Der Wettbewerb in fünf Punkten

ESC im Schnellcheck: Punktlose Deutsche und siegreiche Schweden

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Eine deutsche Pleite, aber ein gelungener, vierstündiger Showabend mit vielen musikalischen Höhepunkten: Zum Fernsehereignis des Jahres wurde der Eurovision Song Contest am Samstagabend.

Deutschland hat null Punkte, zero points, eingesammelt. Es hat wirklich kein einziges der 40 Abstimmungsländer auch nur einen Punkt für Deutschland abgegeben. Das gab es zuletzt vor 50 Jahren, 1965. Auch Österreich ging komplett leer aus. Gewonnen hat, absolut verdient, für Schweden Måns Zelmerlöw mit „Heroes“ . Schon in der zweiten Hälfte der Abstimmung wuchs der Abstand des Schweden zu den anderen Favoriten Russland, Italien und Belgien immer weiter.

Der Wettbewerb unter fünf Aspekten

Die Musik

Der diesjährige ESC bewies: Die Zeiten peinlicher Schlagerdarbietungen sind ebenso vorbei wie die pseudowitziger Trashnummern. In der Spitzengruppe entschieden neben Måns Zelmerlöw für Schweden mit seiner Dance-Pop-Nummer Russland mit Polina Gagarins Friedensballade „A Million Voices" und die Italiener Il Volo mit ihrem Opern-Pop „Grande Amore“ das Rennen. Drei musikalisch denkbar unterschiedliche Titel fügen sich zu Europas Konsens-Pop 2015.

Der deutsche Beitrag

War völlig in Ordnung. Ann Sophie lieferte mit „Black Smoke“ eine rasante Nummer im James-Bond-Style. Killer-Stilettos inklusive. Dazu ihre Gänsehautstimme. Dieses Gesamtpaket stimmte und hätte bei der Abstimmung einen Platz im Mittelfeld verdient gehabt. Aber wie hieß es auf Twitter resigniert: „Ann Sophie kann sich bei Merkel und Schäuble bedanken“. Vielleicht ist es wirklich so: In Europa kann Deutschland gerade nicht punkten. Ungeachtet von Qualität.

Die Show

Super. Kompliment an Österreich, die das Vier-Stunden-Ereignis souverän, stilvoll und unpeinlich (ja, das muss man in diesem Genre extra betonen) inszenierten. Angefangen mit den Wiener Philharmonikern, die die Eurovisionshymne fiedelten und dabei mit ihren Frackschößen so herrlich k.-u.-k.-unzeitgemäß daherkamen, dass es schon wieder kultig war, bis zu Conchita Wurst, die in lässiger Grandezza ihr Land repräsentierte - und fast vergessen machte, dass nach ihrem Sieg 2014 heuer keinerlei Punkte an das Ausrichtungsland gingen.

Die Abstimmung

War wie üblich von zwei Aspekten geprägt: Nachbarländer stimmten für Nachbarländer. Außerdem: Mainstream siegte. Der riesige Vorsprung für Schweden bewies, dass Måns Zelmerlöws Popnummer die europäische populäre Musik derzeit gekonnt auf den Punkt bringt. Polina Gagarinas balladenhaftes „A Million Voices“, dargebracht im Marilyn-Monroe-Look, war offenbar Konsensmusik mit Botschaft für den kleinsten gemeinsamen Nenner, und die Italiener setzten auf Bella-Italia-Nostalgie der 50er. Darauf eine Kugel Pistazieneis.

Die Kommentare

Cool. Kult-Kommentator Peter Urban musste in den sozialen Netzwerken zwar auch ein paar kritische Kommentare einstecken, bekam aber vor allem Lob für seine explizit subjektiven Sprüche. Zum Belgier Loic Nottet sagte er, der sähe „aus wie ein störrischer Gymnasiast nach einer Sechs“ und er bescheinigte Elhaida Dani aus Albanien „Mariah-Carey-Erinnerungstöne“. Macht Spaß. Ebenso wie die mehreren hunderttausend Tweets bei Twitter über den ESC, wo man oft witzige Einschätzungen aus ganz Europa lesen konnte. Auch das schlug Brücken zwischen den Menschen und Ländern - und passte so bestens zum gleichnamigen Motto der Show. So schrieb ein Zuschauer ins www: „Mit Euch gucken macht Spaß.“ Europa, das war am Samstag eine Fernseh- aber eben auch eine Netzgemeinde.

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Spott und Mitleid: Twitter-Reaktionen nach dem ESC

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