Überblick, was der eine Tag mehr bedeutet

Der 29. Februar - ein Fest für Statistiker

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Hat, wer an einem 29. Februar geboren ist, Pech gehabt, weil er seinen Geburtstag nur alle vier Jahre feiern kann? Bleibt er - oder sie - länger jung? Und was bedeutet ein Schaltjahr für die Wirtschaft? Ein Überblick aus gegebenem Anlass.

Rechenfreunden dürfte der letzte Februartag in diesem Jahr wieder einmal Spaß machen. Denn 29. Februar, das bedeutet: 2016 ist ein Schaltjahr, Geburtstagskinder können nur alle vier Jahre an einem 29. Februar Geburtstag feiern. Bleiben sie jünger als andere? Und überhaupt: Sollten wir alle nicht mehr Geld in diesem Monat verdienen, da wir doch einen Tag mehr arbeiten als sonst? Wie beeinflusst so ein Schaltjahr eigentlich die Wirtschaft?

Seltener Geburtstag

Abertausende haben heute Geburtstag, wie viele genau, weiß niemand. Laut Statistischem Bundesamt werden in Deutschland jeden Tag 1800 bis 2000 Kinder geboren. Wie und wann gefeiert wird, entscheidet jeder Betroffene natürlich selbst. Dass man aber auch als Kind eines Schaltjahres Jahr für Jahr älter wird, merkt man, tja, wenn man älter wird. Und das merkt man irgendwann auch öfter als nur einmal im Jahr. Weswegen man mit zunehmendem Alter gern auch über anderes nachdenkt, zum Beispiel:

Mehr Geld

Der eine oder andere Arbeitnehmer dürfte an einem 29. Februar nachdenklich werden. Arbeiten wir in diesem besonderen Monat nicht einen Tag länger als sonst? Dem Chef dürfte auch ohne Blick in den Arbeitsvertrag das Gegenargument schnell einfallen: Nicht die Zeit verändert sich, sondern nur unser System, sie zu beschreiben. Dieses passt sich wohlweislich über die längere Strecke dem natürlichen Verlauf an. Ein Monat hat in unserem Kalender minimal 17 Arbeitstage, maximal 23. Was eine Sprecherin des Statistischen Bundesamts auf Anfrage übrigens bestätigt.

Die Zahl der Arbeitstage pro Jahr schwankt geringer als die Zahl der Arbeitstage pro Monat, im Jahr nämlich nur um vier Tage, zwischen 248 und 252. Aber wächst nicht die Wirtschaft stärker, da wir doch in einem Schaltjahr einen Kalendertag mehr arbeiten?

Wirtschaftswachstum

Wieder das Bundesamt für Statistik: Ja, sagt eine Sprecherin, das Messen des Kalendereffekts und daher auch des Schaltjahreseffekts auf das Wirtschaftswachstum beispielsweise eines Quartals gehört zum täglich Brot der Statistiker. Aber: Unter dem Strich gleicht sich eben alles aus: So wird der Kalendereffekt des 29. Februars den Statistikern zufolge allein schon im ersten Quartal 2016 dadurch mehr als relativiert, dass Januar und März im Vergleich zum Vorjahr jeweils einen Arbeitstag weniger haben. Ein Arbeitstag wirkt sich in der Berechnung der Statistiker mit etwa 0,3 Prozent bei der Wirtschaftsleistung in diesem Quartal aus.

Im Schaltjahr 2004 lagen auch die Feiertage arbeitgeberfreundlich. Deswegen hatte das Jahr den größten Kalendereffekt seit der Wiedervereinigung. In dem Jahr machte der Kalendereffekt 0,5 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums von 1,2 Prozent aus. Ein Fest, jedenfalls für Statistiker.

Hintergrund: So funktioniert ein Schaltjahr

Die Erde kreist in einem Jahr einmal um die Sonne. In Wirklichkeit aber braucht sie dafür etwas länger als jene 365 Tage, nach denen ein Jahr in unserem Kalender üblicherweise endet, nämlich 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Deswegen verläuft unser kalendarisches Jahr in Wirklichkeit etwas schneller als das astronomische Jahr, das eigentliche. Mehr noch: Dieses Sonnenjahr ist unsere natürliche, weil sinnlich wahrnehmbare Bezugsgröße. Um nicht aus dem Rhythmus zu fallen, fügten schon die Römer alle vier Jahre einen Tag hinzu - den Schalttag.

Bei Schaltjahren wird bei uns der 29. Februar als zusätzlicher Tag eingefügt. So hat das Jahr 2016 nicht 365, sondern 366 Tage. Weil das alle vier Jahre so ist, sind alle durch 4 teilbaren Jahre Schaltjahre.

Eine Ausnahme bilden durch 100 teilbare Jahre; dann gibt es wegen der möglichst exakten Anpassung an den Sonnenrhythmus ausnahmsweise keinen Schalttag. Die Ausnahme von der Ausnahme: Wenn das Jahr wieder durch 400 teilbar ist, wird entgegen der Hunderter-Regel ein Schalttag eingefügt. Das Jahr 1900 war deswegen kein Schaltjahr, das Jahr 2000 schon.

Das sagt Georg Christoph Lichtenberg

Sein Witz, sein Charme, seine geistreichen Sinnsprüche („Aphorismen“) über alles und jeden machten den Göttinger Mathematiker, Physiker und Astronomen Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) unvergesslich. Sätze wie „Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung“ oder „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?“ notierte Lichtenberg in seinen berühmten „Sudelbüchern“. Auch zu Schaltjahren hatte er eine Meinung, übertitelt „Trostgründe für die Unglücklichen, die am 29sten Februar geboren sind“. Ein Auszug daraus:

„Von diesen Freudenbezeichnungen (zum Geburtstag) nun verliert das unglückliche Geschöpf, das am 29sten Februar geboren ist, nach einer leichten Berechnung, in seinem Leben wenigstens bare 75 Prozent in Vergleich mit andern Menschen. Das ist etwas hart. Es sei nun das, was eingebüßt wird, ein Wunsch in Prosa, ein Carmen (Lied) oder ein wirkliches Gedicht; es seien Bänder, Blumen, Kuchen, Feuerwerke, Illuminationen und Kanonaden, so sind immer die 75 Prozent davon weg wie weggeblasen. Ja, die Sache kann sehr wichtig werden. Gesetzt, der Unglückliche sei der Regent eines Reichs oder einer Stadtschule, der das Recht hat, freiwillige Geschenke an seinem Geburtstage zu erpressen, wie kann ein solcher ein Geschenk verlangen, das an einem Tage zahlbar ist, der in drei Jahren gegen eins gar nicht existiert?“

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