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„Lächerliche Maßnahme“: Schottland wollte 50.000 Pfund zahlen, wenn man auf eine Insel zieht

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Von: Luis Teschner

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Die schottische Regierung schlägt große Geldsummen für diejenigen vor, die auf bestimmte Inseln ziehen. Die Maßnahme findet nicht nur Zuspruch.

Stornoway, Schottland – Eine verlassene Landschaft, die nur aus endlosen Wiesen, Mooren und Stränden besteht. Berge und Meer im ständigen Wechsel, so weit das Auge reicht. Für viele ist Schottland ein lebenslanges Traumziel und mehr als nur eine Reise wert. Doch ganze Landstriche leiden unter starker Landflucht.

Deswegen schlug die schottische Regierung vor, je 50.000 Pfund an 100 Familien zu vergeben, die auf bestimmte abgelegene Inseln umziehen. Die Bewohner dieser Inseln, die eigentlich von der Maßnahme und der so wachsenden Population profitieren sollen, schlagen Alarm und halten nichts von der Idee. Nun rudert die Regierung zurück und es gibt die Umzugsprämie, die an ähnliche Projekte in Süditalien erinnert, doch nicht.

Chaos um Umzugsprämie: Schottische Inselbewohner sehen in Regierungsplänen keinen Mehrwert

Eigentlich sollte die im August 2021 initiierte Geldspritze den Inseln helfen, die Population beständig zu halten. Seit Jahren sind die Bevölkerungszahlen vieler Inseln rückläufig, denn vor allem jüngere Menschen zieht es in urbane Gebiete im Süden. Um zu verstehen, wieso die Maßnahme auf so viel Kritik stieß, sprach IPPEN.MEDIA mit Niall Houston, einem Bewohner der Insel Lewis (Population von 18.500).

Links eine schottische Landschaft, rechts eine Siedlung am Meer
Schottische Inselbewohner halten eine Geldspritze der Regierung für „lächerlich“ © Foto-Montage: Luis Teschner

„Es ist ein sehr hartes Leben hier im Norden. Wir haben die höchsten Energie- und Benzinpreise im ganzen Land,“ erklärt Niall die Ursachen der Land- bzw. Inselflucht. So seien die Einwohner von Lewis besonders hart von der Energiekrise getroffen, die die bereits enormen Preise auf den Inseln noch weiter in die Höhe treibt.

Warum Menschen die schottischen Inseln verlassen – und wie Investitionen helfen könnten

Aufgrund der schwierigen ökonomischen Lage kämen Geldspritzen aus den reicheren Teilen Schottlands durchaus gelegen, sagt Niall: „Das Geld sollte in bessere Infrastruktur investiert werden, in Wohnungszuschüsse und Ausbildungsplätze. Dann wollen die Leute von selbst wieder hier leben.“ Doch eine Maßnahme, wie die vorgeschlagene, sei nicht der richtige Weg und Niall bezeichnet sie als „lächerlich“, aber nicht als überraschend.

„Die Entscheidung kommt von Leuten, die unser Leben und unsere Bedürfnisse nicht kennen oder verstehen.“ Deshalb hätte der Vorschlag einige Bewohner „beleidigt“. Niall befürchtet sogar, die Umzugsprämie könnte zu Zerwürfnissen zwischen der Inselbevölkerung und den dadurch angelockten Zugezogenen sorgen und so die Inselgemeinschaft schädigen.

Schottische Regierung macht Rückzieher – keine Umzugsprämien mehr für Insel-Umzug

Niall ist bei Weitem nicht der Einzige, der die Regierungspläne kritisiert. Im August 2022, ein Jahr nach Ankündigung der Umzugsprämie, veröffentlichte die schottische Regierung eine öffentliche Antwort auf die Sorgen der Inselbevölkerung. Darin zu finden: Der Beschluss, es solle nun doch keine Umzugsprämie geben. Stattdessen soll ein Plan entwickelt werden, wie der Inselflucht nachhaltig entgegengewirkt werden kann. Konkrete Alternativ-Maßnahmen sind in der Ankündigung nicht zu finden. (lute)

Erfolgreich dagegen verlief das Vorhaben der schottischen Regierung, Binden und Tampons kostenlos zur Verfügung zu stellen.

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