Reporter filmten sich gegenseitig

Recherchepanne: Baby-Käufer, Menschenhändler - alle waren Journalisten

London/Bulgarien. Zwei englische Reporter geben sich im Internet als Paar aus und behaupten, ein Baby kaufen zu wollen. Es kommt zum Treffen mit vermeintlichen Baby-Händlern aus Bulgarien – doch die entpuppten sich plötzlich als bulgarisches Fernsehteam, das ebenfalls im Internet recherchiert hat.

Die britische Tageszeitung The Guardian hat jetzt über den Vorfall berichtet. Jonathan Calvert und Heidi Blake sind Reporter der englischen Wochenzeitung Sunday Times. Gemeinsam arbeiteten die beiden an einer Geschichte über Baby-Händler aus Osteuropa, deren kriminelle Machenschaften sie aufdecken wollten. Verdeckt recherchierten die beiden im Internet, gaben sich als britisches Ehepaar aus, dass keine Kinder bekommen kann und daher gern ein Baby kaufen würde. „Geld spielt keine Rolle“, schrieben sie. Veröffentlicht wurden ihre Anzeigen in diversen Online-Foren in Bulgarien, Rumänien und Mazedonien.

Auf eine ihrer Anzeigen bekamen die beiden Reporter schließlich eine Antwort. Die kam aus Bulgarien, von einem Fernsehteam des TV-Senders Nova. Ebenso wie ihre britischen Kollegen witterten die bulgarischen Journalisten einen Menschenhändler-Skandal, den sie aufdecken wollten. Nachdem sich beide Seiten mehrere Emails geschrieben und auch miteinander telefoniert hatten, kam es schließlich zu einem Treffen in Bulgarien. In einem Restaurant sprachen die Beteiligten über die Möglichkeit, ein bulgarisches Baby zu kaufen.

Wie dieses Treffen verlief, kann man sich auf der Videoplattform Youtube anschauen.

Beide Seiten filmten ihr gegenüber mit versteckten Kameras. Zu einem Handel kam es jedoch nicht. Kurz nach dem Treffen gaben sich die britischen Reporter via Email als Journalisten zu erkennen. Auch ihre bulgarischen Kollegen enttarnten sich daraufhin. Laut Angaben des bulgarischen Fernsehsenders Nova reagierten die englischen Reporter amüsiert. Sie fänden den Vorfall sehr lustig, denn so etwas sei ihnen noch nie zuvor passiert.

Während Nova aus dem investigativen Zusammenstoß der Reporter einen sechsminütigen Fernsehbericht produzierte, verzichtete die Sunday Times allerdings auf einen Bericht. Auch die beiden britischen Reporter wollten sich offiziell nicht mehr dazu äußern.

Von Moritz Schäfer

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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