Rekordverdächtig: 24.000 Jahre Knast

New York - Guatemala beginnt mit der Aufarbeitung grausamer Verbrechen, die Militärs während des Bürgerkrieges begingen. Mindestens 200.000 Menschen starben in der dunklen Zeit, jetzt wurden vier Elitesoldaten zu Höchststrafen verurteilt.

Für einen drei Jahrzehnte zurückliegenden Massenmord in Guatemala sind vier Ex-Militärs zu insgesamt 24 246 Jahren Haft verurteilt worden. Das berichtete die Tageszeitung “Prensa Libre“ am Mittwoch. Weitere Verfahren gegen Militärs in dem mittelamerikanischen Land stehen bevor, in dem bei einem Bürgerkrieg zwischen 1960 und 1996 mindestens 200 000 Menschen starben.

Die nun verurteilten Ex-Soldaten waren 1982 auf der Suche nach Guerilleros in das Dorf Las Dos Erres im nördlichen Department Petén eingedrungen. Dort töteten sie 201 Männer, Frauen und Kinder und warfen sie in einen Brunnen. Der Richter folgte mit der extrem hohen Haftstrafe im Wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Laut dem Strafgesetz in Guatemala müssen die Männer aber nur die Höchststrafe von 50 Jahren absitzen. Viele Angehörige der Opfer von 1982 brachen bei der Verkündung des Urteils in Tränen aus. “Ich spüre, dass die Gerechtigkeit gekommen ist“ sagte laut dem Zeitungsbericht Luis Saúl Arévalo, der in Las Dos Erres seine Eltern und vier Geschwister verlor. “Aber ich kann kein Glück empfinden, denn in diesem Ort sind die Menschen geblieben, die ich über alles liebe.“

Richterin Patricia Bustamante sagte am späten Dienstagabend (Ortszeit): “Das Massaker von Dos Erres war nachweislich eine militärische Strafe, weil die Armee irrtümlich glaubte, die Dorfbewohner seien Guerrilla-Kämpfer gewesen.“ Die Militärs hätten damals einen Präzedenzfall schaffen wollen, damit niemand mehr die subversiven Gruppen unterstütze, sagte Bustamante weiter.

Die vier Ex-Militärs wurden für jeden einzelnen der begangenen Morde mit 30 Jahren Gefängnis bestraft. Zusätzlich wurden sie für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt und erhielten eine weitere Haftstrafe von jeweils 30 Jahren. Der Oberleutnant der ehemaligen Soldaten, Carlos Carías, wurde außerdem wegen schweren Raubes zu weiteren sechs Jahren Haft verurteilt.

In Guatemala herrschte ab 1960 ein Bürgerkrieg, in dem das Militärregime vor allem die indigene Bevölkerung bekämpfte und zahlreiche Massaker anordnete. Bis 1996, als ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde, kamen dabei mindestens 200 000 Menschen ums Leben. Die juristische Aufarbeitung hatte erst im Jahr 2000 begonnen, als Nichtregierungsoranisationen den Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte anriefen. Nach diesem Prozess ist mit weiteren Klagen und Verfahren gegen frühere Militärs zu rechnen.

dpa

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