Empörung wegen eines Fotos

Sänger Patrick Lindner von Shitstorm überrollt

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Löste auf Facebook Empörung aus: Patrick Lindner beim Holocaust-Denkmal.

Berlin. Der Schlagersänger Patrick Lindner hat ein Foto auf Facebook veröffentlich, auf dem er in lockerer Pose beim Holocaust-Denkmal in Berlin posiert. Das löste eine Welle der Empörung aus.

So heftige Kritik ist einem Schlagerstar schon lange nicht mehr um die Ohren geflogen: Patrick Lindner bekam es gestern mit einem Shitstorm zu tun, einer Empörungswelle der Netzgemeinde.

Lindner hatte im sozialen Netzwerk Facebook ein Foto veröffentlicht, das ihn beim Holocaust-Mahnmal in Berlin zeigt. Statt nachdenklich und besonnen zu sein, hockt Lindner darauf in entspannter Pose zwischen zwei Stelen des Mahnmals. Er lächelt und trägt eine große Sonnenbrille.

Für viele Surfer im Netz war dieses Bild angesichts der historischen Bedeutung des Denkmals eine Geschmacklosigkeit. Ihren Unmut äußerten sie in vielen Kommentaren, die sie unter das Bild schrieben. „Die Opfer des Faschismus werden mit Füßen getreten. Ich bin erstaunt und zugleich entsetzt, wie viel Einfalt und Gedankenlosigkeit jener Heile-Welt-Sänger an den Tag legt“, schrieb eine Nutzerin.

Ein anderer Nutzer mahnte, dass die Stelen Gräber symbolisieren sollen, und fragte, ob Lindner auch mit den Gräbern seiner Angehörigen so umgehe. In einem anderen Kommentar wurde darauf verwiesen, dass man an solch einem Ort keinen „legeren Schnappschuß mit Sonnenbrille“ von sich machen lasse.

Einige Facebook-Nutzer nahmen den Sänger aber auch in Schutz: Es sei alles übertrieben. Auch andere Touristen würden sich an dem Ort daneben benehmen. Nur weil Lindner ein Promi ist, werde er angegriffen, kommentierte ein Nutzer.

Nachdem die Empörung hochgekocht war, löschte Lindner das umstrittene Foto von seiner Facebook-Seite. Stattdessen steht dort nun eine Erklärung. Das Foto sei bei einem Familienausflug entstanden, an einem Ort, an dem täglich tausende Menschen sind. Er habe das als Gruß an seine Fans und Freunde veröffentlicht. Dass es solch eine Hysterie auslösen könnte, sei ihm unklar gewesen. Es sei im nicht in den Sinn gekommen, das Gedenken der Opfer mit Füßen zu treten, wie ihm „absurderweise“ vorgeworfen werde. Er lehne diese Vorwürfe ab.

Es habe ihn schockiert, dass Menschen persönlich beleidigt werden, schreibt Lindner. Er habe das Foto daraufhin gelöscht, um beleidigenden Kommentaren keine Plattform zu bieten.

Unter diesen Text verlinkte er ein Interview, das die Berliner Morgenpost mit Peter Eisenman, dem Architekten, der das Mahnmal entworfen hatte. Dieser sagt darin, dass es ihn nicht störe, wenn Kinder auf dem Denkmalgelände spielen oder dort sogar Kondome zu finden sind. Er habe eine öffentliche Erinnerung schaffen wollen, die Bürger besuchen könnten, ohne sich schuldig zu fühlen.

Auch diese Meldung Lindners kommentierten die Nutzer. Auffällig dabei war, dass nach etwa zwei Stunden ausschließlich positive Äußerungen unter dem Text standen. (ema)

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