Vom Wüstegarten kann man bis auf den Feldberg schauen

Die schönsten Herbstwanderungen: Vom See auf den Kellerwaldturm

nh123 Blick vom Wüstegarten auf das Hohe Lohr.Foto: Steffen Seibert, Hohes Lohr, Kellerwald
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Wow: Wer auf den Kellerwaldturm steigt und etwa auf das Hohe Lohr im Nebelmeer schaut, kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Für Wanderer ist jetzt schon Weihnachten. Der Herbst ist die schönste Jahreszeit, um die Natur zu Fuß zu erkunden. Wir stellen einige farbenprächtige Routen vor. Zum Auftakt geht es auf den Kellerwaldturm.

Wer Wandern als Trendsportart bezeichnet, liegt komplett falsch. Es war nie richtig aus der Mode. Trotzdem trifft man bei ausgedehnten Spaziergängen heute auch immer mehr junge Menschen. Gerade auch in Nordhessen und Südniedersachsen. Unsere Mittelgebirgsregion ist ein Paradies für Wanderer. Die schönsten Touren zwischen Knüll und Harz, zwischen Kellerwald und Meißner stellen wir auf Sieben in loser Folge vor. 

Nicht nur für unsere erste ausgewählte Strecke zum Kellerwaldturm auf dem Wüstegarten empfehlen wir die Wanderplattform und App Wikiwalk, mit der man perfekt Routen planen kann und die von der Niedensteiner Agentur Cognitio entwickelt wurde. Die Mitarbeiter des Unternehmens, das seinen Sitz am Rand des Habichtswalds hat, sind selbst begeisterte Wanderer. "Wir kennen jeden einzelnen Trampelpfad in der Region", sagt Lutz Schmithausen, der als Experte für Tourismusmarketing für Wikiwalk verantwortlich ist. Für unsere Wanderserie stellt Cognitio freundlicherweise Karten- und Bildmaterial zur Verfügung.

Die Strecke 

Auf unserer ersten Wanderung geht es hoch hinaus - bis auf den 675 Meter hohen Wüstegarten, den höchsten Berg des Schwalm-Eder-Kreises und des Kellerwalds, von dessen Aussichtsturm man bei gutem Wetter bis zum Meißner und zum Hohen Feldberg im Taunus sehen kann. Unsere 18,5 Kilometer lange Strecke führt von der Kurgemeinde Bad Zwesten über den Ortsteil Oberurff-Schiffelborn auf den Wüstegarten bis zum Jesberger Ortsteil Densberg und ist eine von zwölf Etappen des Kellerwaldsteigs.

Der 165 Kilometer lange Rundwanderweg startet in Frankenau am Rand des Nationalparks Kellerwald-Edersee, bietet nördlich von Hessens größtem Stausee auf dem Urwaldsteig fantastische Aussichten von Steilhängen und führt über Bad Zwesten und Wüstegarten im Süden wieder nach Frankenau.

Geübte Wanderer können den gesamten Steig in acht Tagen bewältigen. Wer nur Zeit für eine Etappe hatte, sollte unbedingt auf den Gipfel der heimischen Wandergenüsse. Vom Parkplatz der Bad Zwestener Hardwaldtkliniken geht es über Wiesen und durch idyllische Wälder in den Ortsteil Oberurff-Schiffelborn und dann stetig bergauf. Bis nach oben sind immerhin 550 Höhenmeter zu bewältigen. Anschließend geht es ebenso steil bergab nach Densberg. Mountainbiker kommen hier auch auf rasanten Downhill-Abfahrten auf ihre Kosten. Anders als in überlaufenen Wanderregionen wie dem Taunus müssen Fußgänger aber keine Angst vor sportlichen Radfahrern haben.

Holzbau mit Schwächen: Der Kellerwaldturm.

Die Sehenswürdigkeiten

Der Kellerwaldturm auf dem Gipfel ist an sich schon eine Attraktion - nicht nur wegen der imposanten 360-Grad-Aussicht. Zuletzt wurde er auch zum Politikum. Als Ersatz für einen Turm aus dem Jahr 1971 wurde 2003 ein schicker Holzbau errichtet. Aber schon drei Jahre später zeigten sich erste Risse. Erst wurde der Turm gesperrt, nach einem neuen Gutachten schließlich wieder geöffnet. Derzeit dürfen ihn nur 15 Personen gleichzeitig betreten. Wie lange noch, ist fraglich. Zuletzt wollte die Gemeinde Jesberg als Ersatz einen Turm des Deutschen Wetterdienstes mit Ausichtsplattform errichten lassen.

Rund um den Gipfel kann man die Reste der Heidelburg erkennen, einer großen Wallburg. Sie stammt wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert nach Christus. Es gilt als sicher, dass der Wüstegarten eine keltische Kultstätte war. Auch die Nazis fanden Gefallen an dem Berg. Jedenfalls wurden während des Dritten Reichs Bäume so angepflanzt, dass man noch lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Luftperspektive ein Hakenkreuz erkennen konnte.

Gastronomie

Auf dem Wüstegarten selbst kann man sich nur mit eigener Verpflegung stärken, dafür gibt es im Tal besondere Angebote. Wer nicht nach Densberg hinunterläuft, sondern den Abstieg nach Bergfreiheit wählt, kann im Urfftal in der idyllisch gelegenen Hardtmühle einkehren, das Restaurant und Hotel ist. Der Bad Wildunger Ortsteil nennt sich selbst Schneewittchendorf. Im Bergwerk wurde seit 1552 Kupfererz abgebaut. Es ist ein kleines Abenteuer, in die für die Besucher abgesicherten Stollen hinabzusteigen. Und im alten Ortskern befindet sich das Schneewittchenhaus, in dem einst kleine Bergarbeiter lebten und der Sage nach auch Schneewittchen.

Der besondere Tipp: Wer nicht nur wandern, sondern auch schwimmen will, ist am Oberurffer See richtig. Von Bergfreiheit aus gesehen befindet sich der See am anderen Ende des romantischen Urfftals. Hier kann man völlig ungestört seine Bahnen ziehen. Wer dann noch die eineinhalb Kilometer zur Burgruine Löwenstein hinaufsteigt, hat nicht nur eine tolle Aussicht über das Schwalmtal, das Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Schwalmsee werden sollte, ehe man sich dazu entschied, die Ederseestaumauer zu bauen, sondern man kann donnerstags und am Wochenende auch in der gemütlichen Jausenstation einkehren.

Hier geht es zum Kellerwaldsteig auf der Wanderplattform Wikiwalk.

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