Erneuerbare Energien

Rentner entwickelt Windrad, das dreimal so viel Energie erzeugt wie herkömmliche Modelle

Der Ingenieur Horst Bendix arbeitet in seinem Ruhestand am Windrad der Zukunft.
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Der Ingenieur Horst Bendix arbeitet in seinem Ruhestand am Windrad der Zukunft.

In vier Jahren sollen 40 bis 45 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammen. Einen wichtigen Schritt könnte ein Rentner aus Sachsen zu dem Ziel beigetragen haben.

Leipzig - Im Alter genießen wohl die meisten Menschen ihren Ruhestand. Endlich kann man sich seine Zeit frei einteilen - der Ablauf wird nicht mehr vom Job bestimmt. Reisen, Unternehmungen mit der Familie, Hobbys nachgehen - man kann den Tag mit all dem füllen, das im Arbeitsleben möglicherweise zu kurz gekommen ist. Manche Menschen lässt ihr Beruf jedoch auch im hohen Alter nicht los und sie beschäftigen sich weiter mit ihrem Steckenpferd, so wie Horst Bendix aus Leipzig. Auch mit 92 Jahren arbeitet der Ingenieur noch an Innovationen.

Bendix hat sich in seinem Ruhestand, den er seit 1995 genießt, der Windkraft angenommen - eine in Deutschland zwar weit verbreitete, aber auch umstrittene Form der Energiegewinnung. Windenergie gilt als günstig und wenig umweltschädlich. Laut Umweltbundesamt haben sich Windenergieanlagen „bereits nach etwa drei bis sieben Monaten energetisch amortisiert“, sie haben also so viel Energie produziert, wie es für Herstellung, Betrieb und Entsorgung braucht. Windenergie sei die „tragende Säule der Energiewende“. Laut dem Eneuerbare-Energien-Gesetz soll unser Strom bis 2025 zu 40 bis 45 Prozent aus erneuerbaren Energien wie der Windkraft stammen.

Super-Windrad aus Sachsen: „Das ist pures Geld“

Kritik gibt es allerdings auch: Die Windräder werden häufig in idyllischen Landschaften als optisch störend empfunden. Anwohner klagen über schlechten Schlaf aufgrund der Lautstärke. Auch Tiere verlieren durch die Anlagen ihren Lebensraum. Häufig kommt es aus unterschiedlichen Gründen dazu, dass Gerichte die Genehmigung eines Windparks kippen*, obwohl schon Flächen dafür gerodet wurden - wie etwa Anfang 2021 im hessischen Langenthal. Probleme, die womöglich immerhin etwas eingedämmt werden könnten, wenn es Windanlagen nach dem Entwurf von Horst Bendix gäbe - denn dann bräuchte es weniger Anlagen.

Der Ingenieur Horst Bendix aus Leipizig arbeitet auch mit über 90 Jahren noch an der Entwicklung seiner Ideen.

Denn bei der Anlage, die Bendix sich bereits hat patentieren lassen, handelt es sich um ein Höhenwindrad. Der Rotor mit den Rotorblättern, über die die Windenergie erzeugt wird, befinden sich in höheren Ebenen als bei herkömmlichen Anlagen. Bis zu 300 Meter könnten sie in den Himmel ragen. Für gewöhnlich bleiben die Anlagen in Deutschland bislang deutlich unter 200 Metern Nabenhöhe. Allerdings sind Höhenwinde stärker und konstanter, wodurch sich mit einer Anlage mehr Wind „ernten“ ließe - die Energiegewinnung wäre auf diesem Weg also effizienter. „Der Nutzen ist der höhere Energieertrag. Das ist pures Geld“, sagte Bendix gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR).

Ingenieur im Ruhestand arbeitet an dreibeinigem Windrad

Das sieht auch Windenergie-Experte Falk Zeuner von Terrawatt GmbH so, wie der MDR berichtet: „Mit so einer großen Anlage in so großer Nabenhöhe kann ich jenseits von 20 bis 30 Gigawattstunden pro Jahr ernten. Mit einer herkömmlichen zum Beispiel zehn.“ Zeuner ist Elektro-Ingenieur und plant und baut weltweit Windparks. Ein 140 Meter hohes Windrad in einem Windpark bei Leipzig erzeugt ihm zufolge 20 Gigawattstunden Strom, was einem jährlichen Verbrauch von 6000 Drei-Personen-Haushalten entspreche. Mit einem Höhenwindrad nach Bendix‘ Entwurf könnten dagegen 18.000 solcher Haushalte versorgt werden.

Aber wenn sich mit höheren Windrädern so viel effizienter Energie gewinnen ließe, warum werden sie nicht längst aufgestellt? Die Antwort liegt schlichtweg in der Physik. Herkömmliche Windanlagen bestehen aus einem Turm, der auf einem Fundament unter der Erde fußt. Nach oben hin wird der Turm schmaler und ganz oben befindet sich eine drehbare Gondel mit der Rotornabe, an der die Rotorblätter sitzen. Der Stromgenerator ist in der Gondel eingebaut. Je höher der Turm, desto stärker der Wind - und damit die sogenannten Biegekräfte, denen der Turm widerstehen muss, damit er nicht wackelt. Durch starke Biegekräfte kann die Anlage instabil werden und es können Schäden am Material entstehen.

Biegekräfte: Entwurf von Rentner aus Sachsen löst großes Problem

Damit die Anlage den Biegekräften gewachsen ist, hat Ingenieur Bendix ihr in seinem Entwurf zwei Stützsäulen verpasst. Somit steht sie auf drei Beinen, was für mehr Stabilität sorgt. Eine weitere entscheidende Änderung: Der Stromgenerator befindet sich nicht oben in der Gondel, sondern sitzt - in mehrfacher Ausführung - im unteren Teil der Anlage. Dorthin wird die Windenergie von oben über ein Riemensystem geleitet, wie Bendix gegenüber dem MDR erklärt. Der gesamte Turm soll sich mit der Windrichtung drehen.

Noch gibt es zwar keinen Prototypen der Anlage, jedoch wünscht sich Bendix, dass er den Beweis, dass seine Idee funktioniert, noch selbst miterleben kann, wie er gegenüber dem MDR sagte. (ial) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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