8848 Meter: Rekordjagd der Senioren

80-Jähriger Ältester auf Mount Everest - 81-Jähriger will Rekord brechen

Tokio. Der japanische Extremsportler Yuichiro Miura hat am Donnerstag einen neuen weltweiten Altersrekord für die Besteigung des höchsten Bergs der Welt aufgestellt. Seine Bestmarke könnte allerdings von kurzer Dauer sein. Ein 81-jähriger Nepalese ist Miura dicht auf den Fersen:

Yuichiro Miuras Stimme ist so dünn, dass ihn seine Tochter Emili am anderen Ende des Satellitentelefons kaum verstehen kann. Umringt von Journalisten in ihrem Tokioter Büro muss sie ihren Vater mehrmals bitten, seine Eindrücke vom höchsten Gipfel der Welt zu wiederholen.

„Es ist das schönste Gefühl der Welt“, haucht Miura in den Hörer. „Ich habe das Limit der Erschöpfung erreicht, aber jetzt weiß ich, dass man (den Everest) auch mit 80 Jahren noch bezwingen kann“, ergänzt er.

Aller guten Dinge sind drei

Es war bereits das dritte Mal, dass Miura seiner Familie Grüße vom Gipfel des Everest sendet. Mit 70 Jahren wagte er den ersten Versuch, und mit 75 Jahren bezwang er den Berg ein zweites Mal.

80-Jähriger Ältester auf Mount Everest - 81-Jähriger will Rekord brechen

Kurz darauf fasste er den Entschluss, sich mit 80 Jahren noch einmal durch die Todeszone zu kämpfen und auf das Dach der Welt zurückzukehren.

„Es ist eine Herausforderung an mein ultimatives Limit. Es geht darum, die große Mutter Natur zu ehren“, schrieb der weißhaarige Sportler, dem man sein Alter auch durchaus ansieht, vor Expeditionsbeginn auf seiner Internetseite.

„Wenn ich das geschafft habe, kann ich beruhigt sterben“, so der ehemalige Profi-Skifahrer, der in den 70er-Jahren internationale Schlagzeilen gemacht hatte, als er auf Skiern den Everest aus 8000 Metern Höhe herunterraste.

Herzkrankheit schreckt Miura nicht

Im vergangenen Herbst, als Miura sich in Nepal auf den Aufstieg vorzubereiten wollte, bekam er erneut schwere Herzrhythmusstörungen. Er musste das Training abbrechen und in Japan zwei Herzoperationen über sich ergehen lassen, die letzte im Januar.

Insgesamt hat der greise Kletterer bereits vier Herz-Operationen in sechs Jahren hinter sich. „Wäre er in seinen 60ern, hätte er wohl noch ein, zwei Jahre gewartet. Aber mit 80 wird man nicht jünger“, erklärte Tochter Emili.

Nachdem er mit 53 Jahren die höchsten Abhänge der Welt auf Skiern heruntergerast war, musste er wegen eines schweren Burnout-Syndroms den Sport ganz aufgeben und in den Zwangsruhestand gehen.

Als er gut zehn Jahre später mit dem Training für seine erste Everest-Expedition begann, sei er so schwach gewesen, dass er nicht einmal einen 500-Meter-Hügel erklimmen konnte, sagte Miura im japanischen Fernsehen. Mit eiserner Disziplin gelang es ihm, fünf Jahre später fit genug für sein Everest-Abenteuer zu sein.

Zwei Everest-Gipfelstürme später, im Alter von 76 Jahren, stand er erneut vor dem Aus: Bei einem Ski-Unfall zog er sich mehrere Knochenbrüche im Becken und Oberschenkel zu. Die Ärzte versuchten, ihm klar zu machen, dass weitere Abenteuer nun endgültig unmöglich seien.

Doch Miura gab nicht auf. Er dachte an sein großes Vorbild - seinen verstorbenen Vater, der im Alter von 99 Jahren den Mont Blanc auf Skiern heruntergerast ist. Sechs Monate nach seinem Sturz trainierte der junge Miura wieder für seinen Everest-Altersrekord.

Rivale steht in Startlöchern

Der Jubel über seinen Weltrekord könnte allerdings von kurzer Dauer sein. Der 81-jährige Nepalese Min Bahadur Sherchan wartet bereits im Basecamp auf das Startsignal für seinen Aufstieg.

Der mittlerweile schwerhörige ehemalige Gurkha-Soldat ist ein alter Bekannter. Vor fünf Jahren hatte der Nepalese Miura den Titel des ältesten Everest-Bezwingers vor der Nase weggeschnappt.

„Meinem Vater ist das egal. Ihm geht es nur um seine eigene Herausforderung“, versucht Tochter Emili die Rivalität der Altherren-Bergsteiger herunterzuspielen.

Während Miuras Ehefrau hofft, dass seine Abenteuer nun ein Ende haben, glauben seine Bergsteigerkollegen nicht, dass Miura sich nun zur Ruhe setzt. Ihr betagter Freund werde sicher bald die nächste Expedition ankündigen, prophezeiten sie nach der Rekordmeldung im japanischen Fernsehen. Vielleicht für seinen 85. Geburtstag. yce

Von Susanne Steffen

Rubriklistenbild: © AP/dpa

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