Rocker-Krieg eskaliert

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In Dusiburg kocht ein Konflikt unter den rivalisierenden Rockergruppen "Bandidos" und "Hells Angels".

Duisburg - Splitterndes Mobiliar, Schüsse in der Nacht, eine Handgranate als Warnung: Nach dem Mord an einem Mitglied der Rockergruppe “Bandidos“ in Duisburg ist der Konflikt mit den rivalisierenden “Hells Angels“ am Wochenende eskaliert.

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Die nordrhein-westfälische Landesregierung kündigte daraufhin am Montag ein verstärktes Vorgehen gegen die Rocker an, die Duisburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Landfriedensbruchs. Rocker der “Bandidos“ hatten am Samstag in Duisburg versucht, ein von den “Hells Angels“ betriebenes Bordell zu stürmen, waren aber an der Polizei gescheitert.

Die “Hells Angels“ zertrümmerten daraufhin wenige hundert Meter entfernt das Duisburger Vereinslokal der “Bandidos“ mit Baseballschlägern. Als die Polizei mit einem größeren Aufgebot eintraf, waren die “Höllenengel“ bereits auf dem Rückzug. Stunden später schossen Unbekannte mit scharfer Munition auf ein “Hells Angels“-Clubhaus in Solingen und schleuderten eine Handgranate ohne Sprengstoff durch ein offenes Fenster im ersten Stock.

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

Hells Angels
Wer sie nicht kennt: Die Hells Angels sind ein Rocker- und Motorradclub, dessen Mitglieder öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. © dpa
Hells Angels
Die Werte der „Höllenengel“ lauten Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit. © dpa
Hells Angels
Gegründet wurde der Club 1948 in Kalifornien. © dpa
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß.
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß. © dpa
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag.
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag. © dpa
Hells Angels
Vor einem Treffen werden zwei Hells Angels von der Polizei durchsucht. © dpa
Hells Angels
Ein Rocker macht mit seinem Motorrad den „Burn out“. © dpa
Hells Angels
Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
Hells Angels
Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
Hells Angels
Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Europatreffen der Hells Angels mit Kaffeefahrt: Die Mitglieder sitzen in einem Boot, einem so genannten "Auswanderer", um zu der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer überzusetzen. Dort gibt es erst Kaffee und Kuchen. Anschließend beginnt eine Party. © dpa
Hells Angels
Rund 1500 Mitglieder waren mit ihrem Motorrädern zum Europatreffen gekommen. Dafür ist extra ein Gelände in einem Industriegebiet angemietet worden. © dpa
Hells Angels
Hells Angels © dpa
Hells Angels
Eine Kutte der Hells Angels und bei einer Razzia beschlagnahmte Waffen in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums in Kassel. © dpa
Hells Angels
Nach einer Gerichtsverhandlung haben sich Mitglieder der früher verfeindeten Rockergruppen Bandidos und Hells Angels eine Schlägerei geliefert. Die Polizei hat einige von ihenn verhaftet. © dpa
Hells Angels
Nach der Schlägerei auf offener Straße wurde dieses Mitglied der Hells Angels verhaftet. © dpa
Hells Angels
Hells Angels auf ihren schweren Maschinen. © dpa
Hells Angels
Ein festgenommener Rocker. © dpa
Hells Angels
Die „Kutte“ der Hells Angels. © dpa

Die Antwort ließ erneut nicht lange auf sich warten: In Essen wurde kurz darauf ein Lokal der “Bandidos“ unter Beschuss genommen. Vor drei Wochen war ein “Bandidos“-Mitglied in Duisburg erschossen worden. Der Tatverdächtige gilt als “Hells Angels“-Sympathisant. “Wir dulden in Nordrhein-Westfalen keine rechtsfreien Räume und keine Selbstjustiz“, sagte NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Landesregierung will nun gezielt gegen die Rocker vorgehen. Ermittlungen und Einsätze in dem Milieu sollen künftig zentral aus Münster gesteuert werden. Die CDU-Landtagsfraktion forderte am Montag, sofort ein Verbot der Rockergruppen zu prüfen. Wolf äußerte sich aber skeptisch über die Wirksamkeit lokaler Verbote der Rockergruppen. “Reflexhafte Verbotsforderungen helfen nicht weiter“, sagte er.

So hätten sich die “Hells Angels“ nach ihrem Verbot 2001 in Düsseldorf an anderem Ort unter anderem Namen schnell wieder zusammengefunden. “Das hat nicht den erhofften Erfolg gehabt.“ Für ein bundesweites Verbot sei das Bundesinnenministerium zuständig. Die Polizei geht von handfesten wirtschaftliche Interessen hinter dem Rocker-Krieg aus. “Wir vermuten schon, dass es da um Gebietsansprüche und um Marktanteile geht“, sagte Thomas Jungbluth, Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf, dem Radiosender WDR 5.

Die Art der Brutalität und der gewaltsamen Auseinandersetzungen seien ein deutliches Indiz dafür. Die Ermittlungsverfahren der vergangenen Jahre zeigten, dass die Rockerbanden nicht nur durch Gewalt auffallen, sondern auch durch Drogenhandel, Waffenbesitz und Aktivitäten im Rotlichtmilieu sowie in der Türsteher-Szene. Nach LKA-Angaben sind die “Hells Angels“ in NRW in sieben “Chartern“ organisiert und haben 150 Mitglieder. Die “Bandidos“ kommen mit ihren 16 “Chaptern“ auf 200 Mitglieder.

Frank Christiansen

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