Tod vor Reha-Einrichtung

Polizist erschießt psychisch Kranken nach Messerattacke

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Reha-Einrichtung in Emmendingen: Hier kam es zu dem tödlichen Zwischenfall. Foto: Patrick Seeger

Ein psychisch Kranker bedroht in einer Reha-Einrichtung einen Polizisten mit dem Messer - und wird von einem Beamten erschossen.

Emmendingen (dpa) - Ein Polizist hat in Emmendingen im Schwarzwald einen psychisch Kranken erschossen, der mit einem Messer gedroht haben soll. Noch wird der genaue Hergang vom frühen Donnerstagabend ermittelt.

Aber, so sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg am Freitag: "Es sieht nach einem klassischen Fall von Notwehr aus." Die Polizei war von einem Sicherheitsdienst in eine Reha-Klinik gerufen worden, weil sich dort der 61 Jahre alte Kranke äußerst aggressiv verhalten hatte.

Als er beim Eintreffen der Streife auf einen der Beamten losging, versuchte dieser laut Staatsanwaltschaft, den Angreifer mit Pfefferspray zu stoppen. Als das misslang, habe ein Kollege helfen wollen und geschossen.

Insgesamt seien drei Schüsse abgegeben worden. Wie viele den Mann trafen, war noch unklar. "Alles hat sich auf engem Raum abgespielt", sagte der Sprecher der Anklagebehörde. Warum es nicht gelang, den Mann nur kampfunfähig zu machen, musste noch ermittelt werden.

Die Beamten und später die Rettungskräfte versuchten noch, den Mann zu reanimieren. Er starb aber in der Reha-Einrichtung. Die zwei Beamten wurden nicht verletzt. Sie wurden betreut, um das Geschehene zu verarbeiten. Es soll sich um erfahrene Polizisten handeln.

"Die Kriminaltechnik rekonstruiert den Vorgang am Tatort. Außerdem sollen die Mitarbeiter und Bewohner befragt werden", sagte ein Polizeisprecher. Auch eine Obduktion wurde angeordnet.

Nach den bisherigen Feststellungen gehen die Ermittler von einer akuten Bedrohungslage aus - nicht nur für die Beamten, sondern auch für andere Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung. "In dieser Situation gab es für die beiden einschreitenden Beamten nach aktuellen Erkenntnissen keine andere Möglichkeit, die unmittelbare Gefahr für sich und andere Personen abzuwenden", hieß es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Bei der Einrichtung handelt es sich um eine Außenstelle eines Vereins, der unter anderem psychisch kranke Menschen betreut. Der Tatort lag im offenen Bereich des betreuten Wohnens. Der 61-Jährige lebte schon länger in der Einrichtung. Es hatte immer wieder Probleme mit ihm gegeben.

In den vergangenen Wochen hatten Schüsse aus Polizeiwaffen mehrfach Aufsehen erregt. In Nordrhein-Westfalen starben zuletzt zwei Männer bei Einsätzen in Essen und Herne. Im Jahr 2015 hatten Polizisten in Deutschland zehn Menschen erschossen; jüngere Gesamtzahlen wurden bisher nicht bekannt.

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