Ein schlichter Text für die Ewigkeit

So entstand das weltberühmte Weihnachtslied: Priester schrieb „Stille Nacht"

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Das Foto zeigt Musiknoten zu dem Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht".

Es ist wohl das weltweit bekannteste Weihnachtslied, es wird neben Deutsch in 53 Sprachen gesungen, darunter Chinesisch, Persisch und Grönländisch. Es erklingt zu Heiligabend im ewigen Eis der Arktis genauso wie unter Palmen in Afrika: Stille Nacht, Heilige Nacht.

Viele Sänger rund um den Erdball interpretierten den Klassiker, allein die Aufnahme von Bing Crosby aus dem Jahr 1935 erreichte zehn Millionen Exemplare. Den Text schrieb ein einfacher Priester aus Österreich ursprünglich als Gedicht: Joseph Mohr (1792 - 1848).

Lebte für die Armen: Der Priester Joseph Mohr textete „Stille Nacht, Heilige Nacht“, in der Kirche Oberndorf wurde das Lied Heiligabend 1818 aufgeführt. Foto: dpa

Die Melodie dazu entstand aus einer Not: In der St. Nikolaus-Kirche in Oberndorf bei Salzburg streikte kurz vor Weihnachten 1818 die Orgel. Mohr, der dort Priester war, bat daraufhin den Organisten Franz Xaver Gruber, sein sechsstrophiges Gedicht zu vertonen. Gruber schrieb zwei Solostimmen mit Gitarrenbegleitung. Während der Christmette Heiligabend 1818 erklang es zum ersten Mal. Mohr sang Tenor und spielte Gitarre, Gruber sang die Bassstimme. Danach wurden die Strophen drei bis fünf nicht mehr gesungen, sie galten als zu politisch. Noch heute werden in den Kirchen meist nur die Strophen eins, zwei und sechs angestimmt.

Live im Netz:

Hier finden Sie die Webcam, die die Stille-Nacht-Kapelle zeigt. Über die Webcam können Sie am heutigen Heiligabend ab 17 Uhr die Feier an der Kapelle live verfolgen.

Mohrs Leben war nicht leicht. Er kam am 11. Dezember 1792 in Salzburg als uneheliches Kind der Strickerin Anna Schoiber zur Welt. Sein Vater Franz Mohr war Soldat, Joseph wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ein Domvikar erkannte sein musisches Talent, ermöglichte ihm, ein Gymnasium zu besuchen und später Theologie zu studieren. Um zum Priester geweiht zu werden, brauchte Mohr als unehelich Geborener eine Ausnahmegenehmigung vom Papst. 1815 wurde er geweiht. Seine erste Gemeinde war in Mariapfarr, der Heimat seines Vaters. Dort hatte er die Idee, das Gedicht zu schreiben.

Seine Kindheit in Armut inspirierte Mohr, sich ein Leben lang für die Armen einzusetzen. Er machte sich in Wagrain, wo er ab 1837 Priester war, für den Bau einer Schule stark, schuf einen Ausgleichsfonds, mit dem Kindern armer Eltern der damals kostenpflichtige Schulbesuch ermöglicht wurde, kümmerte sich auch um alte Menschen. Auch ein Armenhaus geht auf seine Initiative zurück.

Der Name der Volksschule von Wagrain erinnert noch heute an Joseph Mohr, ebenso wie das Wallfahrts- und Stille-Nacht-Museum in Mariapfarr. 2011 wurde das Lied von der Unesco in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Republik Österreich aufgenommen.

Mohr selbst erfuhr vom Erfolg seines Liedes nie etwas. Die Urheberschaft seines Textes wurde von einem Autographen erst 1854 nachgewiesen, sechs Jahre nach Mohrs Tod. Er starb am 4. Dezember 1848 in Wagrain an Tuberkulose. Stille Nacht ist und bleibt wegen seiner schlichten Schönheit unsterblich.

Der Liedtext: Stille Nacht, Heilige Nacht

1. Stille Nacht! Heilige Nacht! Alles schläft, einsam wacht nur das traute hoch heilige Paar. „Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh’, schlaf in himmlischer Ruh’!“

2. Stille Nacht! Heilige Nacht! Gottes Sohn, o wie lacht lieb’ aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund’: Jesus in deiner Geburt. Jesus in deiner Geburt.

3. Stille Nacht! Heilige Nacht! Die der Welt Heil gebracht, aus des Himmels goldenen Höh’n uns der Gnade Fülle läßt sehn: Jesum in Menschengestalt. Jesum in Menschengestalt. 4. Stille Nacht! Heilige Nacht! Wo sich heut’ alle Macht väterlicher Liebe ergoß, und als Bruder huldvoll umschloß Jesus die Völker der Welt. Jesus die Völker der Welt.

5. Stille Nacht! Heilige Nacht! Lange schon uns bedacht, als der Herr, vom Grimme befreit, in der Väter urgrauer Zeit aller Welt Schonung verhieß, aller Welt Schonung verhieß.

6. Stille Nacht, heilige Nacht, Hirten erst kundgemacht! durch der Engel Halleluja tönt es laut von Ferne und Nah: Jesus, der Retter ist da! Jesus, der Retter ist da!

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