Filmte der Toulouse-Attentäter die kaltblütige Tat?

Paris/Toulouse - In Frankreich wird mit Hochdruck nach dem Attentäter gefahndet, der vier Menschen an einer jüdischen Schule in Toulouse erschossen hat.

Der Anschlag auf eine jüdische Schule in Toulouse mit vier Toten ist vom Attentäter möglicherweise gefilmt worden. Wie der französische Innenminister Claude Guéant am Dienstag mitteilte, trug der Mann “auf seiner blutigen Brust eine Art Kamera“, als er auf die Kinder schoss. Auf die Frage, ob der Täter die Szene aufgezeichnet habe, sagte Guéant: “Das können wir uns vorstellen.“ Den Angaben zufolge durchsuchen die Behörden das Internet nach einem entsprechenden Video. Bisher seien jedoch keine Spuren entdeckt worden, hieß es.

Ein Unbekannter hatte am Montag vier Menschen an einer jüdischen Schule in Toulouse erschossen. Über die Motive und die Identität des Serientäters bestehe noch immer Unklarheit, sagte Innenminister Claude Guéant. “Wir wissen bis heute nicht, wer er ist; soweit sind wir noch nicht“, zitierte die Nachrichtenagentur AFP den Minister am Dienstag. Der Täter habe eine “kleine Kamera“ am Hals getragen, berichtete Guéant unter Berufung auf Augenzeugen.

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Die Schüsse kamen aus derselben Waffe, mit der in der vergangenen Woche drei Soldaten getötet und einer schwer verletzt worden waren - ebenfalls in Toulouse und in der etwa 50 Kilometer entfernten Gemeinde Montauban.

Drei der Soldaten hatten Wurzeln in Nordafrika, einer war ein Schwarzer. Jedes Mal beschrieben Zeugen den Täter als einen schwarz gekleideten Mann, der auf einem Motorroller geflüchtet war.

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Am Dienstag soll der Opfer bei einer Schweigeminute um 11.00 Uhr in allen Schulen gedacht werden. Mehr als 1000 Menschen kamen an Montagabend zu einer Feier in eine Pariser Synagoge. Eine Demonstration von mehreren tausend Trauernden, die der Verband jüdischer Studenten in Frankreich organisiert hatte, führte vom Platz der Republik zur Bastille.

Frankreich unter Schock: Schießerei vor jüdischer Schule

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Wegen des Anschlags unterbrachen die Parteien vorübergehend den Präsidentschaftswahlkampf. Sarkozy reiste noch am Vormittag nach Toulouse. Auch Hollande sagte alle Parteitermine ab und informierte sich am Nachmittag am Tatort.

Sarkozy sprach von einer nationalen Tragödie. Nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts im Élysée am Abend verhängte er die höchste Terror-Alarmstufe für die Region. Alle jüdischen und muslimischen Einrichtungen werden nun besonders gesichert.

Vor Beginn des Unterrichts hatte der Täter am Montagmorgen vor der Ozar-Hatorah-Schule auf einen 30-jähriger Religionslehrer und seine beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren geschossen, wie Staatsanwalt Michel Valet mitteilte. Das dritte Opfer war nach den Angaben zehn Jahre alt. Ein 17-Jähriger wurde schwer verletzt. Nach unbestätigten Berichten schoss er aus zwei Waffen und verfolgte Kinder bis aufs Schulgelände.

Angst vor weiteren Anschlägen

Die Tat gilt als einer der mörderischsten Anschläge auf eine jüdische Einrichtung seit drei Jahrzehnten, als ein Überfallkommando im jüdischen Viertel in Paris in der Rue des Rosiers in einem Restaurant sechs Menschen tötete.

Die Anschläge bringen das Thema Innere Sicherheit im laufenden Präsidentenwahlkampf nach oben auf die Tagesordnung. Sarkozy hatte zuletzt rechtspopulistische Töne angeschlagen und vor zu vielen Ausländern im Land gewarnt.

Innenminister Claude Guéant verurteilte die Tat nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP als antisemitisch. Er will die Ermittlungen zunächst vor Ort koordinieren.

In der Region geht nun die Angst vor weiteren Anschlägen um. Der Bürgermeister von Toulouse, Pierre Cohen, verwies im TV-Nachrichtensender BFM auf die Kaltblütigkeit des Täters. “Wir sind extrem beunruhigt“, sagte er.

Vertreter jüdischer Gemeinden und der jüdische Weltkongress äußerten sich schockiert. Das israelische Außenministerium sprach von Entsetzen über die Nachrichten. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Außenminister Guido Westerwelle verurteilten den Anschlag. Regierungssprecher Steffen Seibert teilte am späten Montagabend mit, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Sarkozy ihr Mitgefühl nach dem Anschlag von Toulouse und den Soldatenmorden übermittelt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tat scharf und sprach den Familien der Opfer und der jüdische Gemeinschaft sein tiefes Beileid aus.

dpa/ap

Rubriklistenbild: © dapd

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