Sensationsurteil nach verheerendem Absturz

Concorde-Prozess: Angeklagte freigesprochen

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Das Archivbild zeigt die Unglücks-Concorde der Air France, die am 25.07.2000 bei Paris abstürzte,

Paris - Im Juli 2000 endete ein Traumflug für 97 deutsche Urlauber in einem Inferno. Kurz nach dem Start in Paris stürzten sie an Bord einer Concorde ab. Ein Berufungsgericht sprach jetzt alle Angeklagten strafrechtlich frei.

Überraschendes Urteil im Prozess um die Concorde-Katastrophe von Paris: Zwölf Jahre nach dem Absturz des Überschalljets mit allein 97 deutschen Todesopfern hat ein Berufungsgericht den strafrechtlichen Schuldspruch gegen die damalige US-Fluggesellschaft Continental Airlines verworfen.

Die Richter sahen es zwar als erwiesen an, dass die Katastrophe mit insgesamt 113 Toten durch einen Defekt an einer zuvor gestarteten Continental-Maschine ausgelöst wurde. Dies rechtfertige jedoch keine strafrechtliche Verantwortung, urteilte das Gericht am Donnerstag in Versailles.

Die mittlerweile zum Unternehmen United Continental fusionierte Airline muss demnach lediglich eine Million Euro Schadenersatz an die Air France als Eigentümerin der Concorde zahlen. Die französische Fluggesellschaft hatte eine Entschädigung für den erlittenen Imageschaden gefordert.

Das sind die sichersten Fluglinien der Welt

In dem JACDEC-Index werden nur Unfälle kommerzieller Unternehmen berücksichtigt, bei denen das Flugzeug zerstört oder nicht mehr reparierbar war oder bei denen es Todesopfer gab. © dpa
Sieben der 60 großen Airlines sind seit 30 Jahren unfallfrei, darunter auch Air Berlin. Die Fluggesellschaft  wurde 1979 gegründet un d zählt heute zu den sichersten Fluglinien. © dpa
Zu den sichersten Airlines gehört auch Finnair.  Das Unternehmen gibt es seit 1923. © dpa
Rang Nummer 3: Die portugisische TAP Air. Die Fluglinie existiert seit 1945. © wikipedia commons
Genauso gut stehen auch die 1922 gegründete australische Qantas Qantas Airways gibt es seit 1922. In der JACDEC-Bilanz taucht übrigens der beschädigte Airbus A380 der Qantas, bei dem ein Triebwerk nahe Singapur explodierte und zu schweren Schäden an der Tragfläche führte, nicht auf. © dpa
Qantas Airways
Denn die Australier konnten die europäische Riesenmaschine für rund 50 Millionen Euro wieder reparieren. Das Flugzeug war ja kein Totalverlust. © dpa
Cathay Pacific Airways
Cathay Pacific Airways aus Hongkong zählt auch zu den sichersten Fluglinie der Welt. Es gibt sie seit 1946. © dpa
All Nippon Airways
All Nippon Airways (ANA):  Der japanische Flug-Anbieter wurde 1953 gegründet. © dpa
Emirates Airline - d as Unternehmen ist 1985 gegründet worden. Seitdem ist kein schwerer Unfall passiert. © dpa
Die Deutsche Lufthansa mit der Ranking-Note 0,005 nimmt lediglich den 21. Platz ein. Ein Unfall in den vergangenen 30 Jahren. 1993 starben bei einem Unfall mit einem Lufthansa-Flieger zwei Menschen. © dpa
Das 1991 gegründete Unternehmen EVA Air belegt den 10. Platz der sichersten Flugzeuge der Welt. © wikipedia commons
Virgin Blue fliegt auf Rang 13. Die Firma wurde 2000 gegründet und ist seit neuen Jahren ohen Flugezugverlust. © wikipedia commons
Etihad Airways gibt es erst seit 2003. Seitdem hat die Fluglinie aber keine nennenswerte Unfälle produziert. © dpa
EasyJet: Gegründet wurde die Firma 1995, und seitdem ist die Fluglinie unfallfrei. © dpa
West Jet Airlinesn belegt den 16. Platz der sichersten Fluglinien der Welt. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet. © wikipedia commons
Auf Rang 17 ist JetBlue Airways gelandet. Das Unternehmen ist im Jahr 2000 gegründet worden. © wikipedia commons
Der bislang letzte Unfall eines British Airways-Fleigers ist erst ein Jahr her. Gestorben ist niemand. Daher nur Platz 18 der sichersten Fluglinien der Welt. © dpa
Auch die Royal Dutch Airlines KLM verzeichnen einen Unfall in den vergangenen 30 Jahren. Dabei ist niemand gestorben, und seit fünf Jahren ist das Unternehmen wiederum unfallfrei. © dpa
El Al Airways gehört ebenfalls zu den sichersten Fluglinien der Welt. Gegründet: 1948. © wikipedia commons
Virgin Atlantic Airways. Die Frima wurde 1984 gegründet und ist seit 25 Jahren unfallfrei. © wikipedia commons
Auf Rang 12: Qatar Airways. 1994 ging das Unternehmen an den Start, seit 15 Jahren ist es unfallfrei. © dpa
Hainan Airlines wurde 1993 gegründet. Das Unternehmen belegt Rang elf. © dpa
TAM
Auf den letzten Plätzen unter den 60 großen Fluggesellschaften rangieren vier asiatische und zwei südamerikanische: Schlusslicht ist die brasilianische TAM mit der Ranking-Note 1,397, die seit 1980 sechs Unfälle mit insgesamt 336 Toten erlitt. © dpa
Saudi Arabian Airlines
Saudi Arabian Airlines: Saudi Arabian Airlines (Note 1,030) mit vier Unfällen und 611 Toten. © dpa
Die schon 1933 gegründete Turkish Airlines - jahrelang Schlusslicht dieser Bilanz - ist auf den 53. Rang vorgerückt. Ihr letzter schwerer Unfall liegt mittlerweile 16 Jahre zurück. Und auch internationale Experten bescheinigen Turkish Airlines mittlerweile, gründlich umstrukturiert worden zu sein und in punkto Sicherheit und Zuverlässigkeit enorme Fortschritte gemacht zu haben. © 

Für die Hinterbliebenen bleibt es bei der symbolischen Bedeutung des Urteils. Die etwa 700 Betroffenen hatten damals Schmerzensgeld und Schadenersatz nach US-Maßstäben in dreistelliger Millionenhöhe ausgehandelt.

Beim Absturz des Jets waren am 25. Juli 2000 insgesamt 113 Menschen ums Leben gekommen, darunter 97 Deutsche. Sie wollten mit dem Charterflug der schleswig-holsteinischen Reederei Deilmann nach New York fliegen, um dort eine Kreuzfahrt zu beginnen. Vier der 113 Opfer starben in dem Hotel, in das die Maschine kurz nach dem Start stürzte.

Die Katastrophe läutete das Ende der Flugzeuge ein. Die französisch-britischen Konstruktion wurde 2003 aus dem Betrieb genommen. Die wegen ihres Fluglärms auch „Donnervögel“ genannten Maschinen flogen in nur dreieinhalb Stunden von Paris und London nach New York.

Die zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt

Washington-Touristen kennen den nervigen Fluglärm über der US-Hauptstadt: Der Reagan National Airport befindet sich mitten in der Stadt zwischen zwei Flugverbotszonen. Piloten müssen beim Landen Gebäude wie das Pentagon und das CIA-Hauptquartier meiden und während des Starts schnell an Höhe gewinnen, um nicht ins Weiße Haus zu fliegen. © AP
Flughafen gefährlich
Der Anflug auf den Flughafen Santa Catarina ist eine Belastungsprobe für Flugpersonal und Passagiere. Piloten müssen für den Anflug speziell ausgebildet werden: Die Landebahn ist nicht nur extrem kurz, sondern verläuft auch noch direkt an einem Steilküstenabhang. Die Piloten müssen lange auf die Berge zufliegen und erst im letzten Augenblick das Steuer rechts herumreißen, um auf dem Rollfeld zu landen. © dpa
Die Rollbahn des Toncontin-Flughafens in Tegucigalpa (Honduras) ist mit 1863 Metern die weltweit kürzeste eines internationalen Airports. Größere Flugzeuge können hier nicht landen. Vor der Landung muss der Pilot bergiges Gelände überfliegen, primitive Navigationsausrüstung machen den Flughafen zusätzlich gefährlich. Bei schlechter Witterung müssen die Flugzeuge oft nach San Salvador ausweichen. © dpa
Insel Barra
Auf der westschottischen Insel Barra muss ein Sandstrand als Flugfeld herhalten. Die Größe des "Rollfelds" hängt ganz von den Gezeiten ab. Simple Autoscheinwerfer auf dem Parkplatz weisen Piloten nachts den Weg über die flache Bucht. © dpa
La Guardia und Newark
Viel beflogen, aber ziemlich gefährlich: der John F. Kennedy Airport in New York. Die Herausforderung für die Piloten besteht im Vermeiden von Flugzeugen anderer Flughäfen in der Nähe - La Guardia und Newark. Die Crew ist gezwungen, etwa 460 Meter Abstand und eine Sicht von knapp 8000 Metern zu haben, bevor sie die Landebahn anfliegen dürfen. © dpa
Am 9. November 2007 kam ein Flugzeug der Airline Iberia von der Landebahn in Quito, Ecuador, ab (Foto). Piloten fürchten die abschüssige Landebahn der ecuadorianischen Hauptstadt seit langem. Der Flughafen liegt nur wenige Minuten vom Finanzzentrum entfernt und ist umringt von einer Wohnsiedlung. Das Problem wurde jedoch erkannt. Ein neuer Flughafen einige Kilometer entfernt gebaut. © dpa
Am 19. Februar 2013 schließt der berüchtigte Flughafen in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito für immer. © AP
Der Flugplatz von Lukla in Nepal ist nur 527 Meter lang und 20 Meter breit. Die Landebahn neigt sich um 12 Grad, der Höhenunterschied zwischen beiden Endpunkten beträgt 60 Meter. Die Piloten haben nur einen Versuch, Durchstarten ist wegen der Hochgebirgslage unmöglich. Eine lebensgefährliche Angelegenheit: Auch eine Reisegruppe aus München stürzte hier 2008 in den Tod. © dpa
Die Startbahn der 13-Quadratkilometer-Insel Saba auf den Niederländischen Antillen ist gerade mal 400 Meter lang und säumt eine Steilküste. Der Flughafen der Karibikinsel ist außerdem sehr anfällig für Sturmböen. © dpa
Unglaublich: Eigentlich ist der Flughafen von St. Maarten, Karibik, nur für kleine und mittlere Jets geeignet. Piloten größerer Flieger müssen die Landebahn (2180 Meter lang) daher sehr tief über dem traumhaften Sandstrand von Maho Beach und seinen Urlaubern anfliegen und berühren dabei fast den zehn Meter hohen Sicherheitszaun. © dpa
Höchste Präzision erfordert der Landeanflug auf den Flughafen von Gibraltar, Südspanien. Der kleine Airport liegt zwischen der Bucht von Algeciras und dem Mittelmeer. Das Rollfeld ist knapp 1830 Meter lang. Wie auf den anderen kleineren Flughäfen brauchen Piloten hier eine Spezialausbildung. © dpa

In erster Instanz hatte ein Gericht vor zwei Jahren der Fluggesellschaft und einem ihrer Mitarbeiter die Hauptverantwortung für den Absturz zugeschrieben. Continental war zu einer Geldstrafe in Höhe von 200 000 Euro, der Mitarbeiter zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Richter folgten bereits damals der These, dass die Concorde beim Start über eine Titan-Lamelle gerollt war, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde und Gummiteile beschädigten das Flugzeug. Keine zwei Minuten nach dem Abheben krachte die Air-France-Maschine in das Hotel am Flughafen.

Die Continental-Anwälte hatten in dem Verfahren argumentiert, dass die Concorde bereits gebrannt haben könnte, bevor sie über das Metallteil fuhr. Das Gericht dürfe sich nicht von Mutmaßungen, Gefühlen und Stimmungen leiten lassen, sagte Anwalt Olivier Metzner. Das Gericht geht in der Entscheidung aber davon aus, dass das Feuer auf den zerstörten Tank zurück geht.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Erhöhung der Geldstrafe auf den Maximalbetrag von 225 000 Euro gefordert. Sie wollte zudem, dass ein Mitarbeiter der Zivilluftfahrtbehörde DGAC zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wird. Er soll von der Anfälligkeit des Flugzeugs gewusst haben und nicht genügend vor den Risiken gewarnt haben. Das Berufungsgericht hielt diese These für glaubwürdig, lehnte aber eine strafrechtlich Verurteilung aber ab. Es gebe keinen sicheren Kausalzusammenhang zwischen seiner Fahrlässigkeit und dem Unglück.

Von Ansgar Haase und Gerd Roth

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