Zwölfjährige angeschossen

Mann feuerte 24 Schüsse in Menschenmenge - verletztes Mädchen macht trauriges Geständnis

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Dem Angeklagten (l) werden im Gerichtssaal im Landgericht Braunschweig die Handschellen abgenommen.

Rund 24 Schüsse feuerte ein Rentner in der vergangenen Silvesternacht ab, ein Mädchen wird schwer verletzt. Nun muss sich der Angeklagte vor Gericht verantworten. 

Braunschweig - Ein Cafébesitzer, der in der Silvesternacht in eine Menschengruppe geschossen und eine Zwölfjährige stark verletzt haben soll, hat zu Prozessbeginn sein Bedauern geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 69-Jährigen aus Salzgitter versuchten Totschlag vor. Er habe tödliche Verletzungen des Mädchens zumindest billigend in Kauf genommen. Das Kind erlitt einen Lungen- und Rippendurchschuss und leidet nach eigenen Angaben noch heute unter den Folgen. „Das Geschoss wurde durch die Rippe abgeprallt, wodurch es das Herz verfehlte“, sagte die Anklagevertreterin.

Angeklagter gesteht bereits in den Jahren zuvor geschossen zu haben

Der 69-Jährige erklärte über seinen Verteidiger, dass er es zutiefst bedauere, das Mädchen derart schwer verletzt zu haben. Er habe während des Silvesterfeuerwerks zwei Mal rund zwölf Schüsse abgefeuert, dabei aber gar nicht in Erwägung gezogen, dass er eine andere Person hätte treffen können. Schon in den beiden Jahren zuvor habe er dies gemacht. Der Türke sitzt seit seiner Festnahme am Neujahrstag in Untersuchungshaft und wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

Die Zwölfjährige hatte mit ihrer Familie auf der Straße vor ihrem Wohnhaus Raketen gezündet und das Feuerwerk angeschaut. Ihre Aussage bei der Polizei im April wurde am Mittwoch verlesen. „Im ersten Moment dachte ich, dass eine Rakete mich getroffen hat, ich habe einen harten Schmerz gespürt, wie mit einem Hammer“, zitierte die Vorsitzende Richterin Daniela Kirchhof das Mädchen, das wie der Angeklagte türkische Wurzeln hat. „Ich bin innerlich zerstört. Ich traue mich nicht mehr, aus dem Haus rauszugehen.“

Opfer noch immer in Therapie: Eltern treten als Nebenkläger auf

Die Eltern treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Das traumatisierte Mädchen sei noch heute in Therapie, sagte ihr Anwalt Muammer Duran. Nach Aussage des Angeklagten war der Erwerb der Neun-Millimeter-Pistole ein „Gelegenheitskauf“. Er habe aus dem geöffneten Fenster seines Cafés in die Luft geschossen. Dass die letzten Schüsse nahezu waagerecht fielen, sei auf keinen Fall beabsichtigt gewesen und unverzeihlich. Er habe an dem Tag auch mehr Alkohol getrunken als sonst.

Während der Tat war die Mutter des Opfers bei ihrem jüngsten Sohn im Haus. Ihre Tochter habe sich dann auf sie geworfen und geschrien: „Mutter, ich bin angeschossen worden!“ Das habe sie erst für einen Scherz gehalten, sagte die 36-Jährige als Zeugin. „Ich habe sie umarmt, dann wurde es warm an meiner Hand.“ Der ganze Rücken sei voller Blut gewesen. Der Angeklagte habe zunächst bestritten, das Kind angeschossen zu haben.

Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt, es sollen zahlreiche Zeugen gehört werden. Das Urteil könnte nach dieser Planung am 4. August gesprochen werden.

dpa

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