Schon Tausende Kilometer zurückgelegt

Roboter trampt durch Kanada – Entwicklerin studierte in Kassel

+
Unterwegs durch Kanada: Roboter „HitchBot“ trampt derzeit 7000 Kilometer durch das Land und wird von Autofahrern mitgenommen. Foto: Ryerson University/dpa

Toronto. Es dürfte der seltsamste Anhalter auf Kanadas Straßen sein: ein buntes Konstrukt aus Schwimmnudeln, Gummistiefeln, Handschuhen, einem Eimer und einer Kuchenhaube. „HitchBot", Kunstprojekt und Roboter, fährt derzeit per Anhalter quer durch Kanada.

Rund 7000 Kilometer sind es von Halifax ganz im Osten des Landes bis Vancouver Island im Westen. Er sei der erste trampende Roboter überhaupt, sagen die Erfinder über das skurrile Kerlchen. Über Mikrofon, Kamera und Lautsprecher kann „HitchBot“ mit der Außenwelt in Kontakt treten und mit Menschen sprechen.

Alle Infos zu „HitchBot“: 

http://www.hitchbot.me

Seit zwei Wochen ist „HitchBot“ nun unterwegs und hat etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Das berichtete gestern seine Erfinderin, die Deutsche Frauke Zeller, von der Ryerson Universität in Toronto der Nachrichtenagentur dpa. Nach HNA-Recherchen hat Zeller von 1994 bis 1999 an der Universität Kassel Englisch, Spanisch und Wirtschaft studiert und verfasste ihre Doktorarbeit mit dem Thema „Mensch-Roboter-Interaktion: Eine sprachwissenschaftliche Perspektive“ von 2000 bis 2004 in Nordhessen. Seit Oktober 2013 lebt und arbeitet sie in Toronto.

Laut Zeller hat der Roboter auf seiner Reise schon einige Abenteuer erlebt: Neben Mädchen und Hund quetschte er sich auf die Rückbank, eine Frau schnallte ihn auf den Beifahrersitz und brachte ihn nach Toronto und mit einem Ehepaar übernachtete er sogar in einem Wohnwagen.

Zeller hatte den kleinkindgroßen Roboter gemeinsam mit ihrem Kollegen David Smith und einem Team von Wissenschaftlern erdacht und gebaut. Ende Juli hatten sie den „HitchBot“ an einer Autobahn nahe der ostkanadischen Stadt Halifax ausgesetzt. Das Ganze ist als Kunstprojekt gedacht. Es soll zu Diskussionen über das Trampen und die Interaktion zwischen Mensch und Roboter anregen.

Die Entwicklerin: Frauke Zeller

Die ersten Wochen der ungewöhnlichen Reise, von der niemand vorhersagen kann, wie lange sie noch dauern wird, verliefen vielversprechend. Zahlreiche Menschen haben „HitchBot“ ein Stück mitgenommen. „Es war schön, dich kennenzulernen“, schrieb ein Weggefährte beim Kurznachrichtendienst Twitter. Im Internet hat sich das kleine Kerlchen längst zum Star entwickelt. Rund 60 000 Nutzer verfolgen seine Reise bei Twitter und Facebook - und die Zahl steigt täglich. (dpa/jbg)

Hintergrund:

So funktioniert der Roboter 

Aus Schaumstoff-Schwimmnudeln, Gummistiefeln, Handschuhen, einem großen Eimer und einer Kuchenhaube wurde der Roboter unter anderem zusammengebaut. Das Gesicht besteht aus einem LED-Smiley, im Inneren steckt ein Tabletcomputer. Betrieben wird der Roboter mit Solarzellen, kann aber auch per Kabel an eine Steckdose oder den Zigarettenanzünder im Auto angeschlossen werden. Auf der Rückseite findet sich eine Betriebsanleitung.

Der „HitchBot“, der per GPS regelmäßig seinen Aufenthaltsort funkt, spricht mit einer Stimme ähnlich der eines Navigationsgerätes, verfügt über eine Spracherkennung und eine Schnittstelle zu Wikipedia - und soll sich so fast wie ein normaler Anhalter mit seinen Mitfahrern unterhalten. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.