auf seiner US-Fanseite bei Facebook: „Welches elektronische Gerät würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Die amüsante Antwort: „Das Iphone 5“ oder zumindest irgendein Smartphone des Rivalen Apple. Was in der Umfrage jedoch kaum vor kam, waren Samsung-Geräte. Fast 12.000 Kommentatoren beantworteten die Frage, 45.000 Menschen drückten die „like“ Taste. Pfiffige Markenwerbung sieht anders aus. © dpa
Michael Wendler: Einer der wahrscheinlich größten Fälle drehte sich im vergangenen Jahr um Schlagersänger Michael Wendler Über 700.000 Facebook-Mitglieder sprachen zur Spitzenzeit über den erfolgreichen Sänger. Die Seite wurde sogar zeitweise vom Netz genommen. Es handelte sich um eine Anti-Wendler-Kampagne, in Folge einer Fernsehsendung, in der es um einen Streit des Sängers mit zwei weiblichen Fans ging, die am Ballermann ein Café mit seinem Namen eröffnet hatten. Wendler soll dafür angeblich Geld von den Damen verlangt haben. © dpa
Teldafax: Schlechte Kundenkommunikation führte bei Teldafax 2011 zu einem gesalzenen Social Media Desaster. Das Unternehmen wies seine Kunden auf der firmeneigenen Facebook-Präsenz darauf hin, dass die Seite „echt nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen“ sei. Die wiederum fanden diesen Kommentar alles andere als lustig, machten genau das Gegenteil und traten eine Shitstorm-Welle los. © dpa

Inzwischen gelang es dem Unternehmen, den Gast zu kontaktieren. Man stünde im Austausch, um zu klären, was passiert ist, hieß es am Donnerstag auf Facebook. "Wir können letztlich aus diesem Vorfall lernen und uns verbessern. Wir danken euch vielmals für euren Zuspruch und eure Unterstützung. Wir sind regelrecht überwältigt."

So macht man aus einem drohenden Shitstorm eine gelungene Werbe-Aktion!

hn

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa (Symbolbild)

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