Hat er die Überladung angeordnet?

"Sewol": Reederei-Chef festgenommen

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Die verunglückte Fähre "Sewol".

Seoul - Mehr als drei Wochen nach dem Untergang der Fähre „Sewol“ in Südkorea hat die Staatsanwaltschaft den Chef der Reederei festgenommen.

Gut drei Wochen nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre „Sewol“ haben die Ermittler den Reedereichef unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung festgenommen. Sie werfen Kim Han Sik von Chonghaejin Marine vor, die Überladung der Fähre angeordnet oder zumindest davon gewusst zu haben, bevor das Schiff am Vorabend des Unglücks in See stach. Er bitte die Familien der Unglücksopfer um Entschuldigung, sagte Kim am Donnerstag vor dem Büro der Küstenwache im südlichen Mokpo. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht.

Die Fähre war am 16. April mit 476 Menschen an Bord vor der Südwestküste Südkoreas gekentert. Bisher wurden die Leichen von fast 270 Menschen aus dem Wrack und der Umgebung geborgen. Es galten noch über 30 Insassen als vermisst.

In der Hauptstadt Seoul demonstrierten Studenten gegen die Regierung des Landes, der sie eine Mitschuld an dem Unglück gaben. Dabei kam es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Fährunglück in Südkorea: Die wichtigsten Antworten

 - Wo war der Kapitän zum Unglückszeitpunkt?Lee Jun Seok soll nicht am Steuer der Fähre gewesen sein. Er habe kurz vorher an die 26 Jahre alte, wenig erfahrene Dritte Offizierin übergeben, teilten die südkoreanischen Ermittler mit. Wo genau sich Lee dann aufhielt, blieb offen. © dpa
- Hat der Kapitän früh genug die Evakuierung der Fähre eingeleitet?Nein, sagen zumindest die Angehörigen der Passagiere. Sie argumentieren, es hätten mehr Menschen gerettet werden können, wenn das havarierte Schiff früher geräumt worden wäre. Die Evakuierung wurde erst eingeleitet, als das Schiff schon in Seitenlage geraten war. © dpa
- Wie viele Rettungsboote wurden benutzt?Nach Medienberichten wurden nur ein oder zwei von mehr als 40 Rettungsbooten zu Wasser gelassen. Bei den Rettungsbooten auf der Fähre handelte es sich um selbstaufblasende Schlauchboote, die sich in Kästen auf dem Hauptdeck befanden. © dpa
- Warum werden noch so viele Passagiere vermisst?Die Retter vermuten, dass ein Großteil der ursprünglich 475 Menschen an Bord im Rumpf des Schiffes eingeschlossen ist. Überlebende berichten, viele Mitreisende hätten nicht mehr aus ihren Kabinen entkommen können. In Luftblasen könnten einige von ihnen noch eine Weile überlebt haben. Fast 180 Menschen wurden gerettet; bis Freitagnachmittag (Ortszeit) wurden 28 Leichen gefunden. © dpa
- Wie kam es zu dem Unglück?Die genaue Ursache ist weiter unklar. Am Ort des Untergangs soll die „Sewol“ einen Kurswechsel vorgenommen haben, heißt es von den Ermittlern. Möglich ist auch, dass die Fähre auf einen Felsen auflief und dann die Autos im Innern verrutschten. Überlebende hatten von einem großen Knall vor dem Sinken des Schiffes gesprochen. © dpa
- Weshalb war lange Zeit noch der Schiffsbug zu sehen?Der hintere Teil des Schiffes sank rasch auf den Meeresgrund - das Wasser ist hier rund 30 bis 40 Meter tief. Durch Luft im Inneren wurde der vordere Teil der Fähre eine Zeit lang über Wasser gehalten, so dass die Bugwulst noch herausragte. Inzwischen ist über der Wasseroberfläche aber gar nichts mehr von dem Schiff zu sehen. © dpa

Sollte sich der Verdacht gegen Kim erhärten, droht dem Reedereichef bei einer förmlichen Verhaftung unter anderem eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen Sicherheitsvorschriften für Schiffe, wie südkoreanische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichteten. Vier Angestellte des Unternehmens sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Die Ermittler vermuten, dass eine Überladung und frühere Umbauten an der 20 Jahre alten Auto- und Personenfähre das Unglück mitverursacht haben. Dem Betreiber der „Sewol“ wird vorgeworfen, die Fähre in der Vergangenheit aus Proftigier regelmäßig überladen zu haben.

Auch der Kapitän und die anderen 14 leitenden Crewmitglieder sind in U-Haft. Sie werden beschuldigt, die Passagiere auf dem sinkenden Schiff im Stich gelassen zu haben. Nur 172 Menschen wurden nach Angaben der Behörden gerettet. Die meisten Insassen waren Jugendliche auf einem Ausflug zur südlichen Urlaubsinsel Cheju. Das Meeresministerium will Chonghaejin Marine die Lizenz für die Strecke zwischen der westlichen Küstenstadt Inchon und Cheju entziehen.

Die Bergungsarbeiten am Wrack wurden nach den Berichten südkoreanischer Sender am Donnerstag von hohen Wellen erschwert. Bei den geplanten Tauchgängen sollten weitere Gänge und Kabinen des Schiffs durchsucht werden, wo die meisten Passagiere eingeschlossen wurden. Um das Wrack wurden Netze ausgeworfen, um zu verhindern, dass weitere Leichen von der Strömung abgetrieben werden. Ein Rettungstaucher war am Dienstag ums Leben gekommen. Bei einem Tauchgang zum Schiff hatte er das Bewusstsein verloren.

dpa

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