Drama um Rosemarie F.

Rentnerin (67) stirbt nach Zwangsräumung

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Zwei Tage nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung ist Rentnerin Rosemarie F. (67) in einer Berliner Notunterkunft gestorben. Auf Facebook ruft ein Aktionsbündnis nun zu einem Trauermarsch auf.

Berlin - Drama in Berlin: Zwei Tage nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung ist Rentnerin Rosemarie F. (67) in einer Notunterkunft gestorben. Eine Hilfsorganistion erhebt nun schwere Vorwürfe.

Nach der Zwangsräumung am Dienstag, bei der 140 Polizisten im Einsatz waren, hatte die Rentnerin ein kleines Zimmer in einer Notunterkunft der Kälte-Nothilfe bezogen. Wie die Hilfsorganisation mitteilt, sei Rosemarie F. am Donnerstag gegen 18 Uhr gestorben . Demnach konnte sie dem Stress nicht mehr standhalten. Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache klären.

Der Initiator der Kälte-Nothilfe, Zoltan Grasshoff, erhebt in einem Youtube-Video schwere Vorwürfe: "Für mich ist das Mord durch die Staatsgewalt ." Rosemarie habe in den Tagen nach der Räumung erheblich abgebaut. Grasshoff berichtet: "Als ich gestern mit ihr 500 Meter spazieren war, hat sie sich fünf Mal erbrochen. Wir haben für diese 500 Meter mindestens eine halbe Stunde gebraucht."

Für Freitagabend ruft die Facebook-Seite"Berlin auf die Straße" zu einem Trauermarsch für Rosemarie F. auf.

Studie: Diese Jobs bringen weniger als Hartz IV

Die 1,9 Prozent Geringverdiener in der Werbebranche und in der Marktforschung bekommen ein monatliches Nettogehalt von 1268 Euro, mit Kindergeld 1636 Euro. Als Hartz IV-Empfänger würden sie 17 Euro mehr bekommen. © dpa
In Callcentern arbeiten 13,1 Prozent Geringverdiener. Sie verdienen Brutto 1574 Euro ohne Kindergeld. Netto bleiben ihnen 1256 Euro - das sind 29 weniger als Hartz IV. © dpa
In der Rechtsberatungs-Branche sind 1,1 Prozent Geringverdiener beschäftigt. Ihr Bruttogehalt liegt bei 1552 Euro. Netto bleiben ihnen 1238 Euro - das sind 47 Euro weniger als Hartz IV. © dpa
Im Gartenbau und bei Gebäudebetreuung arbeiten 33,4 Prozent Geringverdiener. Sie bekommen monatlich 1535 Euro brutto. Netto bleiben ihnen 60 Euro weniger als mit Hartz IV. © dpa
Die Gastronomie beschäftigt 20,5 Prozent Geringverdiener. Durchschnittlich verdienen sie 1474 Euro brutto. Netto bleiben ihnen 1176 Euro und somit 109 Euro weniger als mit Arbeitslosengeld II. © dpa
Auch in der Hotelbranche sieht es nicht besser aus: Zwar zählen nur 9,5 Prozent zu den Geringverdienern, doch die verdienen satte 188 Euro weniger als Hartz IV-Empfänger. © dpa
Am schlechtesten bezahlt wird Zeitarbeit. In diesem Sektor werden 31,5 Prozent Geringverdiener beschäftigt. Ist man verheiratet, Alleinverdiener und hat zwei Kinder, bleiben netto 1007 Euro übrig. Das sind 278 Euro weniger als mit Hartz IV. © dpa
Es gibt auch Jobs, bei denen das Einkommen nur knapp über dem Arbeitslosengeld liegt. Dazu gehören Berufe wie Schlachter und Menschen, die Fleisch verarbeiten. 22,8 Prozent sind Geringverdiener und bekommen 1379 Euro. Als Hartz IV-Empfänger stünden ihnen 94 Euro weniger zu.  © dpa
Noch schlechter verdienen Beschäftigte von Wach- und Sicherheitsdiensten. Sie arbeiten für 1379 Euro netto - das sind 79 Euro mehr als Hartz IV. © dpa
Angestellte des Einzelhandels arbeiten für 1331 Euro netto im Monat. Als Hartz IV-Empfänger bekämen sie 46 Euro weniger. © dpa
Die 0,9 Prozent Geringverdiener in der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsbranche bekommen netto 1321 Euro. Mit Hartz IV wären es auch nur 36 Euro weniger. © dpa
Auch unter Erziehern und Lehrern gibt es Geringverdiener - 0,8 Prozent. Ihr Nettogehalt beläuft sich auf 1319 Euro. Als Hartz IV-Empänger bekämen sie nur 35 Euro weniger. © dpa
Die 8,5 Prozent Geringverdiener in Pflegeheimen verdienen nur 18 Euro mehr als als Hartz IV-Empfänger. © dpa

Der Streit um die Zwangsräumung schwelte schon seit mehreren Monaten. Wie die "Berliner Zeitung" berichtet, bewohnte die Rentnerin eine Eineinhalb-Zimmer-Wohnung und hatte längere Zeit die Miete in Höhe von monatlich 350 Euro nicht bezahlt. Bei der Auseinandersetzung um die Zwangsräumung ging es nicht nur um Mietschulden. Die Wohnungseigentümerin warf der schwerbehinderten Rentnerin vor, Gasleitungen in dem Haus manipuliert zu haben, sie soll Feuer gelegt und andere Mieter belästigt haben.

Rosemarie F. hatte sich immer gegen diese Vorwürfe gewehrt. Hilfsangebote nahm sie angeblich nicht an. Ein Gespräch mit dem sozialpsychiatrischen Dienst ihres Berliner Bezirks soll sie abgelehnt haben. "Wir haben ihr geschrieben, haben versucht, sie telefonisch zu erreichen. Mitarbeiter waren auch vor Ort", hatte der Gesundheitsstadtrat von Reinickendorf, Uwe Brockhausen (SPD), im Zusammenhang mit der Zwangsräumung der Berliner Zeitung gesagt.

fro 

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