Eingeschläfert oder erschossen

Wegen Corona: In Lappland töten Halter ihre Schlittenhunde

Schlittenhunde liegen im Schnee und erholen sich von einer Tour.
+
Zum Themendienst-Bericht „Tourismus/Finnland/Wintersport/KORR/“ von Manuel Meyer vom 1. Dezember: Erschöpft, aber zufrieden: In der Pause holen sich die Huskys neue Energie für die Strecke am Nachmittag.

Das Coronavirus treibt einige Halter von Schlittenhunden zu verzweifelten Taten. Die Huskys werden eingeschläfert oder erschossen - weil das Geld für sie fehlt.

Lappland - In den vergangenen Jahren entstand in Lappland ein regelrechter Run auf Schlittenhund-Touren. Besonders in der Weihnachtszeit lockte es viele Touristen trotz Kälte und verkürzter Tageslichtzeit in den Norden Finnlands - unter anderem, um sich dort in einem Schlitten von Huskys durch die malerisch verschneite Landschaft ziehen zu lassen.

Die Anbieter stellten sich daher auf den großen touristischen Andrang ein - und erhöhten die Anzahl ihrer Touren und damit auch die ihrer Schlittenhunde. 5.000 bis 7.000 Tiere waren zuletzt pro Saison im Einsatz. Dennoch konnte man in Lappland der großen Nachfrage nicht gerecht werden. Zuletzt drängten daher auch Anbieter aus dem Ausland auf den Markt. Der hohe Kostendruck warf immer wieder auch Fragen bezüglich des Tierwohls auf.

Lappland: Halter töten aus Verzweiflung Huskys, weil sie sie nicht mehr finanzieren können

Die enorme Expansion des Industriezweigs der vergangenen Jahre wird nun jedoch vor allem für lokale Anbieter von Schlittenhund-Touren zu einer großen Belastung, die einige bereits zu verzweifelten Taten treibt. Denn: Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus brach der Tourismus insbesondere über Weihnachten beinahe komplett ein.

Das Problem: Die Hunde können nicht einfach ruhig gestellt werden - schließlich wurden sie jahrelang auf das Ziehen von Schlitten gedrillt. Sie brauchen Bewegung und noch dazu viel Futter - und das zu Tausenden. Das jedoch kostet Geld, was vielen Husky-Farmen durch die fehlenden Einnahmen aufgrund der ausgefallenen touristischen Touren in diesem Jahr nicht zur Verfügung steht.

Laut einem Bericht von RTL kämpft eine große Zahl von Anbietern in Lappland ums nackte Überleben. „Teilweise werden die Hunde aus Verzweiflung sogar eingeschläfert und erschossen“, wird ein Anbieter von Schlittenhund-Touren aus Rovaniemi zitiert. „Viele andere werden an Privatleute abgegeben. Die Unterhaltung der Tiere ist sehr teuer.“

Aufruf: Spender schicken Geld und Futter nach Lappland, um Schlittenhunden zu helfen

Die dramatischen Umstände rund um die Schlittenhunde sowie die Furcht vor massenhaften Tötungen in Lappland haben sowohl national als auch international große Wellen geschlagen. Sponsoren organisieren großangelegten Spenden-Kampagnen und schicken Geld, aber auch mehrere Tonnen Futter in den Norden Finnlands, um den Tieren zu helfen. Das berichtet der öffentlich-rechtliche Rundfunk YLE des Landes. Auch meldeten sich viele Freiwillige für eine Adoption des ein oder anderen Hundes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.