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Angespannte Situation in Kinderkliniken: Maske als „wichtiger Grund für aktuelle Krise“?

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Die Situation für Kinder ist aufgrund des grassierenden RS-Virus gefährlich – und das bereits am Beginn der Erkältungssaison. Ist die Maske Teil der Lösung oder Teil des Problems?

Berlin – Die Situation in Deutschlands Kinderkliniken ist angespannt, viele Kinderstationen sind bereits voll und können keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Der Grund dafür ist eine enorme Welle an Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), die auf den Personalmangel im Gesundheitswesen trifft, wie merkur.de berichtet. Kinderärztepräsident Thomas Fischbach warnt, dass der Höhepunkt der Infektionswelle noch bevorsteht – und sieht eine Maskenpflicht nicht als Lösung, sondern als Teil des Problems.

Erst der Beginn der Erkältungssaison: „Spitze der Infektionswelle steht noch vor uns“

Kinderärztepräsident Thomas Fischbach befürchtet eine Verschärfung der angespannten Lage in den Kinderkliniken. „Wir sind in einer gefährlichen Situation für die Kinder, besonders für die Kleinsten“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) angesichts der wegen Atemwegserkrankungen überfüllten Arztpraxen und Kinderkliniken der Neuen Osnabrücker Zeitung. Viele Kinderarztpraxen und Kinderstationen sind aktuell extrem überfüllt. Aus Sicht des Kinderärztepräsidenten könnte es noch schlimmer kommen: „Denn normalerweise stehen wir Anfang Dezember erst am Beginn der Erkältungssaison. Die Spitze der Infektionswelle steht also noch vor uns.“

Eine Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) kann vor allem für Babys gefährlich sein. „Besonders die Kleinen leiden oft schwer, bis hin zu Atemnot und Sauerstoffunterversorgung“, so der Mediziner weiter. „Sogar Neugeborene mit RSV-Infektion rauschen manchmal regelrecht ab, weil sie nicht genug Luft bekommen und in Kliniken dann mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Bei Corona-Infektionen bei Kindern haben wir das nicht gesehen.“

Maskenpflicht nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems?

Eine Rückkehr der Maskenpflicht für Kinder und Eltern sieht Kinderärztepräsident Fischbach indes nicht als die Lösung. Im Gegenteil: „Der Schrei nach Masken ist der übliche Reflex der Politik. Dabei ist die Maskenpflicht der zurückliegenden zwei Jahre ja ein wichtiger Grund für die aktuelle Krise“, so der Mediziner. Denn wegen der Masken seien weder die Immunsysteme der Kinder noch der Eltern trainiert worden.

Andere Experten wie etwa der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, wiesen diese Ansicht in der Vergangenheit allerdings zurück. „Das Immunsystem ist kein Muskel: Es bildet sich nicht zurück, wenn es nicht oder weniger gebraucht wird“, erklärte Watzl bereits im Juli der dpa. Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprach sich am Dienstag gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung weiterhin für eine Isolation von Corona-Infizierten und für das Tragen von Masken aus.

Kinderärztepräsident bezeichnet Karl Lauterbachs Lösungsvorschlag als „irrwitzig“

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), Pflegekräfte aus dem Erwachsenenbereich zur Unterstützung in der Pädiatrie einzusetzen, nannte Fischbach „irrwitzig“. Die Krise ließe sich aus seiner Sicht mit einer „Befreiung von der Attestpflicht für Kita- und Schulkinder bei milden Atemwegserkrankungen“ zumindest entschärfen.

Ähnlich kritisch äußerte sich der Deutsche Pflegerat (DPR) zum Vorschlag Lauterbachs. „Das kann man nur als Verzweiflungstat bezeichnen“, sagte DPR-Präsidentin Christine Vogler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „In den Kliniken kann bereits jetzt nur die Minimalversorgung gesichert werden. Wir haben keine Station mehr, wo man Pflegepersonal abziehen kann.“ Pflegekräften aus anderen klinischen Abteilungen hätten auch nicht automatisch die Qualifikation zu Versorgung im pädiatrischen Intensivbereich.

Angesichts des Fachkräftemangels in Sozial- und Pflegeberufen plädierte Vogler auch für ein verpflichtendes soziales Gesellschaftsjahr für alle Schulabgänger in Deutschland. „Wir müssen als Gesellschaft wieder zusammenrücken und lernen, dass wir uns im Sozialsystem wieder verstärkt den Kranken, den Kindern und Schwachen widmen müssen“, so Vogler weiter (AFP/dpa/bme).

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