Schulzoos bereichern den Lernalltag von Schülern

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Die Schülerinnen Vanessa (l-r), Marie und Natalie aus der fünften Klasse an der Haupt- und Realschule in Zetel (Niedersachsen) profitieren vom Schulzoo. Foto: Ingo Wagner

Tiere gehören in Wiefelstede zum Unterrichtsalltag der Schüler. In eigener Verantwortung versorgen Kinder dort Kaninchen, Meerschweinchen und Reptilien. Und es gibt noch mehr Orte, wo ein Klassenzimmer als Mini-Zoo dient.

Wiefelstede (dpa) - Vorsichtig legt Nele eine Maus in das Terrarium. Eine kleine Gruppe Jugendlicher schaut bei der Fütterung der Schlange zu. Das Füttern gehört zu den Aufgaben der 14 Schüler des Wahlpflichtkurses "Biologie/Zoo" im achten Jahrgang der Oberschule Wiefelstede.

Die Ganztagsschule mit integriertem Gymnasium hat für ihren Schulzoo einen Fachraum mit angrenzendem Hof umgerüstet. Geleitet wird der Schulzoo von Corinna Glaw, die das Projekt als gelernte Tierärztin und Lehrerin vor drei Jahren ins Leben gerufen hat. Organisiert wird der Schulzoo von den Schülern. Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Echsen und Schlangen sowie zwei Mini-Schweine tummeln sich in Terrarien, Ställen und eingezäunten Gartenarealen hinter der Schule.

Der Wahlpflichtkurs vermittle vor allem soziale Kompetenzen, sagt Glaw. "Hier sind Teamgeist und Verantwortung gefragt." Denn im Team bauen die zwölf Jungs und zwei Mädchen die Gehege selbst. Und sie sind verantwortlich dafür, auch am Wochenende für Sauberkeit und Fütterung der Tiere zu sorgen. "Das funktioniert", sagt Glaw. "Und wenn das mal einer vergisst, gibt es Ärger von den Mitschülern." Pädagogik zum Anfassen.

Die Tiere des Schulzoos sind Eigentum der Lehrerin: "Letztlich treffe ich die Entscheidung, welches Tier dazu kommt oder aus dem Zoo herausgenommen werden muss." Der Schulzoo der Oberschule Wiefelstede soll Spaß machen - ist aber nicht nur Spaß. Es gibt Theorieunterricht und Noten. Doch die Theorie kommt nur selten aus dem Lehrbuch. "Da bringe ich lieber mal meine beiden Ponys als Anschauungsmaterial mit", sagt die Hofbesitzerin, Tierärztin und Lehrerin.

Bürokratische Hürden bei der Einrichtung des Schulzoos gab es nicht. "Da haben wir absolut freie Hand. Eine Genehmigung war nicht erforderlich", sagt Schulleiter Mark Brinkmann - und wird bestätigt von der niedersächsischen Landesschulbehörde.

Nur 30 Kilometer entfernt in der Haupt- und Realschule in Zetel im Kreis Friesland gibt es den Zoo im Klassenzimmer. In einem Raum stehen Terrarien und Volieren, dazwischen die "Schulzooforscher" der fünften Klasse. Schlangenhalterin Tanja Brunken aus Sande hat eine zwei Meter lange Boa Constrictor Imperator und einen Königspython dabei - und erklärt den Kindern den Umgang mit den exotischen Tieren.

Der Besuch aus Sande ist eine Überraschung des Kursleiters. Dirk Roschkowski ist Diplom-Biologe und pädagogische Fachkraft in Zetel, er und Daniela Günther aus der Elternschaft der Schule betreuen gemeinsam den kleinen Zoo. Zwei Bartagamen, neun Wüstenrennmäuse, Schildkröten, Kanarienvögel, Hamster und Finken wollen gefüttert sein und saubere Käfige haben. Die Kinder sind noch zu jung, um die Verantwortung im Zoo selbst zu übernehmen.

Sind Tiergehege die Regel in den Schulgebäuden Niedersachsens? Sicher nicht, doch finden sie sich etwa an Schulen in Loxstedt und Peine. Das niedersächsische Kultusministerium sieht Bezüge zu den Fächern Sachkunde und Biologie. Im Sachunterricht der Grundschule geht es nach Angaben von Sprecherin Susanne Schrammar um die Lebenswelt der Kinder und die Zusammenhänge verschiedener Disziplinen. Dazu gehören auch Beobachtungen, die an Tieren im Schulgarten gemacht werden können.

Barbara Minnemann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Tierparks Jaderberg, begrüßt die Schulzoos in Wiefelstede und Zetel. "Natürlich müssen alle gesetzlichen Bestimmungen zur Haltung von Tieren eingehalten werden", betont sie - und attestiert der Beschäftigung mit Tieren pädagogischen Wert: "Ich kann nur schützen, was ich kenne."

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